august 2020, kino arsenal

Black Light

Die Retrospektive Black Light des Locarno Film Festival, kuratiert von Greg de Cuir Jr., die im März abgebrochen werden musste, wird mit einer Auswahl von 13 Filmen fortgesetzt. Black Light basiert auf der von Greg de Cuir Jr. kuratierten Retrospektive des internationalen Schwarzen Films, die beim letztjährigen Filmfestival von Locarno präsentiert wurde. Das Arsenal zeigt eine stark auf das US-amerikanische Kino fokussierte Auswahl, die den Bogen von den 20er bis zu den 90er Jahren spannt. Diese kann die enorme Vielfalt der cineastischen Auseinandersetzung mit dem Schwarzsein nur ansatzweise darstellen, sie ist als Vorschlag zu verstehen, der zwangläufig unabgeschlossen bleiben muss. Inwiefern lassen sich die in sehr unterschiedlichen Kontexten entstandenen Filme unter einer Überschrift zusammenfassen? Nicht um die „schlichte Repräsentationsvorstellung von einem schwarzen Körper hinter oder vor der Kamera“ (de Cuir) geht es, sondern um gemeinsame Formen von Erfahrungen und geteilter Geschichte, die Rassismus, Selbstermächtigung und Fragen der Repräsentation umfassen. Greg de Cuir Jr.: „Es gab ein paar grundsätzliche Prinzipien, denen ich gefolgt bin. Zum einen wollte ich eine internationale Auswahl treffen und gleichzeitig sollte die Reihe einen historischen Überblick verschaffen. Ich wusste, dass ich Afrika außen vor lassen wollte. Afrika ist ein Thema, das eine eigenständige Retrospektive verdient. Es verdient einen genauen Blick und einen eigenen speziellen, klugen und wohlüberlegten Ansatz. Stattdessen wollte ich mich auf die Nachkommen konzentrieren, die gezwungen waren, durch die Welt zu reisen, um zu überleben, und ihren eigenen Platz, ihre eigenen Wurzeln zu finden. Ich wusste auch, dass ich den Fokus konkret auf das 20. Jahrhundert richten wollte. Es sollte eine echte Retro sein, die zurückblickt und zurückdenkt, die sich damit befasst, wie wir dort hingekommen sind, wo wir heute stehen, und damit, was uns die Vergangenheit über unsere Gegenwart und vielleicht sogar unsere Zukunft verrät. Und was noch ganz wichtig ist: Die Reihe sollte eine Collage von verschiedenen Stilen, Genres, politischen und ästhetischen Herangehensweisen offenbaren. Ich wollte, dass die unterschiedlichen Werke miteinander in Beziehung treten und gleichzeitig Kontraste setzen, dass sie einen Dialog bilden.“

august 2020, kino arsenal

Forum 50

Das Berlinale Forum und Forum Expanded präsentierten zum 50. Jubiläum des Forums die Filme, die im Gründungsjahr gezeigt wurden. 21 Programme liefen während des diesjährigen Festivals, 22 weitere sollten im März im Arsenal präsentiert werden. Forum 50 wird im Juli und August mit einer Auswahl von fünf Filmen fortgesetzt. Das Programm im Arsenal versammelt politisch engagierte Dokumentarfilme, innovative Spielfilme sowie historische Wiederaufführungen.

Als Ulrich und Erika Gregor sowie ihre Mitstreiter*innen das Internationale Forum des Jungen Films gründeten, hatten sie einen klaren Blick für die vielen radikalen Neuerungen im Kino, für die bewegte gesellschaftspolitische Lage und für die Notwendigkeit, Filmgeschichte lebendig zu halten. Filme, die in Ländern entstanden, die bis dato auf der Weltkarte des Kinos nicht verzeichnet waren, erlebten hier ebenso ihre Premiere wie formale Experimente und nicht-narrative Filme. Von Anfang an gab es keine Unterscheidung zwischen Dokumentar- und Spielfilmen, standen ältere und wiederentdeckte Werke neben politisch engagierten Filmen. Bereits bekannte Klassiker verwiesen auf gesellschaftliche Utopien und filmische Traditionslinien. Zwischen künstlerischer Innovation und politischer Agitation bewegten sich große Teile des ersten Forum-Programms. Viele verstanden sich als „Gegeninformation“ zu den vorherrschenden Medien, etwa die Filme über die Bürgerrechtsbewegung und den Protest gegen den Vietnamkrieg in den USA. In der filmischen Auseinandersetzung mit (Neo-)Kolonialismus und Ausbeutungsverhältnissen in südamerikanischen und afrikanischen Ländern wurde die Kamera zum Mittel des Klassenkampfes. Die gezeigten Filme sind teilweise aus der eigenen Sammlung des Arsenals, gehörte es doch zur Politik, die eigens für das Festival deutsch untertitelten Kopien in den Verleih zu übernehmen und sie einem breiten Publikum auch außerhalb des Festivalkontextes zugänglich zu machen.

juni 2020, kino arsenal

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