märz 2020, kino arsenal

arsenal 3 - week 2

Die erste Woche war ein großer Erfolg! Nicht nur das Filmprogramm wurde intensiv genutzt, wir hatten auch tolle Gespräche mit Filmemacher*innen und Publikum. Wir wissen, unser Webauftritt ist nicht perfekt, aber wir lernen gemeinsam und arbeiten daran. Und wir können es gleichzeitig kaum erwarten, Euch alle irgendwann im arsenal 1 und arsenal 2 wiederzusehen!

Wie alle beschäftigt uns im Hintergrund die Frage, wie es weitergeht, deshalb nochmal die Bitte: Spendet, wenn Ihr könnt, damit wir das Programm weiterhin kostenlos anbieten und trotzdem den Filmemacher*innen Lizenzen auszahlen können, und werdet Mitglieder oder Fördermitglieder im Arsenal. Und teilt das großartige Video, das die Künstlerinnen Mareike Bernien, Alex Gerbaulet und Susanne Sachsse gemeinsam mit der Mitarbeiter*innen des Arsenal produziert haben! (LINK)

märz 2020, kino arsenal

Arsenal 3 jetzt geöffnet für alle

Am Freitag, den 13. März haben wir – um der weiteren Verbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken – alle Veranstaltungen im Kino Arsenal 1 + 2 bis einschließlich 19. April ausgesetzt und u.a. unser Jubiläumsprogramm zum 50. Berlinale Forum sowie die Forum Expanded-Ausstellung vorzeitig beendet.

Das Forum Expanded-Thema „Part of the Problem“ hat sich plötzlich – weit mehr als erhofft – selbst erklärt: Als Veranstalter*innen sind wir immer Teil dessen, womit wir uns beschäftigen, nicht zuletzt durch die Art und Weise, wie wir das tun. Es geht uns darum, uns nicht nur zu den Filmen, sondern auch zur Welt zu verhalten. Die Orte, an denen wir das verhandeln, das Kino und die Ausstellung, sind uns jetzt zwar vorübergehend abhanden gekommen, aber die Filmemacher*innen und Künstler*innen, die Filme, das Publikum und auch das Arsenal sind noch da, zumindest die Institution mit ihren Mitarbeiter*innen. Und wir machen weiter und gestalten das Kino als sozialen Raum jetzt kurzfristig um.

Nur: Ohne den Schutz von drei Wänden und einer Leinwand gibt es ein Problem: Alle sehen den Film und das ist nicht allen recht. Deshalb haben wir uns an die Filmemacher*innen und Künstler*innen gewandt, deren Filme wir im Verleih haben. Ihre Reaktion hat uns überwältigt: Ohne zu zögern haben sie uns sofort so viele Filme für die Onlinepräsentation zur Verfügung gestellt, dass wir damit wochenlang Programme gestalten könnten. Und nicht nur das: Jede Zustimmung ging einher mit einer bedingungslosen Solidaritätsbekundung. Wir brauchen die Filmschaffenden, aber sie brauchen auch uns. arsenal 3 ist deshalb noch viel mehr das, was Kino eigentlich immer ist: ein kollaboratives Projekt.

märz 2020, kino arsenal

Black Light

Black Light basiert auf der von Greg de Cuir Jr kuratierten Retrospektive des internationalen Schwarzen Films, die beim letztjährigen Filmfestival von Locarno präsentiert wurde. Wir zeigen eine stark auf das US-amerikanische Kino fokussierte Auswahl, die den Bogen von den späten 10er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zum Jahr 2000 spannt. Diese kann die enorme Vielfalt der cineastischen Auseinandersetzung mit dem Schwarzsein nur ansatzweise darstellen, sie ist als Vorschlag zu verstehen, der zwangläufig unabgeschlossen bleiben muss.

Inwiefern lassen sich die in sehr unterschiedlichen Kontexten entstandenen Filme unter einer Überschrift zusammenfassen? Nicht um die „schlichte Repräsentationsvorstellung von einem schwarzen Körper hinter oder vor der Kamera“ (de Cuir) geht es, sondern um gemeinsame Formen von Erfahrungen und geteilter Geschichte, die Rassismus, Selbstermächtigung und Fragen der Repräsentation umfassen.

Wir freuen uns, Greg de Cuir Jr an den ersten beiden Abenden der Retrospektive begrüßen zu können. Am zweiten Abend wird er mit dem Filmemacher Kevin Jerome Everson diskutieren, der sich zur Zeit als Fellow der American Academy in Berlin aufhält.

„Es gab ein paar grundsätzliche Prinzipien, denen ich gefolgt bin. Zum einen wollte ich eine internationale Auswahl treffen und gleichzeitig sollte die Reihe einen historischen Überblick verschaffen. Ich wusste, dass ich Afrika außen vor lassen wollte. Afrika ist ein Thema, das eine eigenständige Retrospektive verdient. Es verdient einen genauen Blick und einen eigenen speziellen, klugen und wohlüberlegten Ansatz. Stattdessen wollte ich mich auf die Nachkommen konzentrieren, die gezwungen waren, durch die Welt zu reisen, um zu überleben, und ihren eigenen Platz, ihre eigenen Wurzeln zu finden. Ich wusste auch, dass ich den Fokus konkret auf das 20. Jahrhundert richten wollte. Es sollte eine echte Retro sein, die zurückblickt und zurückdenkt, die sich damit befasst, wie wir dort hingekommen sind, wo wir heute stehen, und damit, was uns die Vergangenheit über unsere Gegenwart und vielleicht sogar unsere Zukunft verrät. Und was noch ganz wichtig ist: Die Reihe sollte eine Collage von verschiedenen Stilen, Genres, politischen und ästhetischen Herangehensweisen offenbaren. Ich wollte, dass die unterschiedlichen Werke miteinander in Beziehung treten und gleichzeitig Kontraste setzen, dass sie einen Dialog bilden.“ (Greg de Cuir Jr in ray Filmmagazin)

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Forum 50

Das Berlinale Forum findet dieses Jahr zum 50. Mal statt. Wir feiern das Jubiläum im Kino: Während des Festivals und im März wird das gesamte Programm des ersten Forum-Jahrgangs 1971 nachgespielt. Die Wiederaufführung vermittelt einen Einblick in eine Zeit, die gesellschaftlich wie kulturell überaus bewegt war, und bietet die Gelegenheit, die Filme heute auf ihre Aktualität und Bedeutung zu überprüfen. Als Ulrich und Erika Gregor sowie ihre Mitstreiter*innen das Internationale Forum des Jungen Films gründeten, hatten sie einen klaren Blick für die vielen radikalen Neuerungen im Kino, für die bewegte gesellschaftspolitische Lage und für die Notwendigkeit, Filmgeschichte lebendig zu halten. Filme, die in Ländern entstanden, die bis dato auf der Weltkarte des Kinos nicht verzeichnet waren, erlebten hier ebenso ihre Premiere wie formale Experimente und nicht-narrative Filme. Von Anfang an gab es keine Unterscheidung zwischen Dokumentar- und Spielfilmen, standen ältere und wiederentdeckte Werke neben politisch engagierten Filmen. Bereits bekannte Klassiker verwiesen auf gesellschaftliche Utopien und filmische Traditionslinien. Zwischen künstlerischer Innovation und politischer Agitation bewegten sich große Teile des ersten Forum-Programms. Viele verstanden sich als „Gegeninformation“ zu den vorherrschenden Medien, etwa die Filme über die Bürgerrechtsbewegung und den Protest gegen den Vietnamkrieg in den USA. In der filmischen Auseinandersetzung mit (Neo-)Kolonialismus und Ausbeutungsverhältnissen in südamerikanischen und afrikanischen Ländern wurde die Kamera zum Mittel des Klassenkampfes.