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Als Filmemacher, der im Nahen Osten arbeitet, habe ich mich seit Langem mit der Kluft zwischen gelebter Realität und den in den Medien zirkulierenden Bildern auseinandergesetzt. Als ich gerade mit einer Recherche zu einer 16-mm-Wochenschau über den Israel-Palästina-Konflikt beschäftigt war, griff im Juni 2025 Israel den Iran an, und plötzlich fand ich mich selbst inmitten jener Bilder, die ich gerade analysiert hatte.

Die permanente Zirkulation von Zerstörung droht, unsere Fähigkeit, etwas zu empfinden, abzustumpfen und Schmerz in ein Spektakel zu verwandeln. 

In diesem Moment fiel die Grenze zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Archiv und Erfahrung in sich zusammen, und ich sah mich mit einer grundlegenden Frage konfrontiert: Wie lässt sich ein solches Ereignis aus einer persönlichen Perspektive wahrhaftig abbilden? In einer Welt, die von Bildern der Gewalt überflutet ist, wird deren Darstellung oft zur bloßen Wiederholung. Die permanente Zirkulation von Zerstörung droht, unsere Fähigkeit, etwas zu empfinden, abzustumpfen und Schmerz in ein Spektakel zu verwandeln. 

Mit FRUITS OF DESPAIR habe ich mich bewusst dagegen entschieden, Gewalt direkt zu reproduzieren. Stattdessen verfolge ich ihre inneren Nachwirkungen: die psychischen Brüche, die gedehnte Zeit, den stillen Terror des Wartens. Der Film verwebt Archivmaterial mit Alltagsfragmenten, die während einer Phase gewaltsamer Vertreibung entstanden. Anstatt Antworten zu liefern, verkörpert er eine Haltung der Verletzlichkeit und lädt die Zuschauenden ein, die Schwelle zwischen Sehen und Fühlen zu überschreiten.

Nima Nassaj

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