Januar 2022, kino arsenal

arsenal 3: Zu Amos Vogel // Ergänzungen zu Dario Argento und David Lynch

Marica und Amos Vogel in FILM AS A SUBVERSIVE ART: AMOS VOGEL AND CINEMA 16, 2003

Komplementär zur Hommage an den New Yorker Filmkurator Amos Vogel sind im Januar auf arsenal 3 zwei Filme zu sehen, von denen einer direkt, der andere indirekt Vogels Biografie berührt. Außerdem zeigen wit ergänzend zum Hauptprogramm im Dezembernoch bis Ende Januar auf der zwei Langfilme und sechs kürzere Arbeiten, die mit dem Schaffen der Regisseure Dario Argento und David Lynch korrespondieren.

Komplementär zur Hommage an den New Yorker Filmkurator Amos Vogel sind auf arsenal 3 zwei Filme zu sehen, von denen einer direkt, der andere indirekt Vogels Biografie berührt: Paul Cronins FILM AS A SUBVERSIVE ART: AMOS VOGEL AND CINEMA 16 (GB 2003) und ТНЕ LAST KLEZMER: LEOPOLD KOZLOWSKI – HIS LIFE AND HIS MUSIC (USA 1993) von Yale Strom. Als österreichischer Emigrant, der auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus 1938 in die USA kam, sowie als Zeitzeuge des amerikanischen Nachkriegsfilms stand Vogel wiederholt vor einer Kamera. Cronins Film ist jedoch das einzige ihm gewidmete Porträt. Der Titel benennt Hauptmomente des Lebenswerks: das 1974 erschienene Buch „Film as a Subversive Art“ und die Film Society Cinema 16, die Vogel mit seiner Frau Marcia 1947 gegründet hatte und die zu einer Wiege der US-amerikanischen Experimentalfilm-Bewegung wurde. Cronin besucht die Vogels in ihrer Wohnung am Washington Square Park, wo ihre gemeinsame Geschichte archiviert ist. Auch die historischen Orte liegen in Fußweite: Gemeinsam mit dem früheren Mitarbeiter Jack Goelman besuchen sie die legendäre Hauptspielstätte des Filmclubs, das 1.600 Zuschauer fassende Auditorium der Needle Trades High School, wo ein monumentales Wandgemälde die Geschichte der US-amerikanischen Arbeiterbewegung darstellt.
Im Forum 1994 war Amos Vogel einer der Juroren für den Wolfgang-Staudte-Preis. Die Laudatio auf den Preisträger Ladoni (Artur Aristakisjan, UdSSR 1994) nahm er zum Anlass, seine Sympathien für einen weiteren Film in Worte zu fassen: „ТНЕ LAST KLEZMER by Yale Strom: a deceptively simple film; in actuality, a profound human statement that reveals the complexities of life in our wonderful, murderous century; not a film about Klezmer music (that haunting, beautiful music played at Jewish weddings and ceremonies), but a film about death and tears, about return and loss, a film more educational and truthful than Schindler’s List, a film which disrupts the stereotypes of Poles, Jews, Ukrainians, and last but not least, Germans.“
 

ERGÄNZUNGEN ZU DARIO ARGENTO UND DAVID LYNCH
Das Werk beider steht in der Tradition des experimentellen und surrealistischen Kinos. Manche Stilmittel, die bei ihnen prominent vorkommen (etwa fetischisierende, irreal vergrößerte Nahaufnahmen oder visuelle Verzerrungen), finden sich -bereits im Kino der 20er und 40er Jahre. Hans Richters FILMSTUDIE (Deutschland 1926) kontrastiert geometrische Flächen, Linien und abstrakte Formen mit ähnlich gestalteten realen Gegenständen wie einem Augapfel oder einem Kopf. In VORMITTAGSSPUK (Deutschland 1928) rebellieren Alltagsobjekte gegen den Menschen und die alltägliche Routine. Maya Derens Meisterwerk MESHES OF THE AFTERNOON (USA 1943) erzeugt seine unheimliche Stimmung u.a. durch eine subjektive, Räume durchschreitende Kamera, ein spätestens in den 70er Jahren für das Horrorkino essentielles Stilmittel. Detailaufnahmen eines Messers nehmen ein archetypisches visuelles Mittel des Giallo vorweg. In FACE I AND II (BRD 1969) löst Ludwig Schönherr durch gegensätzlich angeordnete Einzelbildaufnahmen des Gesichts von Beatrice „Trixie“ Cordua eine visuelle Identität auf. WHICH IS WITCH (Marie Losier, F 2020) zeigt drei Hexenschwestern in einem bunten und surrealen Märchen. DARK ADAPTATION (Kanada 2016) von Chris Gehman schafft durch Experimente mit Farbe und optischen Techniken einzigartige visuelle Eindrücke. Der Langfilm NIGHT PASSAGE (Trinh T. Minh-ha, USA 2004) erzählt von drei Freunden, die sich auf eine spirituelle Reise in das Zwischenreich von Leben und Tod begeben und in sinnliche Traumlandschaften gelangen.