juni 2018, kino arsenal

Anna May Wong – Star, Ikone, Grenzgängerin

Im April 1928, also fast auf den Monat genau vor 90 Jahren, kam Anna May Wong (geborene Wong Liu Tsong, 1905–1961) in Berlin an – mit großen Erwartungen. Die erste amerikanische Schauspielerin chinesischer Herkunft – ihre Großeltern waren Mitte des 19. Jahrhunderts nach Kalifornien eingewandert – war zu diesem Zeitpunkt bereits ein in den USA wie international gefeierter Film- und Medienstar: glamourös, von blendender Schönheit und Sex-Appeal. Vor dem Hintergrund der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausgrenzung der chinesisch-stämmigen Bevölkerung in den USA änderte ihr Erfolg nichts an der Tatsache, dass Wong in den 20er und 30er Jahren nur ein enges Spektrum an zumeist stereotypen, dem „Exotischen“ verpflichteten (Neben-)Rollen angeboten wurde. Immer wieder „scherzte“ sie über die tausend Tode, die sie während ihrer Filmkarriere gestorben sei: als entweder sanftmütige oder berechnende Dienerin, als opferbereite, unglücklich Liebende oder als bösartige Femme fatale – Rollen, denen sie stets Würde und Feinheit zu verleihen suchte. Hauptrollen waren rar, Romanzen mit happy endings eine Seltenheit. In der Hoffnung auf größere künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten reiste sie ab Ende der 20er Jahre mehrmals nach Europa. In Berlin, später in London und Paris begeisterte sie mit ihrer Grazie und Eleganz, ihrer schauspielerischen Wandlungsfähigkeit zwischen Erotik und Schalkhaftigkeit, ungestümer Energie und kalkulierter Coolness das Kino- und Theaterpublikum wie die jeweiligen Kunst- und Kulturszenen gleichermaßen. Wongs Hoffnung, den Normierungen, Rollenfestlegungen und Stereotypen Hollywoods zu entkommen, erfüllten sich nur bedingt.

Im Gegensatz zur damaligen Begeisterung des Publikums und zur weltweiten Berichterstattung über ihre Filme, ihre Reisen nach China, ihr Werben für ein besseres Verständnis der chinesischen Kultur in den USA und Europa sind die Filme mit Anna May Wong – abgesehen von THE THIEF OF BAGDAD (1925) oder SHANGHAI EXPRESS (1932) – in Deutschland selten zu sehen. Unser Programm im Juni zeichnet ihre dem widrigen politischen Klima abgetrotzte Karriere in elf Filmen und einer Dokumentation nach und würdigt Anna May Wong nicht nur als außergewöhnliche Schauspielerin, sondern auch als Grenzgängerin und Vermittlerin zwischen den Kontinenten und Kulturen.

juni 2018, kino arsenal

„es ist die Gegenwart, die Gegenwart der Vergangenheit“ Filme von Ingo Kratisch und Jutta Sartory

„Einer Frau wird der Mangel an Verständnis bewusst, und sie begibt sich auf eine Reise, die sie nach New York bringt. Von dort durchquert sie mit einem Auto den Kontinent nach Westen. In fortwährender Bewegung und ständigem Wechsel zwischen früheren Sympathien und späterer Abneigung weichen die vorgestellten europäischen Einbildungen den konkreten amerikanischen Erscheinungen. Die subjektive Erfahrung der ersten Reise setzt sich im zweiten Teil als Suche nach der Struktur des Landes in analytischer Form fort. Straßen, Gebäude, Brücken, Landschaft, Städte und Verkehr bilden ein Muster, aus dem sich die Realität dieses Landes erschließt.“ (Jutta Sartory)

Mit dem in Super-8 gedrehten und auf 16-mm aufgeblasenen Film DIE BELEIDIGUNG AMERICAS IM WINTER 1977/78 (1981) eröffnen wir am 14.6. eine Retrospektive der Filme von Ingo Kratisch und Jutta Sartory. Aus der Perspektive des ehemaligen West-Berlin war New York für viele näher als der Rest der Bundesrepublik, konnte man doch einfach ein Flugzeug besteigen und, ohne die Mühen der Transitstrecke auf sich nehmen zu müssen, in einer anderen Welt wieder verlassen. Ein poetischer Film über Amerika wird so zu einem Film über West-Berlin und damit über die Bundesrepublik, über das Verhältnis von Imagination und Realität, von Nähe und Distanz, Geschichte und Gegenwart. Seit 1979 arbeiten Ingo Kratisch und Jutta Sartory an gemeinsamen Filmen. Die Stadt Berlin, aufgeteilt in Ost und West und in ein Vorher und Nachher, bildet das Konstruktionsprinzip für die meisten ihrer Filme. Kratisch/Sartory führen uns eine Welt vor, die keiner bekannten Rhetorik folgt und die dennoch voller Momente des Wiedererkennens ist. Auf diese Art und Weise geben sie der Geschichte inmitten einer fiktionalisierten Gegenwart ein Gesicht, verweisen auf das Reale in der Imagination. Ihr Standpunkt ist Poesie, ihr Bezugspunkt die soziale und gegenständliche Realität.

juni 2018, berlinale forum

Arsenal-Vorstand übernimmt Interimsleitung des Forum 2019

Der Vorstand des Arsenal, bestehend aus Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus, übernimmt die Interimsleitung für das Forum 2019. Mit Unterstützung des langjährigen Teams werden alle drei ab dem 1. Juli die Leitungsaufgaben für das Forum 2019 wahrnehmen und damit auch an dieser Stelle der konstitutiven Verbindung zwischen Arsenal und Forum Ausdruck verleihen.

juni 2018, kino arsenal

Magical History Tour – Licht im Film

Am Anfang ist das Licht – allemal im Kino. Der Projektionsstrahl flutet erst den Filmstreifen, dann das Objektiv, überwindet die Glasscheibe des Vorführraums und den Raum des Kinosaals und trifft in Lichtgeschwindigkeit auf die Leinwand – der Film beginnt. Der Schein einer Watt-starken Projektorlampe mutet wie ein strahlkräftiges Echo des Grundthemas des Films/des Kinos an: dem des Lichts. Keine Dreharbeiten ohne Tages- bzw. künstliches Licht, ohne Führungs- oder Fülllicht, ohne Scheinwerfer oder soft light und vor allem nicht ohne das lichtsetzende und -gestaltende Kamera- bzw. Beleuchterteam. Die Lichtgebung und -führung ist ein unverzichtbares inszenatorisches, künstlerisches, strukturierendes, dramaturgisches Mittel, das Geschichten (mit)erzählt, Stimmungen kreiert, Emotionen auslöst. Einen Eindruck der höchst unterschiedlichen Arbeit mit und Wirkung von Licht (und Schatten) im Film vermittelt die Magical History Tour im Juni.

juni 2018, kino arsenal

Vaginal Davis präsentiert Contemporary Vinegar Syndrome

Vaginal Davis ist mit einem neuen Programm zurück. Ausgehend vom Begriff des Essigsyndroms untersucht Ms. Davis zusammen mit Daniel Hendrickson an verschiedenen Orten der Stadt in Performances Ursachen und Effekte von Alterungsprozessen. Die erste Ausgabe findet im Fichtebunker – aufgrund begrenzter Plätze an drei aufeinanderfolgenden Abenden vom 27.-29. Juni statt.

Die Teilnahme erfordert eine Arsenal-Mitgliedschaft, sie kann im Kino oder an der Abendkasse (Fichtestraße 6) erworben werden. Eine neue Living Archive Fördermitgliedschaft bietet zudem die Möglichkeit, Digitalisierungsprojekte des Arsenal zu unterstützen.

juni 2018, transfer

"Offener Vorführraum" am 30. Juni

Vorführraum des Arsenal

Was bedeutet 16mm, 35mm und 70mm? Wie kommt der Ton zum Bild? Was ist und wozu dient ein Kasch? Wie funktioniert eine Überblendung? Und was passiert, wenn auf der Leinwand das Bild stehen bleibt und dahin schmilzt? Das Arsenal lädt all jene, die sich dafür interessieren, wie die Bilder auf die Leinwand kommen, zu einem Blick hinter die Kulissen in den "Offenen Vorführraum" ein. Bei einem Rundgang durch die Bildwerferräume erklärt unser Vorführer Bodo Pagels Filmformate, Projektoren und Vorführtechniken, er zeigt, wie ein Film in den Projektor eingelegt wird und führt kenntnisreich in die Geheimnisse der Vorführkunst ein. Selbstverständlich beantwortet er gerne alle Fragen zur Kinotechnik und orientiert seine Führung nach Möglichkeit auch an den Interessen und Wünschen der BesucherInnen. Der nächste Termin ist am Samstag, den 30. Juni um 16 Uhr. Um Anmeldung im Voraus wird gebeten.

kino arsenal: Öffentliche Sichtung

19:00 Kino 2


Istenmezejen 1972–73

Egyszerü törtenet

*Istenmezejen 1972–73 Istenmezejen, ein ungarisches Dorf
Judit Elek Ungarn 1974 35 mm OmU 81 min
*Egyszerü törtenet Einfache Geschichte
Judit Elek Ungarn 1975 35 mm OmU 100 min

Präsentiert von Borjana Gaković
kino arsenal: Georgisches Kino - Aus der Sammlung des Arsenal

19:30 Kino 1


Chabarda

*Chabarda Micheil Tschiaureli UdSSR 1931
35 mm russ. ZT, dt. & franz. UT 70 min

Am Flügel: Eunice Martins
kino arsenal: Georgisches Kino - Aus der Sammlung des Arsenal

21:00 Kino 1


Tsisperi mtebi anu daudjerebeli ambawi

*Tsisperi mtebi anu daudjerebeli ambawi
Blaue Berge oder Eine unwahrscheinliche Geschichte
Eldar Schengelaja UdSSR 1984
35 mm russ. OmU 96 min