mai 2019, kino arsenal

Happy Birthday, Erika Gregor!

Eine veritable Premiere: Erika Gregor feiert ihren Geburtstag mit einem Kurzfilmprogramm im Arsenal! Wir freuen uns gleichermaßen darüber wie darauf und laden alle ein, diesen besonderen Abend mit ihr zu begehen. Als Mitbegründerin der Freunde der Deutschen Kinemathek (heute: Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.) sowie des Internationalen Forums der Berlinale, als jahrzehntelange Arsenal-Programmkuratorin und Mitglied des Auswahlkomitees des Forums hat sie die Institution in vielfacher Hinsicht geprägt. Weit über vier Jahrzehnte lang hat sie Filme und Filmschaffende über Grenzen, Kontinente und andere Hindernisse hinweg nach Berlin geholt, beeindruckende Programme und Festivals gestaltet, Publikationen herausgegeben, eine Filmsammlung aufgebaut, sich in (film)politische Diskussionen eingemischt und dabei sowohl ihre Liebe zum Kino als auch den Glauben aufrechterhalten, dass Filme nachhaltige Veränderungen anstoßen können. So phänomenal ihr Gedächtnis (Filme, Festivals, Begegnungen, Bücher und Gedichte), so unerschöpflich und pointiert ihr reichhaltiger Geschichtenschatz: Einen im besten Sinne erhellenden und erheiternden Eindruck davon vermitteln die kurzen Filme von Dorothee Wenner (auf unserer Website) wie bestimmt auch der Geburtstagsabend am 26. Mai. Erika Gregor präsentiert ein Programm mit Kurzfilmen von Germaine Dulac, Agnès Varda, Anita Thacher, Standish Lawder und Santiago Álvarez. Es sprechen: Helke Sander und Jutta Brückner. Wer Erika Gregor abgesehen von ihrer oder seiner Anwesenheit eine Freude machen möchte, den bittet sie anstelle von Blumen um eine Spende für den Ankauf von Kopien. (Eine Spendenbox wird bereitstehen.) Ihre Prioritätenliste der in Frage kommenden Titel diskutiert sie bestimmt gern im persönlichen Gespräch bei einem Glas Wein. (26.5.)

mai 2019, kino arsenal

Commedia all’italiana

Ende der 50er Jahre entstand in Italien eine besondere Form sozialkritischer Unterhaltung: subversive Komödien, die mit der Gefälligkeit und dem Optimismus des Genres brachen und stattdessen in satirischer Schärfe die sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen der Zeit durch präzise Alltagsbeobachtung spiegelten. Die Commedia all’italiana entwickelte sich in den 60er Jahren zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Genres der italienischen Filmindustrie, die Filme waren nicht nur beim Publikum äußerst populär, sondern wurden auch bei den großen internationalen Festivals gefeiert und weltweit mit zahlreichen Regie-, Drehbuch- und Darstellerpreisen ausgezeichnet.

Zwischen Tragik und Komik schwankend erzählen die Filme eine Kulturgeschichte Italiens vom Kriegsende bis in die 70er Jahre, von Armut, dem ökonomischen Ungleichgewicht der Regionen, den Problemen der Transformation der italienischen Gesellschaft vom Agrar- zum Industriestaat und den mit dem Wirtschaftswunder einhergehenden Veränderungen – Landflucht und Verstädterung, Entwurzelung, rasanter Verfall tradierter Werte und Institutionen, Konsumismus, die zunehmende Motorisierung des Landes, das unbalancierte Geschlechterverhältnis und die neuen sexuellen Freiheiten. Charakteristische Kennzeichen der Filme waren die Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten und Institutionen; Familie, Patriarchat und Kirche werden dem Spott preisgegeben, bigotte Moralvorstellungen und rückständige Ehegesetze in beißender, satirischer Weise kritisiert. Ironie, Sarkasmus, Zorn, Verzweiflung, Melancholie und Komik verbinden sich zu einer eigenwilligen Form der Komödie, die selten glücklich endet.

Herausragende Protagonisten des Genres waren die Regisseure Dino Risi, Pietro Germi, Luigi Comencini, Mario Monicelli, Antonio Pietrangeli und Luigi Zampa sowie das Autorenteam Age & Scarpelli, das für eine Vielzahl von Komödien das Drehbuch verfasste, darunter acht der in dieser Auswahl präsentierten Filme. Die Darsteller Alberto Sordi, Vittorio Gassman, Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Nino Manfredi sowie die Schauspielerinnen Stefania Sandrelli und Claudia Cardinale gaben der Commedia all’italiana ihr charakteristisches Gesicht.

Wir präsentieren in Kooperation mit dem Italienischen Kulturinstitut 21 Höhepunkte des Genres aus den Jahren 1958 bis 1974. Die Retrospektive wird durch zwei Einführungen und zwei Vorträge begleitet.

mai 2019, kino arsenal

Magical History Tour – 
Der Kammerspielfilm

Konzentration auf wenige Figuren und Räume, Fokussierung innerer Konflikte und Beschränkung auf einen überschaubaren zeitlichen Rahmen – die Grundkomponenten des Kammerspielfilms, wie er sich Anfang der 20er Jahre entwickelte, klingen asketisch. Aus einer auf die Spitze getriebenen Verknappung in Sachen Ort, Zeit und Handlung resultierte indes eine oftmals besondere Dramatik, getragen und verstärkt von wenigen symbolhaften Dekors, von einer stark subjektivierenden Lichtsetzung und mobilen Kamera, die, in unmittelbarer Nähe der Protagonisten positioniert, auch kleine Regungen in Gestik und Mimik aufnimmt. Ausgehend von Max Reinhardts neuem Inszenierungskonzept des modernen Dramas, das er ab 1906 auf der neugegründeten Theaterbühne in Berlin umsetzte, erlebte der Kammerspielfilm seine erste (als klassische Form betrachtet vielleicht einzige) Hochphase in den 20er Jahren und markierte in Deutschland einen Übergang von expressionistischen Filmformen hin zu realistischen Tendenzen. Der Nachhall des Kammerspielfilms in der Filmgeschichte ist vielgestaltig und reicht von klassischen Reverenzen an die frühen Vorbilder bis zu kreativen Variationen (einzelner Aspekte) des Genres. Einige davon haben wir in einem wie immer subjektiven Querschnitt in der Magical History Tour zusammengetragen.