januar 2020, kino arsenal

Federico & Marcello – Die Filme von Federico Fellini mit Marcello Mastroianni

Federico Fellini (1920–1993) war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des italienischen Films und hat mit seinem eigenen, sehr persönlichen und poetischen Erzählstil Filmgeschichte geschrieben. Anlässlich Fellinis 100. Geburtstag präsentiert das Italienische Kulturinstitut Berlin vom 16. Januar bis 29. Februar die Ausstellung der Cineteca di Bologna und von Cinemazero – Pordenone „Fellini/Mastroianni/Alter Ego“ mit bislang unveröffentlichten Fotografien des Filmemachers und seines präferierten Darstellers, den er in seinen autobiografisch geprägten Filmen bevorzugt als Alter Ego besetzte und mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verband. Begleitend zur Ausstellung zeigt das Arsenal die fünf gemeinsamen Filme von Federico Fellini und Marcello Mastroianni aus den Jahren 1960 bis 1987 in 35-mm-Kopien.

januar 2020, kino arsenal

Retrospektive Kenji Mizoguchi

Im Januar setzen wir die umfangreiche Retrospektive Kenji Mizoguchi mit neun weiteren Filmen fort. Darunter finden sich sowohl einige zu Unrecht weniger bekannte Werke sowie Arbeiten, die während des Zweiten Weltkriegs sowie in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden sind – Zeiten der politischen Einflussnahme und Zensur durch die japanische Regierung bis 1945 bzw. nach dem Krieg durch die amerikanische Besatzungsmacht. Die Auflagen letzterer bestanden u.a. darin, Werte wie „Demokratie“ und „Emanzipation“ filmisch umzusetzen. Jenseits von Vorgaben formulierte Mizoguchi seine zum Teil radikal-scharfe Kritik an den patriarchalen Strukturen Japans, an den rigiden gesellschaftlichen Konventionen und der Unterdrückung der Frau bereits zu Beginn seiner Karriere. Augenfällig indes ist die Härte und Vehemenz einiger Szenen seiner Nachkriegsfilme – beredter Ausdruck einer tief greifenden sozialen Verunsicherung innerhalb der japanischen Gesellschaft.

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Unknown Pleasures #11 – American Independent Film Fest

Unknown Pleasures zeigt aktuelle US-amerikanische Independent-Filme, die einen alternativen Blick auf das US-Filmschaffen werfen und die in Deutschland kaum im Kino zu sehen sind. In Zeiten, in denen binäres Denken allgegenwärtig ist und Zuschreibungen schnell zur Hand sind, möchte die diesjährige Ausgabe von Unknown Pleasures für Unordnung sorgen und präsentiert Filme, die sich einer allzu schnellen Kategorisierung elegant entziehen. Filme, die unterschiedlichsten Produktionskontexten entstammen, die Rollenbilder unterwandern, sich nicht scheuen, laut und exzessiv zu sein und die das Spiel mit Genres pflegen. Der diesjährige Eröffnungsfilm GIVE ME LIBERTY (USA 2019) etwa von Kirill Mikhanovsky lässt sich wohl als filmisches Pendant zum Flipperautomaten bezeichnen: Wie eine Kugel, unkontrollierbar und überraschend, werden die Protagonist*innen durch Milwaukee hin und her geschleudert. Oder Alex Ross Perrys und Elisabeth Moss’ HER SMELL (USA 2018), ein nicht minder irrer Trip, der sich als Gegenentwurf zu den so populären Biopics über Musiker*innen versteht.

Gleich mehrere Filme greifen Elemente des Science-Fiction-Kinos auf: In der in der nahen Zukunft angesiedelten Satire SORRY TO BOTHER YOU (USA 2018) ahmt ein schwarzer Callcenter-Mitarbeiter eine „weiße“ Stimme nach, womit er prompt erfolgreich wird. Der Dokumentarfilm THE HOTTEST AUGUST (USA/Kanada 2019) erkundet im Stil von Chris Marker die Frage, wie die Zukunft aussehen wird und in SWARM SEASON (USA 2019) vermischt sich die kosmologische Weite des Himmels über Hawaii mit dem Züchten von Bienen und der Simulation des Lebens auf dem Mars.

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Cinepoetics Lecture #13: Catherine Grant

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Worin unsere Stärke bestand – Das Kasseler Filmkollektiv und das „Andere Kino“ am Jugendhof Dörnberg

Im Sommer 1967 fand im hessischen Landesjugendhof auf dem Dörnberg bei Kassel das – wenn man will – erste Filmseminar des „Anderen Kinos“ statt. Vorausgegangen war eine Partisanenaktion in Oberhausen: Am Rande der Kurzfilmtage hatte der Experimentalfilmer Werner Nekes ein Gegenprogramm mit vom Festival abgelehnten Filmen gezeigt. Gerhard Büttenbender, der als Dozent für kulturelle Bildung zum Leitungsteam des Jugendhofs gehörte, lud Nekes daraufhin ein, dort Filmseminare abzuhalten.

Ein staatlicher „Jugendhof“ war zweifellos ein spezieller Ort für experimentelle Filmarbeit. Das autoritätskritische Konzept des Dörnberg-Teams und die Offenheit für künstlerische Experimente schufen jedoch Freiräume, die den Ort für ein paar Jahre zu einem Labor des Anderen Kinos machten. Ende 1968 gründete sich dort das „Kasseler Filmkollektiv“, dessen Kerngruppe neben Gerhard Büttenbender aus Adolf Winkelmann und den Zwillingsschwestern Jutta und Gisela Schmidt bestand, die sich als Student*innen der Kasseler Werkkunstschule schon kannten und in den Nekes-Seminaren Gelegenheit zu ersten 16-mm-Experimenten bekamen. Auch Bazon Brock bot Seminare am Dörnberg an. Gemeinsam mit Nekes entstand DAS SEMINAR (1967, 11.1.), in dem eins von Brocks „Trainingsseminaren“ als situationistisches Happening gefilmt wurde. In den drei Monaten, die Nekes und seine Partnerin Dore O. am Dörnberg blieben, drehten sie u.a. den berühmten Schaukelfilm JÜM-JÜM (1967, 11.1.) und die „Gurtrug-Filme“, von denen hier GURTRUG NR. 2 (1967, 11.1.) in analoger Doppelprojektion gezeigt wird.