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  • Im Innern und von außen (01/2026): In unregelmäßigen Abschnitten schickt mir der Bauherr Jörg Heitmann per WhatsApp Fotos von der Baustelle. Jedes Mal gibt es etwas Neues zu sehen. Diesmal erhalte ich eine Innen- und eine Außenansicht aus den letzten Wochen des Vorjahres. Im Innern des Kinosaals: Lautsprecher und Akustikpaneele werden so angebracht, dass das historische Deckengewölbe erhalten bleibt. Die synchronen Körperhaltungen der beiden Akrobaten in der Kinokuppel haben etwas Vertrauen erweckendes. Eine dritte Person kauert unmittelbar unter der Decke. Hier geschieht etwas Geheimnisvolles. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal)

  • Im Innern und von außen (01/2026): Draußen in der Plantagenstraße: Eine unbekannte Graffitisprayerin hat es schon immer gewusst, hier ist der Aufgang zum Kino (AZK). Die Stufen in den Kinohimmel, den man im ersten Bild erahnt, ragen bereits aus der sandigen Erde heraus. Der Bagger mit der Aufschrift „Wacker“ ist voller Tatendrang. Seine Ketten verbergen die Bordsteinkante, die bald abgesenkt wird, der Weg zum Kino wird geebnet. Das neue Jahr beginnt mit gesteigerter Vorfreude. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal)

  • Kino Bau Zeit (12/2025, 1/2): Dienstags ist Bausitzung. Ein Dutzend Personen nehmen daran teil, einige kommen nur kurz vorbei und verschwinden wieder auf der Baustelle oder kommen gar nicht erst an, weil sie im Zwischenlager feststecken, wo Einzelteile angeliefert werden, die noch nicht eingebaut werden können, weil eine andere Bauphase wegen Lieferschwierigkeiten noch nicht abgeschlossen ist. Alle werfen sich Zahlen, Formeln und Begriffe zu, die ich noch nie gehört habe. Einmal taucht die Frage auf: Welcher Art Wortveranstaltungen sollen im Kino stattfinden? Ich stelle mir vieles vor und erzähle davon. Alle hören gespannt zu, um es dann in Anschlüsse, Verbindungen und Schaltkreise zu übersetzen, die sich in alle Richtungen des Gebäudes ausbreiten. Wer weiß schon, was sich in Wänden, Decken, Böden und Schächten eines Kinos verbirgt: Ein nicht sichtbares Universum, in dem alles genau aufeinander abgestimmt sein muss, um Sicht- und Hörbarkeit herzustellen. Ich hatte gedacht, diese Kolumne würde hier enden. Nun geht sie weiter. Aber schon bald wird das jetzt Sichtbare unsichtbar, das noch Unsichtbare sichtbar, und das noch nicht Gesagte hörbar. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal) Mikrofonposition Grundriss

  • Kino Bau Zeit (12/2025, 2/2): Mikrofonposition Längsschnitt

  • Nebenräume (10/2025): Ein Kino hat Vor-, Hinter- und Nebenräume. Im Arsenal in der Welserstraße waren rechts neben der Leinwand die Toiletten, leider mit einer recht lauten Wasserspülung. Am Potsdamer Platz lagen hinter der Leinwand Produktionsräume der dffb – eine schöne Vorstellung: Aus dem Studio durch die Wand hindurch direkt auf die Leinwand. in der Westhalle gibt es gleich drei Räume hinter und neben der Leinwand: Links ein Aufenthaltsraum mit Sofa und Zugang zum Garten für Gäste, die sich dort vor ihrem Auftriff zurechtmachen oder ausruhen wollen, mittig ein Lagerraum, und rechts ein Catering-Raum für Sommerempfänge auf unserem kleinen Hof an der Plantagenstraße. Das Highlight: Ein großer, heller Raum hinter dem Vorführraum, in dem ein Arbeitsplatz für digitale Bearbeitung entsteht: Ausspielungen, Formattransfers, Datenspeicherung und mehr. Und hinter der Kasse: Platz für Getränke und Snackbar, deren Befüllung eine unserer nächsten Aufgaben sein wird. Definitiv Salzstangen. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal) Digitalarchiv

  • Eye and Ear Control (8/2025): Dunkelheit bricht ein. Noch nicht der Herbst und auch nicht die Nacht, sondern die Dunkelheit des Kinos. Die Saaldecke wurde gestrichen, damit demnächst die Akustikelemente angebracht werden können. Damit beginnt der Raum nicht nur anders auszusehen, sondern sich auch anders anzuhören. Was mich darauf bringt, dass wir die einzelnen Bauphasen nicht nur filmen und fotografieren, sondern auch ihren Sound dokumentieren sollten. Denn eine denkmalgeschützte ehemalige Trauerhalle mit einer Gewölbedecke aus Beton stellt eine besondere akustische Herausforderung dar. Vor allem für ein Kino, das vieles will: Perfekte Tonqualität für Filme (z.B. Dolby Atmos-Sound), Live-Stummfilmbegleitung ohne Verstärker, die Möglichkeit zu sprechen, ohne jedes Mal ein Mikrofon in die Hand nehmen zu müssen. Die Deckenpaneele sollen dabei helfen, aber gleichzeitig gut aussehen. Es soll laut sein können, und gleichzeitig ganz still. I hear you, sagte der Kinoplaner. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal)

  • Filmzeit (04/2025): Seit Beginn der Bauarbeiten im neuen Kino besucht die Filmemacherin Ute Aurand regelmäßig die Baustelle mit ihrer Bolex-Kamera. Wir haben sie gebeten, die Veränderungen zu filmen. Bei den vielen Materialien, die verarbeitet werden, scheint ein analog gedrehter Film passend. Ute hatte bereits unsere Archivräume gefilmt, bevor die Pappkartons, in denen die Filme bislang lagerten, durch Kunststoffdosen ersetzt wurden. Dabei hat sie aus den Titeln, die außen an den alten Kartons klebten, filmische Erzählungen gemacht, quer durchs Archiv. Lange Zeit geschah wenig Sichtbares im neuen Kino. Während sich die Welt draußen immer schneller drehte, schien die Zeit im künftigen Arsenal stehengeblieben zu sein. Bis eine Wand durchbrach. Jetzt kommt Ute häufiger. Das Tempo des werdenden Kinos ist immer noch sehr viel langsamer als das, mit dem sich die Welt gerade verändert. Als versuche das Kino, sie auszubremsen. Die ersten Besucher*innen kommen vorbei. Unter ihnen James Benning, der in den Saal läuft, als säße dort schon das Publikum für seinen nächsten Film aus Zeit. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal) Ute Aurand mit ihrer Bolex in der Plantagenstraße 30.

  • Kopfkino zum Anfassen (1/2025): Vieles, was uns im letzten Jahr beschäftigt hat, erinnert an die Kinoplanung vor über 25 Jahren, als wir an den Potsdamer Platz umgezogen sind: Plane oder gekrümmte Leinwand (sie wird plan), eine Akustik, die alles kann (Filmsound, Wortbeiträge und Stummfilmbegleitung), Anordnung der Sitze für bestmögliche Sicht bei größtmöglicher Platzzahl. Ein Kassenhaus, das nicht im Luftzug steht und ein Vorführraum mit Platz für alle analogen und digitalen Projektoren. Und doch ist alles anders: Vermieter und Ar­chitekten laden uns in ihr Büro ein. Auf einem ­großen Tisch liegen ausgebreitet verschiedene Materialien: Moos, Steine, Glas, Stoffe, Holz, Metalle. Naturfarben, Grüntöne, alles zum Anfassen. Wir legen prüfend nebeneinander, diskutieren Denkmalschutz und Neugestaltung, Nachbarschaftsanbindung und Empfangsmöglichkeiten. Wir stellen uns vor: den Eintritt ins Foyer von der Plantagenstraße auf der Nordseite, den Aufgang im Saal zu den oberen Reihen, das Öffnen des Vorhangs, die Leinwandbreite. Das Gespräch nach dem Film. Das Heraustreten aus dem Kino zur Südseite, wo Restauranttische unter Sonnenschirmen warten. (Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand Arsenal)

Im Februar 2025 sind die Mietverträge im Filmhaus am Potsdamer Platz ausgelaufen und das Arsenal zieht zum zweiten Mal in seiner Geschichte an einen neuen Ort. Im silent green Kulturquartier in Berlin-Wedding, wo seit 2015 das Archiv des Arsenal untergebracht ist, werden ab 2026 erstmals in seiner Geschichte alle Arbeitsbereiche (Kino, Berlinale Forum / Forum Expanded, Archiv und Verleih) an einem Ort vereint. In der Westhalle des ehemaligen Krematoriums, das sich durch die Initiative und das Engagement von Jörg Heitmann und Bettina Ellerkamp seit 2013 in ein florierendes, interdisziplinäres Kulturzentrum mit internationaler Strahlkraft verwandelt hat, wird für das Arsenal ein Kinosaal mit 180 Plätzen eingebaut, der weiterhin alle analogen und digitalen Vorführmöglichkeiten bietet. Auf der Nordseite des Gebäudes in der Plantagenstraße 30 entsteht ein eigener Eingang und ein kleiner Innenhof für Veranstaltungen. Das mittlerweile mehr als 10.000 Titel umfassende Archiv und die Sichtungsräume sind weiterhin im Westflügel des silent green untergebracht. Die Büros und der Verleih haben das Erdgeschoss und zwei weitere Etagen des gegenüberliegenden Hauses Gerichtstraße 53 bezogen.

Das silent green und der Kulturstandort Wedding bieten für das Arsenal eine einzigartige Infrastruktur und Synergiemöglichkeiten mit zahlreichen Kultureinrichtungen und Initiativen. Auf dem Gelände befinden sich unter anderem das Harun Farocki Institut, silent green Film Feld Forschung und die Transmediale sowie in unmittelbarer Umgebung das SİNEMA TRANSTOPIA, die zukünftige DFFB und SAVVY Contemporary. Viele dieser Kultureinrichtungen sind bereits langjährige Kooperationspartner*innen des Arsenal.

Für den Umbau der Westhalle hat das silent green das Architekturbüro Kombinativ unter der Leitung von Max Dengler beauftragt, das sich bereits für einen Teil der Umbauplanung und das Ateliergebäude des silent green verantwortlich zeichnet. In enger Abstimmung mit dem Kinoplaner Dr. Reiner Chemnitius und dem Arsenal ist ein nachhaltiges Konzept der Architekturentwicklung entstanden, das den denkmalgeschützten Bestand der Westhalle für seine neue Nutzungsform transformiert. 

FAQ

Wie ist der Zeitplan?

2024: Letzte Vorführung des Kino Arsenal am Potsdamer Platz am 15. Dezember

2025:  Umzug aller Arbeitsbereiche ins silent green Kulturquartier und die Gerichtstr. 53 // Arsenal on Location: 2025 präsentiert das Arsenal gemeinsam entwickelte Filmprogramme mit Kooperationspartner*innen in Berlin, bundesweit und international

2026: Eröffnung des neuen Kinos in der Westhalle des silent green in der Plantagenstraße 30

Welche technischen Möglichkeiten hat das neue Kino im silent green?

Laut aktuellem Planungsstand:

Plätze: 180
Reihen: 13 Reihen mit fest installierten Plätzen, erste Reihe optional / nach Bedarf bestuhlbar
analoge Filmvorführtechnik: Wiedergabemöglichkeit aller analogen Bildformate: 8 mm, 16 mm, 35 mm, 70 mm
Digitale Projektion: 4K DCP-Projektor
Tonsysteme: Dolby Atmos, Wiedergabemöglichkeit aller Tonformate
Live-Musik: Flügel im Saal vorhanden
Konferenztechnik: eingeplant
Barrierefreiheit (Rollstuhlfahrer*innen): gegeben
Barrierefreiheit (für Hör- und Sehbeeinträchtigte): in Planung

Leinwandgröße: ca. 9 m x 4 m

Was ist das silent green Kulturquartier?

Das silent green ist ein Veranstaltungsort und unabhängiges Projekt, das in den historischen Räumlichkeiten des ehemaligen Krematoriums Wedding eine in Berlin einzigartige Heimat gefunden hat. In privater Trägerschaft versteht sich das 2013 gegründete Kulturquartier als geschützter Raum, in dem gedacht, geforscht und experimentiert werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei ein formenübergreifendes, transzdisziplinäres Arbeiten und die Entstehung neuer, hybrider Formen. Das silent green hat zwei Schwerpunkte: Bewegtbild und Musik.

Wer ist für den Umbau der Westhalle und die Planung des Kinos verantwortlich?

Die Transformation der Westhalle wird maßgeblich vom silent green Kulturquartier realisiert, das sich – vertreten durch Jörg Heitmann und Bettina Ellerkamp – für die Projektentwicklung verantwortlich zeichnet und als Bauherr in Erscheinung tritt.

Mit der Umbauplanung wurde das Kombinativ – Büro für Architektur unter der Leitung von Max Dengler beauftragt, das sich u. a. bereits für Teile der Umbauplanung und das Ateliergebäude des silent green sowie die Umbauplanung und den Innenausbau der Galerie SAVVY Contemporary verantwortlich zeichnet.

Die Kinoplanung erfolgt durch Reiner Chemnitius. Er leitet das Planungsbüro für Medientechnik TME Dr. Ing. Chemnitius & Partner, das sich auf audiovisuelle Medien in Versammlungsstätten und Konferenzräumen spezialisiert hat. Zu den Kund*innen von TME gehören u. a. das Filmhaus, der Gloria Palast München, die Kinopolis Gruppe, die Filmakademie Baden-Württemberg, die Berlinale und das Arsenal.

Nach welchen Prinzipien wird gebaut?

Für den Umbau der denkmalgeschützten Westhalle des ehemaligen Krematoriums zum Kino mit modernster Technik werden dieselben nachhaltigen Bauprinzipen angewandt, die die Transformation des silent green Kulturquartiers seit Beginn leiten und bereits vielfach ausgezeichnet wurden. Das silent green wurde in den letzten Jahren mit der Ferdinand von Quastmedaille (Berliner Preis für Denkmalschutz), dem Berlin Award 2021, dem FIABCI Prix d’exellence Germany 2020 und dem Preis „Applaus“ für Nachhaltigkeit vom BKM ausgezeichnet.

Wie werden die Umbauarbeiten finanziert?

Die Kosten für die Umbauarbeiten und die Renovierung der Westhalle werden vom silent green Kulturquartier als Vermieter*in getragen. Die Mittel für den Ausbau zum Kino und die Umzugskosten werden durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien bereitgestellt.

Ist das Bestehen des Arsenal im silent green langfristig gesichert?

Das silent green tätigt die Investitionen an der Westhalle in der Plantagenstraße 30 und dem Bürogebäude Gerichtstraße 53 in der Absicht, dem Arsenal ein langfristiges Zuhause zu bieten und hat mit dem Arsenal einen Mietvertrag über 20 Jahre geschlossen. Durch die Zusicherung eines fairen und festen Mietpreises für den gesamten Zeitraum sichert das silent green dem Arsenal eine langfristige Bleibeperspektive.

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