september 2021, kino arsenal

Against all odds
 – Hommage an die japanischen Drehbuchautorinnen Yoko Mizuki und Sumie Tanaka

Barbesitzerinnen, Verkäuferinnen, Sekretärinnen, Geishas, Hausfrauen, Mütter, Töchter: Im Mittelpunkt vieler Filme von Mikio Naruse der frühen 50er Jahre stehen Frauenfiguren. Sie sind unterschiedlichsten Alters, leben in bescheidenen Verhältnissen, in schwierigen Familienkonstellationen, stehen an Wendepunkten. Sie ringen um Respekt, um Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, oftmals mit Einsamkeit und um einen Platz im sich rasant verändernden Nachkriegsjapan. Es sind komplexe, mitunter widersprüchliche Protagonistinnen, mit feinem Gespür gezeichnet und genauem, gleichermaßen teilnahmsvollen wie illusionslosen Blick beschrieben. Viele dieser Frauengestalten – so z.B. in MESHI (Repast, 1951), YAMA NO OTO (Sound of the Mountain, 1954), BANGIKU (Late Chrysanthemums, 1954) oder UKIGUMO (Floating Clouds, 1955) – entstammen den Drehbüchern und Romanadaptionen der beiden bedeutenden japanischen Drehbuchautorinnen Yoko Mizuki (1910–2003) und Sumie Tanaka (1908–2000). Als absolute Ausnahmeerscheinungen innerhalb der männerdominierten japanischen Filmindustrie, in der Frauen, abgesehen von Schauspielerinnen, allenfalls in den Bereichen Maske und Kostüm toleriert wurden, etablierten sich Mizuki und Tanaka in den frühen 50er Jahren und schrieben bis in die 60er jeweils 30 bis 40 Drehbücher. Darunter finden sich Arbeiten für Kozaburo Yoshimura und Kinuyo Tanaka (Sumie Tanaka) sowie für Tadashi Imai, Masaki Kobayashi und Kon Ichikawa (Yoko Mizuki). Den Beginn der Karrieren von Mizuki und Tanaka markierte die wiederholte Zusammenarbeit mit Mikio Naruse. Diese für alle drei Beteiligten prägende und erfolgreiche Arbeitsphase präsentieren wir anhand von acht Filmen.

september 2021, kino arsenal

Online-Gespräch mit Angelika Levi

Im Rahmen unseres Programms auf arsenal 3 findet am 21. September um 18 Uhr eine Online-Diskussion mit Angelika Levi, moderiert von Borjana Gaković, statt. Sie kann auf dem YouTube-Kanal des Arsenals gesehen werden. Alle sind herzlich dazu eingeladen, über den Chat können Fragen gestellt werden.

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„The gatekeepers exist to be overthrown.“ 
Amos Vogel – Reprisen und Repliken

The most important question – Where is the experimental film movement? – is the one which I wish someone could answer for me“, schrieb Maya Deren im August 1946 an den Filmemacher Frank Stauffacher. Dieser hatte gerade begonnen, eine Filmreihe für das San Francisco Museum of Art mit dem Titel „Art in Cinema“ zusammenzustellen. Die damals 29-jährige Maya Deren war dafür eine Referenz, denn sie hatte bereits 1943 begonnen, ihre gemeinsam mit Alexander Hammid realisierten Experimentalfilme vor handverlesenem Publikum zu zeigen. In New York hatte sich um das Paar ein Kreis von Künstler*innen, Galerist*innen und Filmleuten gebildet, als Deren im Februar 1946 das Provincetown Playhouse in Greenwich Village mietete, um ihr bis dahin entstandenes Gesamtwerk zu zeigen. Mehrere hundert Zuschauer*innen wurden Zeug*innen eines Ereignisses, das heute als Geburtsstunde der amerikanischen Experimentalfilm-Bewegung gilt. Im Publikum saßen auch Amos und Marcia Vogel, ein frisch verheiratetes Paar mit einem liberalen, jüdischen Hintergrund, sie eine gebürtige New Yorkerin, er ein österreichischer Emigrant, der 1939 auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus in die USA gekommen war. „Es hat mich umgehauen“, erinnerte sich Vogel später an diesen Abend. „Die Filme waren großartig, die Projektion war exzellent, die Programmzettel hatten Hand und Fuß – man merkte, dass es hier um etwas Wichtiges ging.“

Derens Pionierarbeit in New York und auch Stauffachers „Art in Cinema“-Programme gaben Amos und Marcia Vogel Impulse für ein Vorhaben, das gerade Gestalt annahm: eine feste Struktur zu schaffen, in der experimentelle und nicht-kommerzielle Filme eine größere Sichtbarkeit bekämen. Als die Vogels im November 1947 begannen, unter dem Namen Cinema 16 „outstanding documentary and sociological films of all nations, superior educational as well as experimental and avant-garde films“ auf 16-mm-Projektoren zu zeigen, mieteten sie dafür dasselbe Provincetown Playhouse und schrieben sich somit bewusst in eine Bewegung ein, die gerade begonnen hatte. Cinema 16 wurde zum größten und folgenreichsten Filmclub der Kinogeschichte und bestand als regelmäßige Programmreihe für Mitglieder und nicht-kommerzieller Filmverleih von 1947 bis 1963.

Amos Vogel (1921–2012) wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, was vielerorts zum Anlass genommen wird, ihn als Wegbereiter des unabhängigen Films und Pionier der Kinokultur- und Filmclubbewegung zu würdigen. Auch die Reihe „The gatekeepers exist to be overthrown.“ – Amos Vogel – Reprisen und Repliken geht von dieser Motivation aus, bestärkt noch durch die Tatsache, dass das Arsenal mit Amos und Marcia Vogel eine Freundschaft verbindet, die bis in die Gründungsjahre Mitte der 60er Jahre zurückreicht.

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Archival Assembly #1

Das Festival Archival Assembly #1 bildet den (vorläufigen) Abschluss des fünfjährigen Projekts „Archive außer sich“, eine langfristig angelegte kollaborative Serie von Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven. Die teilnehmenden Institutionen sind das Harun Farocki Institut, SAVVY Contemporary, pong film, silent green Film Feld Forschung, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und der Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ an der Goethe-Universität Frankfurt.

Vom 1. bis zum 8. September versammeln sich Filmarchive und filmarchivarische Projekte zum Austausch mit dem Publikumim Kino Arsenal, im Westgarten des HKW, bei Savvy Contemporary und im silent green. Das Festival ist die erste Ausgabe eines zukünftig zweijährlich stattfindenden Festivals, das Archivarbeit – wie auch das Kino – als künstlerische, soziale und politische Praxis versteht.