november 2019, kino arsenal

Arbeit an der Erinnerung – Die Filme von Rithy Panh

Das Werk des 1964 in Phnom Penh geborenen und seit 40 Jahren in Frankreich lebenden Regisseurs Rithy Panh kreist um ein zentrales Thema: die Erinnerung an das Terrorregime der Roten Khmer, das er selbst als Jugendlicher miterlebte und in dem er fast seine gesamte Familie verlor.

Die Roten Khmer, die 1975 die Macht an sich rissen und die gesamte Bevölkerung Phnom Penhs aufs Land deportierten, hinterließen 1,7 Millionen Tote und ein zutiefst traumatisiertes Land. Sie teilten nicht nur die Bevölkerung in ein „neues“ (Stadtbewohner und Gebildete) und ein „altes“ Volk (traditionell lebende Bauern) ein, sondern errichteten auch ein totalitäres System, das alle familiären Bindungen, jegliches kulturelle Leben, Religion und Bildung zerstörte. Vor allem arbeiteten sie daran, Individualität, freies Denken und das kollektive Gedächtnis auszulöschen. Der Kampf gegen Schweigen und Vergessen, das Bemühen um vielfältige Formen der Erinnerung stehen im Zentrum der Arbeit von Rithy Panh, dabei immer ringend mit den Möglichkeiten der Darstellung des Undarstellbaren.

Rithy Panhs filmische Trauer- und Erinnerungsarbeit nimmt dabei unterschiedlichste Formen an. Seine Spielfilme sind von einer zurückhaltenden, fließenden Inszenierung und einem profunden Interesse an der Psychologie der Figuren gekennzeichnet. In den Dokumentarfilmen erweitert er seine filmische Sprache immer wieder, findet überraschende, poetische Bilder und Formen und wird zunehmend freier und persönlicher. Seine Filme sind so reflektiert wie sensibel und gleichen oft archäologischen Bemühungen: die Erinnerung an die Toten ohne Gräber zu bewahren, den Menschen die Worte wieder zu geben, nachzuforschen, zu verstehen und zu erklären.

Sein Engagement geht überdies über die eigene filmische Arbeit hinaus. In dem von ihm 2006 mitbegründeten Bophana Audiovisual Resource Center in Phnom Penh werden audiovisuelle Zeugnisse über Kambodscha gesammelt, der Bevölkerung frei zugänglich gemacht und junge Filmschaffende ausgebildet.

Wir widmen dem vielfach preisgekrönten Regisseur eine Hommage mit zehn Filmen.

november 2019, kino arsenal

Gaumont: Seit es das Kino gibt

Die 1895 gegründete Firma Gaumont ist nicht nur das älteste Filmproduktionsunternehmen der Welt. Mit über 1.500 Filmen besitzt Gaumont auch einen der größten französischen Filmkataloge, darunter u.a. Werke von Abel Gance, René Clair, Louis Feuillade, Jean Renoir, Max Ophüls, Robert Bresson, Georges Franju, Jean Grémillon, René Clément, Jean-Pierre Melville, Jacques Doillon, Jean-Luc Godard, Maurice Pialat, Jean Vigo und Louis Malle.

Vom 29. November bis 31. Januar gastiert im Maison de France des Institut français am Kurfürstendamm 211 die Ausstellung „Gaumont: Seit es das Kino gibt“. Die Ausstellung lädt zu einer Reise durch die Firmen- und Film-geschichte ein und präsentiert u.a. originale Requisiten, Kostüme und Filmplakate, Filmmusiken und Filmausschnitte. Ein „Hackathon“-Workshop bietet darüber hinaus vom 19. bis 25. November acht Teilnehmern die Gelegenheit, Gaumont-Klassiker digital neu zu interpretieren, die Ergebnisse werden im Anschluss in der Ausstellung zu sehen sein.

Das Arsenal zeigt begleitend im Rahmen der Französischen Filmwoche vom 28. November bis 4. Dezember eine Auswahl von Klassikern der französischen Filmgeschichte sowie neueren Produktionen der Firma. Im Februar folgt ein umfangreiches Programm mit Titeln aus dem Gaumont-Katalog.

november 2019, kino arsenal

Magical History Tour – Exzess und Opulenz

Die große Geste wollen wir diesen Monat in den Mittelpunkt der Magical History Tour stellen: Filme, die im Spannungsfeld zwischen Exzess und Opulenz angesiedelt sind und deren Überschuss sich in der grenzenlosen persönlichen Involvierung des Regisseurs oder einer entfesselten künstlerischen Vision manifestiert. Opulenz und Exzess stellen aber keinen Selbstzweck dar, sondern sind Ausdruck eines Gestaltungswillens, der sich auch gegen mannigfaltige Zwänge und Widerstände durchsetzt. So stehen Filme, die sich einem bedingungslosen Realismus verpflichtet fühlen, neben solchen, die die ihnen angemessene Form in der extremen Stilisierung finden.

november 2019, kino arsenal

AFRIKAMERA 2019: Africa Lusofonia

Während vor allem das postkoloniale Befreiungskino Angolas und Mosambiks der 70er Jahre als „Militant Cinema“ überregional Furore machte und sich heute im Zuge einer verstärkten, kritischen Auseinandersetzung mit kolonialer Vergangenheit neuer Aufmerksamkeit erfreut, setzen sich aktuelle Produktionen des lusophonen Afrika neben der eigenen Geschichte auch mit anderen gesellschaftlichen Themen auseinander, wie beispielsweise Gender, Religion oder Urbanität. AFRIKAMERA 2019: Africa Lusofonia präsentiert in seiner zwölften Ausgabe eine Auswahl aktueller Spiel- und Dokumentarfilme aus Angola, Guinea-Bissau und Mosambik neben Produktionen aus anderen Regionen Afrikas.

november 2019, kino arsenal

In person: Lizzie Borden und Bette Gordon

Sowohl <b<VARIETY</b> (USA 1983) von Bette Gordon als auch BORN IN FLAMES (USA 1983) von Lizzie Borden übten jahrzehntelang Einfluss auf die feministische Filmgeschichtsschreibung und Theoriebildung aus. Beide Filme sind um 1983 aus der Bewegung des Independent Cinema heraus in New York entstanden. Sie liefen im Berlinale Forum und -wurden anschließend durch das Arsenal im deutsch-sprachigen Raum verliehen. Mittlerweile liegen sie in restaurierten Fassungen vor. Gemeinsam mit der Viennale nehmen wir das zum Anlass, sie zur Wiederaufführung zu bringen. Wir freuen uns, dass die Regisseurinnen in Berlin und Wien zu Gast sein werden, um ihre Filme in einer Gegenwart zu diskutieren, in der sie neue Relevanz erlangt haben. Leider musste Lizzie Borden ihren Besuch aus gesundheitlichen Gründen absagen.