April 2013, kino arsenal

50 Jahre "Das kleine Fernsehspiel"

Bild aus The Last of England

THE LAST OF ENGLAND, 1987

Weltoffen, mutig, unkonventionell, jung – unter diesen Vorzeichen betreibt das ZDF seit 1963 die Sendereihe "Das kleine Fernsehspiel". Im Selbstverständnis Werkstatt und Entwicklungslabor, fördert es den deutschen und internationalen Nachwuchs für Film und Fernsehen. Zu ihrem 50-jährigen Jubiläum veranstalten die Deutsche Kinemathek und das ZDF gemeinsam eine Hommage an "Das kleine Fernsehspiel", das von Beginn an stets das Neue an den kreativen Rändern des Spiel- und Dokumentarfilms suchte. An vier Themenabenden im April werden aufeinander abgestimmt je zwei Filme im Arsenal und zwei Filme im ZDF-Programm gezeigt.

DISTANT VOICES – STILL LIVES (Terence Davies, GB 1987, 8.4., zu Gast: Eckart Stein, Christoph Holch, Anne Even) Am Tag ihrer Hochzeit ziehen Eileens Gedanken in die Vergangenheit, vor allem zu ihrem jähzornigen, aber auch fürsorglichen Vater. Die assoziationsreiche Familiengeschichte ist ein autobiografisch geprägtes Porträt der britischen Arbeiterklasse der Nachkriegszeit, in dem Gesang eine maßgebliche Rolle spielt.

ARDIENTE PACIENCIA (Mit brennender Geduld, Antonio Skármeta, BRD/Portugal 1983, 8.4.) Skármetas Spielfilmdebüt ist eine Hommage an den chilenischen Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda, der in seiner politischen Karriere auch Präsidentschaftskandidat der Linken und chilenischer Botschafter in Paris war. Aus der Perspektive des Briefträgers erzählt, spiegeln die Ereignisse auf einer Insel die politischen Umbrüche vor und nach dem Putsch Pinochets.

GESCHICHTE DER NACHT (Clemens Klopfenstein, Schweiz 1978, 15.4., zu Gast: Clemens Klopfenstein) Für sein dokumentarisch-experimentelles Filmpoem in Schwarzweiß reiste Clemens Klopfenstein durch ganz Europa und filmte das großstädtische Nachtleben von der Dämmerung bis zum Morgengrauen.

THE LAST OF ENGLAND (Derek Jarman, GB 1987, 15.4.) In Derek Jarmans experimentell-apokalyptischem Abgesang auf das Empire streift ein junger Mann durch verlassene Industriebrachen. Idyllische Super8-Familienaufnahmen durchbrechen die düsteren Einsamkeits- und Gewaltszenarien, knallige Farben und Sepiatöne stehen im Wechselspiel.

IJON TICHY: RAUMPILOT (Folge 1–6, Oliver Jahn, Randa Chahoud, Dennis Jacobsen, D 2006, 22.4., zu Gast: Oliver Jahn (angefragt), Alexander Bickel, Brigitte Kramer) Die Science-Fiction-Farce erzählt in 15-minütigen Folgen von den Abenteuern des Weltraumpiloten Ijon Tichy. Schauplatz ist seine "Drei-Zimmer-Rakete", begleitet wird der Antiheld stets von Nora Tschirner als selbst erschaffener holografischer Assistentin. Hervorgegangen ist die Kultserie aus einem studentischen Projekt der dffb.

FORBRYDELSENS ELEMENT(The Element of Crime, Lars von Trier, Dänemark 1984, 22.4.) Unter Hypnose rekonstruiert der nach Kairo ausgewanderte Polizist Fisher einen zwei Monate zurückliegenden Mordfall in Nordeuropa. Die Aufklärungsmethode seines Mentors Osborne verlangt die völlige Identifizierung mit dem Täter. Lars von Triers in düsteren Orangetönen gehaltenes Erstlingswerk wendet einen klassischen Krimiplot in eine surrealistische Irrfahrt durch die Erinnerungen der Hauptfigur.

BERLIN IS IN GERMANY (Hannes Stöhr, D 2001, 29.4., zu Gast: Hannes Stöhr, Christian Cloos) Hannes Stöhrs dffb-Abschlussfilm ist eine Berliner Ballade der Postwendezeit. Nach elf Jahren Gefängnis entdeckt der Taxifahrer Martin Schulz seine Heimatstadt neu und muss sich einigen Herausforderungen stellen. "Die Bilder sind auf eine unspektakuläre Weise schön, weil sie nicht mit Berlin-Klischees überladen sind", urteilte damals die Süddeutsche Zeitung.

LOLLIPOP MONSTER (Ziska Riemann, D 2011, 29.4., zu Gast: Ziska Riemann, Claudia Tronnier) Der energiegeladene Coming-of-Age-Film erzählt von der Freundschaft zweier Außenseiterinnen, die im Berliner Künstlermilieu aufwachsen. Mit seinen Comic- und Videoclip-Anleihen nimmt Riemanns Debütfilm eine Gegenposition zur Kargheit der Berliner Schule ein. (Anja Göbel)

Eine Veranstaltung der Deutschen Kinemathek und des ZDF.