April 2019, distribution news

"Kino Wien Film"

von Paul Rosdy

(1) Burg Kino, Stecktafel, Foto: Peter Roehsler (2) Admiral Kino, Außenansicht, Foto: Peter Roehsler (3) Schweden Kino um 1930, Außenansicht und Plan, Quelle: Album Verlag, Wiener Stadt- und Landesarchiv (4) Gartenbaukino, Projektionskabine, Horst Raimann, Foto: Wolfram Wuinovic

KINO WIEN FILM ist eine Kinoreise durch Wien von 1896 bis heute. Sie erzählt mittels Gesprächen mit Kinobetreibern, Filmvorführern und Technikern, Kinobesuchern und einem Historiker sowie zahlreichen Film-, Foto- und Textdokumenten eine Kinogeschichte Wiens – vom ersten Kino auf der Kärntner Straße bis zur heutigen Multiplexwelt.

Der Film führt…
– von den Breitenseer Lichtspielen mit dem Stummfilmpianisten Gerhard Gruber zu denlebenden Bildern im Prater, mit dem Kinopendler an der Arbeit ins Zentral Kino nach Wien Ottakring
– zum Kinotechniker Horst Raimann im Gartenbaukino, zur Eröffnung des Kinos 1960 mit Kirk Douglas als Stargast und ins Kinowerk des Architekten Robert Kotas
– in den Bau eines neuen Kinos im English Cinema Haydn der Familie Dörfler und die tragische Geschichte der Vorbesitzer, der Familie Honig
– zur ersten Kinokette im Roten Wien der 1920er Jahre – der Kiba – und deren zweifelhafte Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
– zu Michaela Englert, die 2007 das Admiral Kino übernommen hat und Henry Ebner, dem Sohn der jüdischen Besitzer bis 1938
– zum Kinopublikum und der Frage Warum gehe ich ins Kino?
– zu Peter Kubelka im Unsichtbaren Kino, zum letzten Tag im Eos Kino, zum langen Kinosterben
– in die ersten Mehrsaalkinos, zu Film und Politik im Votiv Kino
– zum Multiplexbauboom um die Jahrtausendwende und dem freien Lauf des Marktes; zum größtes Kinobetreiber Wiens und ganz Südosteuropas – Cineplexx – und zur Situation weltweit
und fragt …
nach der Zukunft der Filmprojektion. Darling ich bin im Kino.

Homepage des Films mit Trailer, weiteren Informationen, Fotos etc.

Der Regisseur zu seinem Film
Inspiriert zu Kino Wien Film hat mich mein vorheriger Film Der letzte Jude von Drohobytsch. Dabei ging es um Alfred Schreyer, einen Mann, der – wie es Hans Hurch bei der Viennale 2011 schrieb – , eine Geschichte zu erzählen hat, so unglaublich, dass ein Leben nicht ausreicht, sie zu fassen. Eine dieser für mich so unglaublichen Episoden aus Alfred Schreyers Geschichte war, dass er in der Sowjetunion Kinofoyerorchestermusiker gewesen ist. Dieses Wort, dieser Beruf – Kinofoyerorchestermusiker – zündete in mir den Funken, etwas über die Kinos von Wien zu machen.

2012 erfuhr ich, dass im English Cinema Haydn ein neues Kino (Saal D) gebaut wird. Herbert und Christian Dörfler gewährten mir Zutritt zu den Bauarbeiten und damit auch in die für Wien nicht untypische, tragische Vergangenheit ihres Hauses. In der Viennale Publikation – 50 Jahre, 50 Projekte – las ich über den Vorführer im Gartenbaukino Horst Raimann, wie er mit seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung in der Kinotechnik dem Filmfestivals zur Seite steht. Ich wusste, hier liegt der Schlüssel für den Projektionsraum. Bald traf ich Florian Pausch und erfuhr – dank seiner Kinodiasammlung – vom Beruf des Kinopendlers. Später lernte ich tatsächlich einen ehemaligen Kinopendler kennen – Stefan Nehez. Viele weitere solcher Momente begleiteten mich im Laufe von fast sechs Jahren auf dem Weg zu einer Kinogeschichte Wiens, von 1896 bis heute.

Meine Herangehensweise ist so wie bei all meinen Filmen. Ich interessiere mich für ein Thema und die Menschen, die damit in Verbindung stehen. Ich studiere Originalquellen und versuche an längst vergangene Zeiten so nah wie möglich heranzukommen.

Gestalterisch spannend war, dass ich bei den Dreharbeiten plötzlich sehr viele nicht bespielte Kinoleinwände vor mir hatte – ein weißes Bild im Bild. Bei den Schnittarbeiten hatte ich viel Freude damit.

KINO WIEN FILM
Österreich 2018. Länge: 97 min. Sprache: Deutsch. DCP.  Buch, Regie, Produktion, Schnitt und Ton: Paul Rosdy. Kamera: Peter Roehsler, Wolfram Wuinovic, Gabriel Krajanek. Musik: Gerhard Gruber. Sprecher: Klaus Höring, Wolfram Berger, Katharina Knap, Lukas Watzl, Florentin Groll, Martin Leutgeb, Philip Scheiner. Zusätzliche Recherchen: Thomas Jelinek. Dramaturgische Beratung: Christian Frosch. Tonmischung: Florian Deutsch. Visuelle Effekte: Markus Cermak. Online Schnitt und Farbbestimmung: Christian Leiss. Mit: Anna Nitsch-Fitz, Gerhard Gruber, Stefan Nehez, Horst Raimann, Florian Pausch, Christian und Herbert Dörfler, Klaus Christian Vögl, Giorgio Tedeschi, Michaela Englert, Henry Ebner, Harald und Peter Kotas, Peter Zawrel, Peter Kubelka, Michael Stejskal, Christof Papousek, Wolfgang Kretsch, Markus Pega, Josef Francsics, Daniel Kundi u.v.a.m.