April 2010, kino arsenal

filmPOLSKA 2010 – Kamerakunst

ISTNIENIE, 2007

Die Kameramänner Sławomir Idziak (geb. 1945) und Marcin Koszałka (geb. 1970) stehen im Mittelpunkt unserer Hommage im Rahmen des Festivals des polnischen Films in Berlin, filmPOLSKA. Anhand von Filmen und Gesprächen möchten wir einen Eindruck der Bandbreite des Schaffens und der Arbeitsweise der beiden DoPs geben.
Sławomir Idziak gehört zu den international gefragtesten Kameraleuten. Er studierte an der Filmhochschule Łódź, arbeitete zunächst mit Kieślowski, Wajda und Zanussi und erlangte schnell internationale Anerkennung. Verschiedene Projekte führten ihn in die BRD, wo er Filme mit Hark Bohm und Detlev Buck drehte, später nach Frankreich und in die USA. Stellvertretend für seine zahlreichen Auszeichnungen sei die Oscar-Nominierung für seine Kameraführung in BLACK HAWK DOWN erwähnt. Idziak gilt als Virtuose der Farbgebung und der Filter, der selbstbewusst in Bilder eingreift und dessen Kamera eine verblüffende, oft schockierende Nähe zu den Dingen sucht.
Marcin Koszałka studierte Kamera an der Filmhochschule Katowice. Neben seiner Arbeit als Kameramann dreht er seit Ende der 90er Jahre Dokumentarfilme, die u.a. auf den Festivals von Berlin und Leipzig prämiert wurden. Für seine Kameraarbeit in REWERS wurde er auf dem Polnischen Filmfestival in Gdynia mit dem Preis für die beste Kameraführung ausgezeichnet.

TROIS COULEURS: BLEU (Drei Farben: Blau, Krzysztof Kieślowski, Kamera: Sławomir Idziak, PL / F 1993, 15.4., Einführung: Kornel Miglus, zu Gast: Sławomir Idziak) Seine reiche Erfahrung mit Farbgebung, Verschiebung und Variationen von Farbwerten bringt Idziak auch in Kieślowskis zweite französisch-polnische Koproduktion ein. Thematisch um den Begriff der Freiheit kreisend, zeigt der Film den Versuch einer jungen Frau, nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Tochter eine neue Existenz aufzubauen.

ROK SPOKOJNEGO SŁOŃCA (The Year of the Quiet Sun, Krzysztof Zanussi, Kamera: Sławomir Idziak, Polen / USA / BRD 1984, 17.4.) Eine unmögliche Liebe im Warschau des Jahres 1946: Emilia, eine junge polnische Witwe und Norman, ein amerikanischer Soldat, treffen und verlieben sich. Atmosphärisch dicht und nuancenreich entwickelt der Film eine Geschichte von Pflicht, Opfer und Verzicht.

BLACK HAWK DOWN (Ridley Scott, Kamera: Sławomir Idziak, USA 2001, 17.4.) Bei dem Versuch, somalische Funktionäre in der Hauptstadt Mogadischu gefangen zu nehmen, werden zwei ameri-kanische Helikopter (Black Hawks) abgeschossen. Die entsandte Rettungseinheit gerät in einen aussichtslosen Straßenkampf. Der in Grün-Gelb-Tönen gehaltene, kontrovers diskutierte Kriegsfilm zeigt den vollkommenen Kontrollverlust militärischer Einheiten.

SENNOSC (Lethargie, Magdalena Piekorz, Kamera: Marcin Koszałka, Polen 2008; Einführung: Kornel Miglus, zu Gast: Marcin Koszałka, 19.4.) Aus unerklärlichen Gründen leidet die Schauspielerin Rosa an der Schlafkrankheit und ist seither an ihr Haus gefesselt. Adam, ein junger schwuler Arzt, wird mit den Erwartungen seiner streng gläubigen Eltern und den Diskriminierungen seiner Umgebung konfrontiert. Einst gefeiert und umjubelt, ist der Schriftsteller Robert nicht mehr in der Lage, ein einziges Wort zu Papier zu bringen. SENNOSC erzählt von Menschen, deren Leben durch das Gefühl der Leere und des Unerfülltseins geprägt ist. Als sich ihre Wege kreuzen, erwachen sie plötzlich aus ihrer geistigen Ohnmacht.

Als Beispiele seiner Regiearbeit zeigen wir drei Dokumentarfilme von Marcin Koszałka: CAŁY DZIEŃ RAZEM (All Day Together, Polen 2006, 19.4.) Warten auf Frau Otake: Zwei wohlmeinende, polnische Filmemacher scheitern in ihrem Versuch, ein Porträt der quicklebendigen, dabei unnahbaren 70-jährigen Frau Otake zu drehen. TAKIEGO PIĘKNEGO SYNA URODZIŁAM (Such a Nice Boy I Gave Birth To, Polen 2000, 19.4.) ist Koszałkas "Porträt" seiner Mutter, die weder an ihm noch an seinem Vater ein gutes Haar lässt. DO BÓLU (Till it Hurts, Polen 2008, 19.4., in Anwesenheit von Marcin Koszałka) Zwischen Zerrüttung und Zärtlichkeit entfaltet sich die ganze Tragik einer grenzenlosen Mutter-Sohn-Beziehung.

ISTNIENIE (Existence, Marcin Koszałka, Polen 2007, 20.4.) Schonungsloses Dokument über den Prozess der Aufbewahrung und Wiederverwertung des menschlichen Körpers. Ein 80-jähriger Schauspieler beschließt, seinen Körper nach dem Tod der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen.