Recht auf Öffentlichkeit – Arbeit mit TV-Archiven

Navina Sundaram

Seit mehr als 50 Jahren produzieren und koproduzieren öffentlich-rechtliche Sender Kinofilme und kaufen diese an. Sie initiieren Sendungen und beauftragen freie Autor*innen und Filmemacher*innen. Der unschätzbare Fundus, der dadurch entstanden ist, verdankt sich dem Enthusiasmus einzelner Redakteur*innen und Redaktionen, aber auch dem gesetzlich verankerten Bildungsauftrag der Sender. Von Beginn an bestand dabei ein Spannungsverhältnis zwischen der öffentlich-rechtlichen Finanzierung der Sender und der eingeschränkten Öffentlichkeit der produzierten und erworbenen Beiträge, die nach der Ausstrahlung im Archiv verschwanden und heute kommerziell ausgewertet werden. In einem ganztägigen Symposium am 23. September widmen wir uns in drei Panel-Runden der Möglichkeit, aus den Archiven der TV-Sender „Living Archives“ zu machen, deren Bestände für die Forschung und kulturelle Bildung zur Verfügung stehen. Am Beispiel der Filmemacher*innen Navina Sundaram, Harun Farocki und Sohrab Shahid Saless, die vor allem mit NDR, WDR und ZDF eng zusammengearbeitet haben, sollen konkrete Modelle entwickelt werden, gemeinsam mit den Sendern und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen den Zugang und die Öffentlichkeit der öffentlich-rechtlichen Archivbestände und damit die Vergegenwärtigung von Filmgeschichte zu sichern.

Begleitend widmen wir in der zweiten Septemberhälfte das arsenal-3-Programm (www.arsenal-3-berlin.de) dem Symposium: Der im Auftrag vom WDR produzierte Film ZUR ANSICHT: PETER WEISS (BRD 1979) von Harun Farocki, sowie ZUR ANSICHT: PETER WEISS. DREHARBEITEN IN STOCKHOLM, nicht verwendetes Material desselben Films aus dem Archiv des Harun Farocki Institut,  ORDNUNG (BRD 1980) von Sohrab Shahid Saless, der unter Senderbeteiligung des ZDF entstand, und als Ausblick auf die 2021 erscheinende Werkbiografie „Welt-Spiegel“ über die NDR-Journalistin Navina Sundaram ein Beitrag für das Panorama: „Ehe mit Ausländern: Panorama vom 13.4.1982“.

Das Symposium findet mit Unterstützung des Goethe-Instituts statt. Eine Veranstaltung von „Archive außer sich“, ein Projekt des Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. im Rahmen einer Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Pina Bausch Foundation, Teil des HKW-Projekts „Das Neue Alphabet“, gefördert von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Projektpartner sind die Kurzfilmtage Oberhausen, die Film – Feld – Forschung gGmbH, das Harun Farocki Institut, SAVVY Contemporary, die Filmproduktion pong GmbH sowie der Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ der Goethe-Universität Frankfurt.

Programm

Mi 23.9.2020, 11–20h im silent green Kulturquartier, Kuppelhalle, Gerichtstraße 35, 13347 Berlin-Wedding

Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt. Sie wird live auf der Projekt-Webseite von „Archive außer sich“ übertragen sowie nachträglich bereitgestellt (www.archive-ausser-sich.de).
Aufgrund der geltenden Hygienebestimmungen ist die Anzahl der Sitzplätze begrenzt. Wir bitten daher um eine Anmeldung bis zum 21. September unter der Adresse archive(at)arsenal-berlin.de.

11–12 Uhr Willkommensrede von Stefanie Schulte Strathaus und Keynote Speech von Matthias Dell

12–13.30 Uhr „Eine brauchbare Bibliothek aus Bildern“
„Wenn man im Fernsehen eine Kritik macht, hat man Archiv und Schneidetisch zur Verfügung, die dem schreibenden Kritiker meistens fehlen. Man kann Material wieder und wieder sehen, und man kann damit die Geschichte der Bilder ans Licht holen“, schreibt Harun Farocki 1973. „Die Geschichte der Bilder“ – das ist auch die Geschichte der Bilder, die Farocki selbst gemacht hat und die oft für das Fernsehen entstanden.
Die umfassende Sicherung der Fernsehfilme und TV-Sendungen Harun Farockis wurde durch eine enge Kooperation zwischen unterschiedlichen Akteuren möglich. Die co-produzierenden Sender – vor allem der WDR, aber auch andere Dritte Programme sowie 3sat – ermöglichten die Lizensierung von Farockis Arbeiten durch das Goethe-Institut. So gelang es, die im Kontext der öffentlich-rechtlichen Medien produzierten Filme fast lückenlos in den TV-Archiven zu recherchieren, sie in hoher Auflösung zu digitalisieren, und in vielen Fällen zu restaurieren und zu untertiteln. Auf diese Weise sind der Verleih und Zugang ebenso wie die Langzeitarchivierung des Ausgangsmaterials dauerhaft gewährleistet. Das Projekt begann schon zu Farockis Lebzeiten und wurde nach seinem Tod von Antje Ehmann gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst und der Firma FILM SHIFT von Farockis engem Mitarbeiter Matthias Rajmann fortgesetzt.

Im Gespräch zwischen Antje Ehmann (Harun Farocki GbR), Detlef Gericke, dem langjährigen Koordinator des Bereichs Film, Fernsehen, Hörfunk des Goethe-Instituts, sowie Wilfried Reichart, dem Leiter der Filmredaktion des WDR von 1980 bis 2004, sollen die Chancen und Möglichkeiten diskutiert werden, die sich aus dieser Kooperation ableiten lassen.

Moderation: Prof. Dr. Volker Pantenburg (FU Berlin, Harun Farocki Institut)

15–16.30 Uhr „Ein neues Archiv“
Sohrab Shahid Saless ging in den 1970er Jahren aus dem Iran in die BRD, um freier als in seiner Heimat Filme machen zu können. Den Schwierigkeiten mit der Filmförderung damals entsprechen die Schwierigkeiten des Zugangs, mit denen sein filmisches Erbe heute konfrontiert ist. Saless’ zwölf in Deutschland produzierten Spielfilme wurden erst durch die Finanzierung von Fernsehsendern umsetzbar. Deshalb liegt heute das meiste Filmmaterial in Fernseharchiven, dessen Herausgabe mit hohen Kosten verbunden ist und nicht in Kino-Vorführqualität herausgegeben wird. Zu Lebzeiten schon begrenzt durch ein Filmfördersystem, das deutsche Produktionen einem migrantischen Regisseur, der deutsche Verhältnisse inszenierte, vorzog, und einer Filmgeschichtschreibung, die solche transnationalen Filmografien innerhalb des Neuen Deutschen Films bis heute ungenügend abgebildet hat, findet ein erneuter Ausschluss durch die Archivpolitik der Fernsehsender statt. Gibt es Wege, Filmmaterial aus den Sendern in neue Archive zu überführen, um die Zugänglichkeit zu gewährleisten?

Im Gespräch mit Reza Haeri (Kurator der Teheraner Retrospektive zu den BRD-Produktionen von Saless), Marc-André Schmachtel (Referent für audiovisuelle Medien, Goethe-Institut) und weiteren soll transparent werden, welche unterschiedlichen Interessen das Werk Saless verbindet. Dabei stellt sich die Frage, welche Schnittmengen es trotz Heterogenität zwischen den Akteur*innen gibt, die oftmals neben Senderauftrag, Rechtslage und cinephilen Gelüsten übersehen werden.

Moderation: Vivien Buchhorn (Filmwissenschaftlerin, Kuratorin)

16.45–18.15 Uhr „Fenster zur Welt“
Navina Sundaram kam 1964 aus Neu-Delhi nach Hamburg. Für den NDR war sie jahrzehntelang als Reporterin, Moderatorin und Redakteurin im In- und Ausland unterwegs, um das politische Zeitgeschehen zu dokumentieren. Das Online-Archiv „Welt-Spiegel“ hat sich zum Ziel gesetzt, Sundarams Gesamtwerk, in dem sich journalistische Positionen ihrer Zeit, Migrations-, Mediengeschichte, Kalter Krieg, Klassenfrage und Feminismus miteinander verschränken, aus bisher verschlossenen TV-Beständen zu holen und einer breiten Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
In Zeiten, in denen Forderungen nach digitalem Lernen und der Diversität von Lerninhalten beinahe täglich an Bedeutung gewinnen, möchten wir gemeinsam mit Nanna Heidenreich, Professorin für Transkulturelle Studien, Vertretern der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und von Wikimedia Deutschland die demokratischen Utopien des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in den 1970er und 1980er Jahren und des Internet in den 1990er und 2000er Jahren aufgreifen und in die politische und kulturelle Debatte um den Zugang zu Archiven von heute einbringen. Es wird von verschwundenen Sendemitschnitten und globalen, durchkommerzialisierten Rechteketten zu berichten sein, aber auch von (Archiv-)Türen, die sich nach und nach zu öffnen beginnen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung fördert politische Partizipation und versteht sich als Schnittstelle zwischen Bürger*innen mit Interesse an Politik und politischer Meinungsbildung und Institutionen mit staatlichem Bildungsauftrag. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt darauf, die Repräsentation von Migrant*innen in den Medien, die Diversität innerhalb der Redaktionen sowie die Mediennutzung von Menschen mit Migrationshintergrund zu thematisieren und zu fördern.
Wikimedia Deutschland schließlich setzt sich mit der Kampagne „Öffentliches Geld – Öffentliches Gut!“ dafür ein, dass durch öffentliche Gelder finanzierte Beiträge dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden – mit ersten großen Erfolgen im Bereich beitragsfinanzierter Bildungsinhalte. Gemeinsam wollen wir den Blick auf eine Zukunft richten, in der der Zugang zu freiem Wissen und demokratischem Kulturgut kostenlos und möglich ist.

Mit: Thorsten Schilling (Leiter Fachbereich Multimedia, bpb), Bernd Fiedler (Wikimedia Deutschland), Merle Kröger (Online-Archiv Welt-Spiegel / pong film)
Moderation: Prof. Dr. Nanna Heidenreich (Medienkulturwissenschaftlerin, Kuratorin)

18.30–20 Uhr Abschlussdiskussion

Mit: Madeleine Bernstorff (Kulturproduzentin, Filmkuratorin, Autorin) und Dr. Paul Klimpel (Jurist)

Biografien

Madeleine Bernstorff (Berlin) schreibt, unterrichtet, macht Filmprogramme. Publizistische sowie meist kollaborative und recherchebasierte Projekte zum Kino der Avantgarden und Widerstandsbewegungen, feministisch motiviert. Film/Videoprogramme u.a. zum Videoaktivismus, zur Darstellung der Suffragetten im frühen Kino, zum anti-kolonialen Filmemacher René Vautier, zum Kamerahelm von Margaret Raspé, zu Ella Bergmann-Michel und der Kinamo-Kamera. Recherche in Zusammenarbeit mit dem Harun Farocki Institut zum Filmemacher Skip Norman. Mit der Gruppe SPOTS Produktion von kurzen Videospots zum NSU-Komplex. Mitarbeit in der Kommission der Kurzfilmtage Oberhausen.

Vivien Buchhorn ist Kunsthistorikerin und Filmwissenschaftlerin. Ihr Forschungsinteresse gilt aktuell transnationalen Kinematografien und Kunstwerken sowie Fragestellungen zu deren Archivierung. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist Vivien Buchhorn als Kuratorin von Filmreihen tätig, begleitete diverse Filmprojekte und veröffentlicht regelmäßig Film- sowie Ausstellungskritiken. Sohrab Shahid Saless’ Filme sind Bestandteil kontinuierlicher Forschungsarbeit, die mit der Gestaltung der Retrospektive im Zeughauskino Berlin 2016 begann.

Antje Ehmann, Kuratorin, Autorin und Künstlerin, realisiert zahlreiche Ausstellungen, künstlerische Projekte und Publikationen zur Geschichte des Films und zur Stadtentwicklung. Sie kuratiert die Ausstellungen „Kino wie noch nie“ (mit Harun Farocki), Generali Foundation, Wien 2006, „Harun Farocki. 22 films“, 1968 bis 2009 (mit Stuart Comer und Kodwo Eshun), Tate Modern, London 2009, „The Image in Question. War – Media – Art“, Carpenter Center for Visual Arts, Cambridge, Mass. 2010, „Harun Farocki Retrospektive“, (Künstlerische Leitung zus. mit Marius Babias), Berlin, Deutschland 2017, Harun Farocki, Hito Steyerl. Life Captured Still (mit Carles Guerra), Galerie Thaddaeus Ropac, London, 2020. In ihren künstlerischen Beiträgen für „Shrinking Cities“, Berlin 2004 und „X-Wohnungen“, Johannesburg 2010 lenkt sie ihren Blick auf Transformationsprozesse im urbanen Raum. Sie ist Co-Herausgeberin des Buches Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland, Bd. 2: Weimarer Republik, Stuttgart 2005, das die Entwicklung des Dokumentarfilms in eine enge Verbindung zur Geschichte Deutschlands rückt.

Bernd Fiedler ist Lobbyist für Freies Wissen. Bei Wikimedia Deutschland setzt er sich für mehr gute Inhalte unter freier Lizenz ein, gute Rahmenbedingungen für Kreative und die Belange der Freiwilligencommunities im Wikiversum. Er war mal Lehrer und hat sich über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geärgert, und ärgert jetzt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Detlef Gericke arbeitete als Dramaturg einer Theatergruppe in Süddeutschland, bevor er zum Goethe-Institut wechselte. Er leitete die Institute in Göteborg, Boston und Vilnius, sowie die Programmarbeit in Jakarta. Prägend für sein Verständnis von Filmarbeit waren die Transformationsjahre nach dem Sturz des indonesischen Autokraten Soeharto, der Aufbau einer zivilgesellschaftlichen Demokratie mit umfassender Presse- und Meinungsfreiheit und der parallel dazu verlaufende Wiederaufbau der Filmwirtschaft. Später leitete er die Arbeit des Fachbereichs Film, Fernsehen, Hörfunk in der Goethe-Zentrale, wo er koordinierte, dass die Filmbestände des Goethe-Instituts digitalisiert, die weltweite Zuschauerzahl von Goethe-Filmveranstaltungen verdoppelt und Kinderfilm-Programme ins Archiv-Repertoire integriert wurden. Mit Harun Farocki und Antje Ehmann arbeitete er in Jakarta und Boston, darunter das Exzellenzprojekt „Labour in a Single Shot“. Er hat fünf zum Teil erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Berlin.

Reza Haeri ist Filmemacher und Kurator und lebt in Teheran. Einige seiner neueren Arbeiten sind FINAL FITTING  (2008, Großer Preis des Cinema Verité Festivals), ALL RESTRICTIONS END (2009, Großer Preis des Rio de Janeiro Film Festivals). Seit 1999 beteiligte er sich an der politischen Zeitschrift „Dialogue“ (Goftogu) und war der Redakteur der Sonderausgabe zum Thema Kino und Geschichte (2014). Er gründete den Tehran Cine Club (2005–2010) und kuratierte 2015 „Metaphor and Politics: The Tehran Retrospective on Harun Farocki“. 2017 kuratierte Reza Hari darüber hinaus eine Retrospektive zu Sohrab Shahid Saless seiner in Deutschland produzierten Filmen unter dem Titel „Nostalgia for the Elsewhere“ im Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst. Zur Zeit arbeitet er als Ko-Kurator des Projekts „Reset Modernity: Tehran perspective“ basierend auf einer Idee von Bruno Latour als wissenschaftlicher Leiter.

Nanna Heidenreich ist Medienkulturwissenschaftlerin und Kuratorin für Film, Video, Theorie und Interventionen. Seit Oktober 2020 ist sie Professorin für Transkulturelle Studien an der Universität für Angewandte Künste in Wien, nach Stationen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der internationalen filmschule köln, der Stiftung Universität Hildesheim und der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (in Medienwissenschaft, Medienkulturwissenschaften, und im Fach Digital Narratives). Als Kuratorin hat sie zuletzt das Symposium „Hotspots. Migration und Meer“ (2019) für die Akademie der Künste der Welt in Köln organisiert, sie Ko-Kuratorin von Forum Expanded bei der Berlinale (2009–17) und war für das Haus der Kulturen der Welt für den Themenbereich Migration, Flucht und Einwanderung beratend und kuratorisch tätig (2015–17).

Merle Kröger ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Dramaturgin. Von 1992 bis 1999 Mitglied der Berliner Gruppe dogfilm, seit 2001 von pong Film. Co-Autorin von Kino-Dokumentarfilmen, DER TAG DES SPATZEN (2010), REVISION (2012) und HAVARIE (2016). Sie hat bisher vier Romane veröffentlicht, u.a. „Grenzfall“(2012) und „Havarie“(2015). Ein Spielfilm (EUROPE, Drehbuch) und ein Roman („Die Experten) kommen 2021 heraus.
Im Rahmen von „Archive außer sich“erarbeitet Merle Kröger gemeinsam mit Mareike Bernien das Online-Archiv „Welt-Spiegel: Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin“ um das Werk der deutsch-indischen Filmemacherin, Journalistin und Moderatorin Navina Sundaram.

Paul Klimpel studierte Jura in Bonn und München und Philosophie, Psychologie und Sozialwissenschaften an der Jesuitischen Hochschule für Philosophie. Referendariat in Berlin. Dissertation an der Humboldt-Universität. 2002 kam er zur Stiftung Deutsche Kinemathek, deren Verwaltungsdirektor er von 2006 bis 2011 war. Er leitet die Konferenzreihe „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturellen Erbe“. Seit 2012 Partner in der Rechtsanwaltskanzlei iRights.Law. 2013 leitete er eine interdisziplinäre Expertengruppe, die den „Berliner Appell zum Erhalt des digitalen Kulturerbes“ formulierte. 2015 initiierte er die „Hamburger Note zur Digitalisierung des kulturellen Erbes“. Er lehrt an verschiedenen Hochschulen und Institutionen.

Volker Pantenburg ist Professor für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Er forscht, lehrt und schreibt unter anderem zu essayistischen Praktiken sowie Arbeiten im Schnittfeld von Kino und Museum. Aktuelle Buchpublikationen als Herausgeber: „Harun Farocki: Ich habe genug! Texte 1976–1985“ (2019), „Gerhard Friedl. Ein Arbeitsbuch“ (2019), „Handbuch Filmanalyse“ (2020, mit Malte Hagener). In der Zeitschrift Critical Studies in Television (Vol. 14, Issue 1) erschien 2019 ein Dossier zur Arbeit des WDR in den 1970er und 80er Jahren mit Texten und Dokumente von Werner Dütsch, Angelika Wittlich, Joachim von Mengershausen und Harun Farocki. 2015 gründete er gemeinsam mit anderen das Harun Farocki Institut, in dessen Vorstand er tätig ist.

Wilfried Reichart, Studium der französischen Literatur an der Sorbonne Paris. Journalistische Ausbildung. Feuilletonredakteur Kölner Stadt-Anzeiger. Fernsehredakteur und Programmleiter der Filmredaktion WDR/Westdeutsches Fernsehen. Autor filmkundlicher Sendungen u.a. über Jean-Luc Godard, Jacques Rivette, Agnès Varda. Co-Autor von Buchpublikationen u.a. über Godard, Nicholas Ray und der Reihe Filmgenres im Reclamverlag. Co-Produzent von Spiel-, Dokumentar- und Essayfilmen (u.a. mit Heinz Emigholz, Harald Bergmann, Hellmuth Costard, Sohrab Shahid Saless).

Thorsten Schilling studierte Philosophie/Marxismus-Leninismus in Leipzig. Nach seiner politisch begründeten Ausweisung aus der DDR nahm er nach der Wende 1990 seine Arbeit als Pressesprecher im Magistrat von Berlin (Ost) auf. Im Jahr 1991 wurde er Pressesprecher des Senators für Jugend und Familie in Berlin. Ab 1995 war er als Projektmanager u.a. für die Galerie Eigen +Art, Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst tätig und organisierte 1997 den Hybrid Workspace als temporäres Medienlabor auf der documenta X in Kassel mit. Er war eines der Gründungsmitglieder von mikro e.V. 1998 und bis 2000 Vorsitzender des Vereins zur Pflege der Medienkulturen in Berlin. Zwischen 1999 und 2000 war er der Director Corporate Communications der Softwarefirma Subotnic. Seit 2000 leitet er den Fachbereich Multimedia der Bundeszentrale für politische Bildung.

Marc-André Schmachtel ist seit Juli 2016 als Referent für audiovisuelle Medien in der Zentrale des Goethe-Instituts in München, u.a. für Senderkooperationen und Hörfunkprojekte zuständig. Er organisierte verschiedene Filmfestivals (Cinéfleuve, Afrikanische Filmtage Saarbrücken) und war für das Goethe-Institut in Kamerun (in der Kultur- und Sprachabteilung) und Nigeria (als Leiter) tätig. Er initiierte verschiedene internationale Kooperationen im Film-, Theaterperformance-, Literaturbereich, mehrere Großprojekte (Performance-Festival, Kunst im urbanen Raum, Online-Filmplattform).