Eine der größten Inspirationen für dieses Projekt – nicht nur FANFICTIE: VOLCANOLOGY, sondern die gesamte FANFICTIE-Trilogie – war eine Reise nach Stromboli, die ich im Oktober 2024 auf Einladung von Almanac unternahm. Ich hatte indonesische Vulkanolog*innen häufig von „strombolischen“ Eruptionen sprechen hören und von der altertümlichen Vulkaninsel Strombolicchio. Als ich diesen beiden Entitäten gegenüberstand – ich bestieg den Stromboli mit unvorstellbaren Rückenschmerzen und schwamm, vollkommen verängstigt, um Strombolicchio herum – wurde mir klar, dass Menschen die Natur nicht allein durch Sinneseindrücke und rationales Wissen verstehen können. Es gibt da noch etwas anderes, etwas Größeres, doch bis heute kann ich nicht sagen, was es ist – ein ausgesprochen kantianischer Moment.
Ich las dieses Buch während meines Stromboli-Aufenthalts. Es löste viele Gedanken zu Vulkanen und Symbolismus im Kontext javanesischer Kultur in Indonesien aus. Vulkane sind dort in Form von Bildern in nahezu jedem Aspekt des täglichen Lebens anzutreffen. Ich fragte mich deshalb, was es bedeuten würde, solche Bilder zu verspeisen – als Metapher für die Eins-Werdung, für das Verschmelzen von Vulkan und Mensch. Eigentlich befasst sich das Buch aber vor allem mit dem Verhältnis von Ikonophagie und dem jüdisch-christlichen Erbe im Westen. Die Auseinandersetzung mit Ikonophagie in islamischen Traditionen ist in diesem Kontext eine Herausforderung, da der Ikonoklasmus in verschiedenen Denkschulen weiterhin dominant ist. Obwohl das Buch auf bestimmte antike Praktiken zurückschaut – etwa solche aus Ägypten (Horus, der Kindgott) – bleibt die Motivation für ikonophagische Akte die Kanalisierung spiritueller Begierde und die Suche nach Heilung. Nichtsdestotrotz bildet die Idee der Ikonophagie – und die metabolische Verschmelzung von Bildern, Natur und (menschlichen) Körpern – ein grundlegendes Interesse dieses Projekts.
Franz Wilhelm Junghuhn (1853–1855) ist eine zentrale Figur in meiner Arbeit FANFICTIE: VOLCANOLOGY. Dies ist sein umstrittenstes Buch, ein Hybrid aus Theorie und Fiktion. Er präsentiert seine Ideen über die Erlangung einer Einheit mit der Natur und beschreibt gleichzeitig die javanesische Landschaft durch die Augen eines kolonialen Wissenschaftlers. In seiner Arbeit tritt er als bescheidener Materialist und standfester Determinist sowie als Monist auf, der sich offen dem Fortschritt von Wissenschaft und Aufklärung verschrieben hat. In einigen Passagen nimmt er sogar das Prinzip der Entropie vorweg und spekuliert, dass die Anzahl der Atome unveränderlich ist und dass das Bewusstsein eines Individuums sich schlicht in andere Formen der Materie verwandelt. Obwohl er dem Christentum kritisch gegenübersteht, scheint Junghuhn sich ungern von der Idee eines Gottes lösen zu wollen. Er betrachtet Gott durch die Linse der Emanations-Theorie – es gibt einen göttlichen Ursprung, doch alles weitere ist von Naturgesetzen bestimmt. Die Überlegungen, die er seinen Figuren in den Mund legt, zeigen einen auf frappierende Weise ungewöhnlichen Denkansatz für einen Wissenschaftler, der zu dieser Zeit in Java und Sumatra tätig war. Dies ist der Kern meines derzeitigen Projekts. Ich lese die indonesische Ausgabe, die mit lyrischer Präzision von dem Geologen Muhammad Malik Ar Rahiem übersetzt wurde.
Dies ist ein Bild einer Schuppenfußschnecke (Chrysomallon squamiferum), einer Spezies, die auf aktiven Unterseevulkanen im Indischen Ozean lebt. Ihr Gehäuse – und Teile ihres Fußes – bestehen aus Eisen. Als ich dieses Foto zum ersten Mal sah, erinnerte ich mich an die Idee meines Lieblings-Science-Fiction-Autors Peter Watts, dass Evolution nicht das „Überleben des am besten angepassten“ bedeutet, sondern das „Überleben des Adäquatesten“ – also dessen, was am ehesten möglich ist, und nicht das universell gesehen Perfekteste. In FANFICTIE: VOLCANOLOGY entwickle ich diese Idee und schlage vor, dass das Ziel der kolonialen Vulkanologie in Niederländisch-Ostindien darin bestand zu rekonstruieren, wie die Menschen, die dort seit Jahrtausenden auf kolonisiertem Boden lebten, es schafften, Erdbeben, Vulkanausbrüche und andere Brutalitäten der Natur zu überleben. Der Anblick dieser Vulkanschnecke löste auch Überlegungen zu Junghuhns Obsession mit der Verschmelzung mit dem Vulkan aus – vielleicht brauchte auch er eine Haut aus Eisen.
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