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Pepa Lubojacki dokumentiert in ihrem Film IF PIGEONS TURNED TO GOLD über fünf Jahre drei Familienmitglieder, allen voran Bruder David, der alkoholabhängig und ohne Obdach ist. In einer hochpersönlichen, tagebuchartigen Collage unternimmt Lubojacki den Versuch, die Wurzeln generationenübergreifenden Unglücks freizulegen, das seinen Ausdruck immer wieder in schweren Suchterkrankungen findet. Dabei verschmelzen Textskulpturen, Langzeitbeobachtung, Synthie-Beats und mit KI animierte Fotografien aus der Kindheit zu einer markant-verspielten, schonungslosen und doch liebenden Offenlegung.

Die Jury begründete die Entscheidung während der Preisverleihung der 76. Berlinale am Samstagabend im Berlinale Palast: „Die Dokumentation des sisyphushaften Kampfes gegen familiäre Sucht nutzt ein erfrischend breites Spektrum filmischer Mittel, um das Publikum in die Suche der Regisseurin einzubeziehen, das generationenübergreifende Erbe der Abhängigkeit zu durchbrechen. Mit sprechenden Tauben, Kindheitserinnerungen, bewegten Familienfotos und Handyaufnahmen von zunehmend prekären Behausungen folgt die Regisseurin beharrlich dem geliebten, doch stets ausweichenden Bruder. Für diese bemerkenswerte Leistung, den Dokumentarfilm als nachhaltige Praxis radikaler Empathie zu begreifen, verleiht die Jury ihren Preis der einfallsreichen Regiestimme von IF PIGEONS TURNED TO GOLD, geschrieben und inszeniert von Pepa Lubajacki.“

Die Regisseurin bedankte sich mit den Worten: „Obdachlos zu sein oder mit einer Suchterkrankung zu leben, macht einen in unserer Gesellschaft unsichtbar. Dieser Preis gibt mir eine Stimme, um für Menschen mit Suchterkrankungen und für obdachlose Menschen zu sprechen. Es sind so viele von uns. Es ist Zeit, die Scham beiseitezulegen und über Sucht zu sprechen, denn nur systemische Veränderungen können wirklich etwas bewirken. Und ohne darüber zu sprechen, wird es keine Veränderung geben.“

Lobende Erwähnung an WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT

Eine Lobende Erwähnung ging an WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT von Daniela Magnani Hüller. Die Jury sah in dem Film eine „präzise Abstimmung der formalen Struktur als Methode zur Rückgewinnung des eigenen Selbst nach lebensverändernder Gewalt.“

Berlinale Dokumentarfilmpreis

Der Dokumentarfilmpreis der Berlinale wurde am Samstagabend bei der offiziellen Preisverleihung vergeben.

Der Jury 2026 gehörten an: der Filmemacher Lemohang Mosese (Lesotho), die Filmwissenschaftlerin und Filmkritikerin B Ruby Rich (USA) und der Filmemacher Shaunak Sen (Indien). Es waren 16 aktuelle Dokumentarbeiträge aus den Sektionen Wettbewerb, Berlinale Special, Panorama, Forum und Generation für den Berlinale Dokumentarfilmpreis nominiert.

Seit langem engagieren sich die Internationalen Filmfestspiele Berlin für die Vielfalt der dokumentarischen Formen. Eine spezielle Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm wurde 2017 ins Leben gerufen. Der Berlinale Dokumentarfilmpreis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro dotiert, das sich Regisseur*in und Produzent*in des Preisträgerfilms teilen. Zudem berechtigt der Gewinn des Preises zur Teilnahme am Wettbewerb um den Oscar® für den besten Dokumentarfilm.

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