Oktober 2007, kino arsenal

Work in Progress

Nach 18 Monaten Laufzeit findet das von den Freunden der Deutschen Kinemathek e.V. im Programm "Arbeit in Zukunft" der Kulturstiftung des Bundes durchgeführte Projekt "Work in Progress" nun seinen Abschluss: mit einem Kurzfilmprogramm, dem Vortrag "The Controlling Image: Macht des Films. Macht der Arbeit" des New Yorker Filmemachers Eric Breitbart sowie, als Höhepunkt des Abends, der Präsentation des Buchs "Work in Progress – Kinematografien der Arbeit". Der Titel ist doppeltes Synonym für die Prozesshaftigkeit der Arbeitsgesellschaft und der kinematografischen Bestandsaufnahme. Das Buch umfasst die Kapitel Theorie, Kinopraxis sowie einen Filmindex und ist ein Nachschlagewerk für über 400 Filme aller Genres und Formate. Sie zeigen den Wandel der Arbeitsgesellschaft in dokumentarischen, künstlerischen und fiktionalen Bildern, aufgenommen in allen Kontinenten. Eine Reise quer durch die aktuelle Landschaft der kulturellen Kinoarbeit in Deutschland macht an 36 Orten Halt, in denen Filmprogramme im Rahmen von Work in Progress gezeigt wurden. Zu Wort kommen die KinomacherInnen bei ihrer – oft ehrenamtlichen – Arbeit hinter den Leinwänden, von Hamburg bis Bad Tölz, von Köln bis Görlitz. Diese Hommage an die Kinoarbeit wird ergänzt durch Texte, die aus filmtheoretischer Sicht das Spannungsfeld von Film, Kino und Arbeit untersuchen. Unser Dank gilt allen am Projekt Beteiligten, vor allem den Kinos, den KuratorInnen sowie den freien Initiativen und Gruppen. Zum Kurzfilmprogramm: Nachdem nun bundesweit auf über 50 Leinwänden Menschen bei der Arbeit beobachtet wurden, dreht Paulette Phillips' Referenz an Arbeiter verlassen die Fabrik mit dem Titel CROSSTALK (Kanada 2004), den Spieß um: Die arbeitende Bevölkerung sieht uns an. Auf ihrem Weg von oder zur Arbeit gibt es ein Moment zwischen privat und öffentlich. Um diesen Moment einzufangen, musste Paulette Phillips sich mit der Kamera auf einer Straßenkreuzung positionieren. Grund genug für die eilende Masse, innezuhalten und die Künstlerin bei der Arbeit zu betrachten. Ihre Berufsgruppe steht dann auch im Mittelpunkt der Videoarbeit DIE AUSSTELLUNG von Juliane Zelwies, einer Hommage an die alte Idee der Kulturförderung. Die Welten des Sponsorings und der künstlerischen Praxis versuchen sich zu verbünden. Was für den einen Prestigegewinn bedeutet, ist für den anderen eine glamourös ausgestattete Zwangsheirat. Mit seinen endlosen Großaufnahmen von Knöpfen, Schaltern und Kontrolltafeln und weiblichen Hollywoodstimmen führt dann auch MANUAL (Christoph Girardet, Matthias Mueller, D 2002) die Idee der einfachen Handhabbarkeit des Lebens ad absurdum. Auch WIRKUNGSWEISE TRENNENDER WERKZEUGE von Meggie Schneider ist eine Collage aus Bild und Ton, bestehend aus Lehrfilmmaterial aus den 70er Jahren der DDR, sowie dem kurzen Stück Zelluloid, das zum Einfädeln des Films benötigt wird. Ein Mädchen und ein Junge geben sich mechanischen Arbeiten hin, kommentiert von monotonen Frauen- und Männerstimmen. So wie bei der Bearbeitung der Werkstücke die Späne fallen, materialisiert der Film die innere Projektion der Arbeitenden in Bruchstücken des Zelluloids. Zum Abschluss wird in THE HONG KONG SHOWCASE der Blick des Zuschauers – im Gegenschuss zu CROSSTALK wieder zurück auf die Leinwand gelenkt, – um über die Schulter von Michael Brynntrup in einem Schaufenster einen Menschen bei der Arbeit zu beobachten. (4.10.)