September 2020, distribution news

"The Two Sights"

von Joshua Bonnetta, Kinostart: 03.12.2020

Laut Abspann wurde das Material für THE TWO SIGHTS zwischen 2017 und 2019 auf den schottischen Äußeren Hebriden „gesammelt“. Aber um was für Material handelt es sich? Zum einen sind da die atemberaubenden 16-mm-Landschaftsaufnahmen: Felsklippen, Strände und Ebenen, Pflanzen und Tiere, Häuser und Schiffe, wechselhafte Lichtverhältnisse. Zum anderen sind da die Geräusche: kreischende Vögel, brausender Wind, tosendes, gurgelndes, tröpfelndes Wasser – und aus dem Off erzählt eine Stimme, auf Englisch und Gälisch, von Hundeskeletten, versunkenen Dörfern, sterbenden Angehörigen; manchmal erklingen auch Lieder, hört man den Seewetterbericht, oder es herrscht Stille.

Wie in jeder guten Sammlung geht es nicht um die einzelnen Bestandteile, es geht um Schnittpunkte, um die Krähe im Stacheldraht, die eine bisher unerzählt gebliebene Geschichte evoziert, um den Gesang einer Frau, der das Wasser leicht zu kräuseln scheint, und es geht darum, dass jede Erzählung von der rauschenden Luft getragen wird. Sehen, mit Augen und Ohren – zwei Perspektiven, die ineinanderfließen.

Joshua Bonnetta wurde 1979 in Kanada geboren. Er arbeitet mit analogem Film- und Tonmaterial, das im Rahmen von Kinovorführungen, Performances und Installationen international zur Aufführung kommt. Filme (Auswahl): 2012: American Colour (25 Min., Videoinstallation, Forum Expanded 2012), Remanence I – (Lost, Lost, Lost, Lost) (2 Min., Forum Expanded 2013). 2013: Strange Lines and Distances (Videoinstallation, Forum Expanded 2013). 2017: Lago (Soundinstallation, 44 Min., Forum Expanded 2017), El mar la mar (94 Min., Forum 2017).

Interview mit Joshua Bonnetta auf der Seite des Berlinale Forum

Homepage des Regisseurs

"Bonnetta gelang es, seinem Film eine schwebende Qualität zu geben, die den Ort des Film-Sehens mit dem Ort des Gefilmten durchlässig macht. Dazu braucht es nur die Kamera und das Mikrofon, das sich gleich zu Beginn in der Bildmitte platziert. Ein Mikrofon, dass zu einer Brücke zwischen Ort und Zeit wird." von Elisabeth Nagy, baf-berlin.de

"The Outer Hebrides was ​long ago once thought of as a place of seers​,​ who were known to have the gift of Second Sight​:​ an ability to foretell future events. These prognostications were revealed to the seer in the form of visions or otherworldly sounds. Sometimes they took the form of portents derived ​by augury read from animals, bones, or weather patterns foretelling what has yet come to pass. ​ Using these stories as a starting point​, THE TWO SIGHTS, ​​is a portrait of a rapidly changing maritime environment​ with its acoustic ecology and culture in flux in a time of uncertain futures​​​. Long take Super 16mm cinematography, interwoven with site-specific field recordings and interviews​ collected from ​the disappearing oral histories​​ of several Hebridean communities​ are collaged to explore the relationship between place narrative​, ​environment​,​ and the reciprocal influences they exact upon one another." cineuropa.org

THE TWO SIGHTS
Kanada, UK 2020. Länge: 90 Min. Gedreht auf Super 16mm. Verfügbar als DCP oder file. Sprachen: Gälisch, Englisch. Sprachfassung: OmU. Regie, Buch, Kamera, Ton, Montage, Musik, Sound Design:Joshua Bonnetta. Mischung:Josh Berger.