februar 2019, kino arsenal

49. Forum

Gleich mehrere Filme des diesjährigen Programms finden ihre Inspiration in der Literatur: Ein Roman von Elfriede Jelinek, eine Novelle von Robert Musil und ein Prosatext von Ronald M. Schernikau bilden Vorlage und Ausgangspunkt für Spielfilme aus Österreich, Portugal und den USA.

Kelly Copper und Pavol Liska vom Nature Theater of Oklahoma nehmen sich in ihrem Super-8-Stummfilm DIE KINDER DER TOTEN Elfriede Jelineks gleichnamigem Gespensterroman an. Heimatfilm und Home Movie Horror zugleich, lässt er Doppelgängerinnen, Untote, eine Nazi-Witwe, einen lebensmüden Förster und eine syrische Dichterfamilie durch die Steiermark geistern – unheimlich und komisch.

februar 2019, kino arsenal

14. Forum Expanded – ANTIKINO (THE SIREN’S ECHO CHAMBER)

2019 muss der Begriff „expanded“, der dem historischen „Expanded Cinema“ der 1960er entlehnt ist und unserem Programm einst den Namen gab, auf den Prüfstand gestellt werden. In einer Zeit, in der Bewegtbilder allgegenwärtig sind, findet eine „Expansion“, oder Grenzüberschreitung, also das, was das Kino der Avantgarde mit der Kunst der Moderne verbunden hat, wenn überhaupt unter anderen Parametern statt. Die Kritik an der Normativität des Kinos ist zwar weiterhin relevant, doch nachdem die Avantgarde Eingang in den Mainstream und ins Museum gefunden hat, hat sich das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Kino weitgehend aufgelöst. Stattdessen finden wir uns in einer gemeinsamen Echokammer: Was sich im Programm des Forum Expanded zeigt, reflektiert vor allem das veränderte Verhältnis zwischen bewegtem Bild und gelebtem Leben. Ein mythologisches Thema – der Gesang der Sirenen und die Odyssee – wird in eine Gegenwart transponiert, die von Migration, Displacement und den Schatten der Kolonialgeschichte ebenso gezeichnet ist wie durch die affektiven Feedback-Loops, denen wir nicht nur in den sozialen Medien ausgesetzt sind. ANTIKINO untersucht Auswege aus dieser Echokammer.

februar 2019, kino arsenal

Archival Constellations 
bei Forum und Forum Expanded

februar 2019, kino arsenal

The Total Filmmaker: Jerry Lewis

Seit er als Fünfjähriger das erste Mal auf einer Bühne stand und das Publikum dadurch zum Lachen brachte, dass er nach einem unabsichtlichen Stolpern eine Scheinwerferlampe zerstörte, war für Jerry Lewis sein weiterer Lebensweg vorgezeichnet: „Da wusste ich, was ich für den Rest meines Lebens zu tun hatte: stolpern, ausrutschen, hinfallen.“ Die glückliche Begegnung als 19-Jähriger mit Dean Martin führte zum Durchbruch, in zehnjähriger gemeinsamer Arbeit drehten sie neben ihren Bühnenshows 16 Filme, bevor es zur Trennung kam. Seine ikonisches Image hatte Jerry Lewis damals schon entwickelt: Neben dem gutaussehenden, coolen Dean Martin gab er das kindlich-unschuldige Gemüt, das irr-delirierend nur durch seine bloße Anwesenheit nicht anders kann, als Katastrophen auszulösen. In seinem Performancestil verbinden sich Mimik, Körpersprache und Stimmlage in obsessiver Intensität, in dem Unerwartetes und Unterdrücktes oft explosionsartig hervorbrechen. Den abrupten Änderungen der Stimme und Sprechweise, des Verhaltens und der Körpersprache entsprechen die Vervielfältigungen und Wechsel der Persönlichkeit, die er in seinen Filmen oft durchspielt, indem er in etwa mehrere Personen verkörpert oder sich mithilfe eines Tranks in einen anderen verwandelt. Seine Filme sind aber mehr als eine reine Abfolge von oft absurden Gags: Nicht selten gleiten sie in den schieren Wahnsinn ab, weisen satirische Beobachtungen vor allem des Showbusiness und Starkultes auf und entlarven den eigenen Illusionscharakter. Der so eigenwillige wie originelle Umgang mit Ton, Farbe und Dekors brachte Jerry Lewis Bewunderung vor allem der französischen Filmkritik ein. Ab 1960 inszenierte sich Jerry Lewis selbst, hielt als Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Schauspieler in Personalunion die künstlerische Kontrolle in eigenen Händen – der „total filmmaker“ war geboren. Wir zeigen vor und nach der Berlinale eine kleine Auswahl von acht Filmen mit und teils von Jerry Lewis.

februar 2019, kino arsenal

Werkschau Ludwig Wüst

Der unabhängige Filmemacher Ludwig Wüst (*1965) hat in den vergangenen 16 Jahren ein Werk geschaffen, das nicht nur innerhalb des österreichischen Kinos eine Ausnahmestellung einnimmt. Wüsts Filme brechen radikal mit Sehgewohnheiten und zeichnen sich durch die Konzentration auf grundlegende menschliche Befindlichkeiten aus. In der Oberpfalz geboren, absolvierte er eine Ausbildung zum Tischler, siedelte dann nach Wien um, studierte Schauspiel und Gesang. Seine künstlerische Karriere begann am Theater und er machte sich durch seine radikal direkte Behandlung erotischer und gesellschaftlich tabuisierter Themen bald einen Namen. Diese Herkunft vom Theater prägt auch seine Filme: Sie suchen nach ungefilterten Emotionen, nach Körperlichkeit und einer kraftvollen Sprache, dargeboten von herausragenden Schauspieler*innen. Ferner hat Wüst sich auch einen festen Stamm von Partnern hinter der Kamera aufgebaut, allen voran der Kameramann Klemens Koscher begleitet ihn seit seinen filmischen Anfängen. „Die Unbedingtheit von Wüsts obsessivem Werk – bei seinen Filmen ist in jeder Einstellung das leider rar gewordene Bedürfnis zu spüren, dass sie schlichtweg gemacht werden mussten – paart sich mit seinem ausgeprägten cineastischen Bewusstsein: Auch wo er auf scheinbar simple ‚dokumentarische‘ Mittel zurückgreift, verrät die Umsetzung erstaunliche Reflexionsgabe.“ (Christoph Huber)

Das Arsenal zeigt eine umfassende Auswahl aus seinem filmischen Werk, seiner „Guerilla-Filmarbeit“ (Ludwig Wüst). Ludwig Wüst wird an allen drei Abenden zu Gast sein und über seine Filme sprechen.