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Alf Bold: Die Kunst des Programmierens

„Bitte habt noch ein bisschen Geduld, ich muss den Film zu Ende sehen!“ Alf Bold (1946–1993) war zwei Jahrzehnte lang Mitarbeiter des Arsenal und einer der wichtigsten Vermittler des Experimentalfilms im deutschsprachigen Raum. Der gelernte Kellner arbeitete als Kenner für Neue Musik in einem Plattenladen. Als das Arsenal 1970 seinen ersten Kinosaal in der Welserstraße eröffnete, verkaufte er dort zusätzlich abends die Eintrittskarten, um sich die Filme ansehen zu könne. Das im Foyer wartende Publikum zeigte Verständnis.

Als Autodidakt eignete er sich sein Wissen über Film in einem langen Prozess des Sehens, Fragens und Zuhörens an. Zu seinen Mentor*innen zählten in jener Zeit vor allem Erika und Ulrich Gregor. Sein kuratorisches Gespür, das er schnell entwickelte, beruhte auf seinen Erfahrungen – und seiner Liebe zu Musik.

Bereits in den frühen 1970er Jahren erkannte Bold einen besonderen Handlungsbedarf in der Vermittlung des Experimentalfilms. Neben dem Arsenal richtete er einen kleinen 16-mm-Vorführraum ein, in dem er montags die Reihe „Avantgarde im Arsenal 2" präsentierte. Sorgfältig stellte er dafür Programme zusammen, die die Entwicklung des Mediums reflektierten, den Avantgarde-Begriff aber niemals auf die Formensprache reduzierten. Gesellschaftliche Emanzipationsbewegungen, die in der Sprache des Kinos neuen Ausdruck finden konnten, bildeten sich gleichermaßen darin ab. Verglichen mit anderen Experimentalfilm-Programmen jener Zeit finden sich in den Programmen von Alf Bold auffallend viele Filme von Frauen.

1982 leitete Bold für ein Jahr das Programm des Collective for Living Cinema in New York, wo er seine Beziehungen zur internationalen Avantgarde- und Undergroundszene vertiefte und gleichzeitig die Arsenal-Filmsammlung um diesen Schwerpunkt erweiterte.

Was ihn als Kurator auszeichnete, war eine konsequente Undogmatik: Hierarchien zwischen den Genres kannte er nicht, er setzte sich mit gleicher Ernsthaftigkeit für den Experimentalfilm wie für den Dokumentar- und Spielfilm ein. Er programmierte Filme mit einem ausgeprägten Sinn für Rhythmus und für die Wirkung, die sie gemeinsam entfalteten, wenn sie aufeinander folgten. Seine langen Abendveranstaltungen, bei denen er – gewappnet mit 16-mm-Filmen und einem mobilen 16-mm-Projektor - spontan auf die Stimmung im Saal reagierte, wurden legendär.

Alf Bold wohnte in Schöneberg dem Arsenal gegenüber, um täglich dort sein zu können – in einem Film von Warren Sonbert (diesen Monat auch im Programm Condition Report) sieht man ihn vor seinem Haus stehend. Er besuchte aber auch regelmäßig die Philharmonie und die Berliner Theaterlandschaft, reiste zu Konzerten oder tourte mit Filmprogrammen durch die Welt. Sein breit gestreutes Umfeld gestaltete er als freundschaftliches und familiäres Netzwerk. So hat er Cameo-Auftritte in Filmen von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, Ulrike Ottinger, Stewart Sherman, Rudolf Thome und Christian Ziewer. Jill Godmilow widmete ihm ihren Film Roy Cohn/Jack Smith, sein Name taucht in zahlreichen Abspännen des unabhängigen Kinos jener Zeit auf. Eine Fotografie von Annie Leibovitz zeigt ihn 1992 im Augusta-Viktoria-Krankenhaus. Besonders nah erscheint er in Bildern von Nan Goldin, die ihn bis zum Schluss begleitete. 

Alf Bold starb 1993 an den Folgen von AIDS. Am 23. Juli wäre er 80 Jahre alt geworden. Das dreitägige Programm, das ihm gewidmet ist, enthält ausschließlich Analog-Kopien von Filmen aus dem Archiv des Arsenal, die durch sein Wirken Eingang in die Sammlung fanden oder eine besondere Verbundenheit zu seiner Person ausdrücken. Naturgemäß kann es sich dabei nur um eine Auswahl handeln.
(Stefanie Schulte Strathaus)

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