„I am not a feminist, I am just a revolutionary!“ (Keiko Kishi) Es gibt nichts zu relativieren: Revolutionär ist das richtige Wort, um den gewagten Schritt der drei Starschauspielerinnen Ineko Arima (*1932), Keiko Kishi (1932–2026) und Yoshiko Kuga (1931–2024) zu beschreiben, die Mitte der 50er Jahre zunächst eine Interessensvereinigung für Schauspielerinnen und später eine eigene Produktionsfirma gründeten. Hinter dem langen offiziellen Namen – Bungei Purodakushon Ninjin-Kurabu (dt.: Die literarische Produktion Ninjin Club) – stecken ein großes Netzwerk von Literaten und Filmschaffenden und drängende Anliegen: künstlerische Unabhängigkeit, bessere Arbeitsbedingungen, anspruchsvollere Rollen und Filme – für Frauen. Innerhalb des rigiden, streng hierarchisch ausgerichteten, patriarchalen japanischen Studiosystems der 50er und 60er Jahre, das für Schauspielerinnen ein traditionelles Frauenbild vorsah und ihnen Positionen hinter der Kamera weitestgehend verwehrte, war dieses Zeichen der Selbstermächtigung politisch und gesellschaftlich ein geradezu unerhörtes Ereignis.
Umso erstaunlicher ist, dass der Ninjin Club selbst in der japanischen Filmgeschichtsschreibung kaum Erwähnung findet, geschweige denn Würdigung erfährt. Einmal mehr, da der Ninjin Club in den auf die Gründung folgenden zehn Jahren mit der Produktion von Filmen von u.a. Masaki Kobayashi, Susumu Hani oder Kinuyo Tanaka ambitionierte künstlerische Handschriften, neue Strömungen und nicht zuletzt differenziertere Frauenrollen im japanischen Kino förderte. „Just revolutionary – Die Filme des Ninjin Clubs“ füllt diese Wahrnehmungslücke mit einem umfangreichen Programm, das sowohl das Produktionsportfolio des Ninjin Clubs beleuchtet als auch die Karrieren der berühmten, überaus vielseitigen Schauspielerinnen anhand ausgewählter Filme skizziert. Anhand von 20 Filmen aus den Jahren 1953 bis 1964, viele davon im 35-mm-Format und zum Teil äußert selten in Berlin zu sehen, entsteht ein perspektivenreicher Blick auf das japanische Kino zwischen Tradition und Moderne, auf ein sich nachhaltig wandelndes Frauenbild und eine Gesellschaft im nicht aufzuhaltenden Umbruch. (Milena Gregor)
Das Programm wird gefördert vom Hauptstadtkulturfonds. Es ist eine Zusammenarbeit mit der Japan Foundation (Köln und Tokio) sowie dem National Film Archive of Japan. Ein großer Dank gilt Kayo Adachi-Rabe und Kanako Hayashi für die umfassende kuratorische Beratung.
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