juni 2018, kino arsenal

„es ist die Gegenwart, die Gegenwart der Vergangenheit“ Filme von Ingo Kratisch und Jutta Sartory

„Einer Frau wird der Mangel an Verständnis bewusst, und sie begibt sich auf eine Reise, die sie nach New York bringt. Von dort durchquert sie mit einem Auto den Kontinent nach Westen. In fortwährender Bewegung und ständigem Wechsel zwischen früheren Sympathien und späterer Abneigung weichen die vorgestellten europäischen Einbildungen den konkreten amerikanischen Erscheinungen. Die subjektive Erfahrung der ersten Reise setzt sich im zweiten Teil als Suche nach der Struktur des Landes in analytischer Form fort. Straßen, Gebäude, Brücken, Landschaft, Städte und Verkehr bilden ein Muster, aus dem sich die Realität dieses Landes erschließt.“ (Jutta Sartory)

juni 2018, kino arsenal

Anna May Wong – Star, Ikone, Grenzgängerin

Im April 1928, also fast auf den Monat genau vor 90 Jahren, kam Anna May Wong (geborene Wong Liu Tsong, 1905–1961) in Berlin an – mit großen Erwartungen. Die erste amerikanische Schauspielerin chinesischer Herkunft – ihre Großeltern waren Mitte des 19. Jahrhunderts nach Kalifornien eingewandert – war zu diesem Zeitpunkt bereits ein in den USA wie international gefeierter Film- und Medienstar: glamourös, von blendender Schönheit und Sex-Appeal. Vor dem Hintergrund der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausgrenzung der chinesisch-stämmigen Bevölkerung in den USA änderte ihr Erfolg nichts an der Tatsache, dass Wong in den 20er und 30er Jahren nur ein enges Spektrum an zumeist stereotypen, dem „Exotischen“ verpflichteten (Neben-)Rollen angeboten wurde. Immer wieder „scherzte“ sie über die tausend Tode, die sie während ihrer Filmkarriere gestorben sei: als entweder sanftmütige oder berechnende Dienerin, als opferbereite, unglücklich Liebende oder als bösartige Femme fatale – Rollen, denen sie stets Würde und Feinheit zu verleihen suchte. Hauptrollen waren rar, Romanzen mit happy endings eine Seltenheit. In der Hoffnung auf größere künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten reiste sie ab Ende der 20er Jahre mehrmals nach Europa. In Berlin, später in London und Paris begeisterte sie mit ihrer Grazie und Eleganz, ihrer schauspielerischen Wandlungsfähigkeit zwischen Erotik und Schalkhaftigkeit, ungestümer Energie und kalkulierter Coolness das Kino- und Theaterpublikum wie die jeweiligen Kunst- und Kulturszenen gleichermaßen. Wongs Hoffnung, den Normierungen, Rollenfestlegungen und Stereotypen Hollywoods zu entkommen, erfüllten sich nur bedingt. Im Gegensatz zur damaligen Begeisterung des Publikums und zur weltweiten Berichterstattung über ihre Filme, ihre Reisen nach China, ihr Werben für ein besseres Verständnis der chinesischen Kultur in den USA und Europa sind die Filme mit Anna May Wong – abgesehen von THE THIEF OF BAGDAD (1925) oder SHANGHAI EXPRESS (1932) – in Deutschland selten zu sehen. Ihre dem widrigen politischen Klima abgetrotzte Karriere zeichnet das Programm in elf Filmen und einer Dokumentation nach und würdigt Anna May Wong nicht nur als außergewöhnliche Schauspielerin, sondern auch als Grenzgängerin und Vermittlerin zwischen den Kontinenten und Kulturen.

juni 2018, kino arsenal

Magical History Tour – Licht im Film

Am Anfang ist das Licht – allemal im Kino. Der Projektionsstrahl flutet erst den Filmstreifen, dann das Objektiv, überwindet die Glasscheibe des Vorführraums und den Raum des Kinosaals und trifft in Lichtgeschwindigkeit auf die Leinwand – der Film beginnt. Der Schein einer Watt-starken Projektorlampe mutet wie ein strahlkräftiges Echo des Grundthemas des Films/des Kinos an: dem des Lichts. Keine Dreharbeiten ohne Tages- bzw. künstliches Licht, ohne Führungs- oder Fülllicht, ohne Scheinwerfer oder soft light und vor allem nicht ohne das lichtsetzende und -gestaltende Kamera- bzw. Beleuchterteam. Die Lichtgebung und -führung ist ein unverzichtbares inszenatorisches, künstlerisches, strukturierendes, dramaturgisches Mittel, das Geschichten (mit)erzählt, Stimmungen kreiert, Emotionen auslöst. Einen Eindruck der höchst unterschiedlichen Arbeit mit und Wirkung von Licht (und Schatten) im Film vermittelt die Magical History Tour im Juni.