Von 1963 bis 1970 war es nomadisch unterwegs, anschließend 30 Jahre lang in einer ruhigen Wohngegend in einem historischen Kino fest beheimatet, dann wurde es für 25 Jahre mit dem Filmhaus Teil der Nachwende-Utopie Potsdamer Platz. Nun ist das Arsenal im silent green Kulturquartier angekommen, einem denkmalgeschützten ehemaligen Krematorium, das zu einem Ort für Film- und Musikprojekte herangewachsen ist. Schon 2015 zog das heutige Arsenal Filminstitut mit seinem Archiv hier ein, zehn Jahre später folgten die Büroräume in ein Wohnhaus gegenüber – und nun der neue Kinosaal in eine der ehemaligen Trauerhallen.
In seiner Geschichte hat sich das Arsenal stets zwischen privaten und öffentlichen Räumen bewegt. Das Foyer im Schöneberger Altbau-Mietshaus war so überschaubar, dass schon wenige Menschen ein Gefühl von Bedrängtheit hervorrufen konnten, im Sony Center war es dagegen so groß, dass man sich auch bei Ansammlungen seiner Einsamkeit bewusst wurde. Saß man hier oder dort im Kinosaal und betrachtete den Film auf der Leinwand, konnte man jedoch die Erfahrung der humanen Verbundenheit in der Dunkelheit erleben, von der Schlüpmann spricht, die das Kino den Vorraum des Politischen nennt. Für viele sind beide Orte mit Erinnerungen mit Kinoerfahrungen verknüpft, die gleichermaßen von Filmerlebnissen wie lebendigen Diskussionen geprägt sind.
Das silent green bietet eine neue Form der Öffentlichkeit: Das Foyer verbindet das Kino durch den Haupteingang Plantagenstraße mit der Nachbarschaft im Wedding, durch den Nebeneingang mit dem Garten des Restaurant MARS und dem Arsenal Filmarchiv. Verbindungen zwischen Außen- und Innenräumen leiten uns von der Straße durch das Kino hin zu den verschiedenen Akteuren der Kultur, die dort angesiedelt sind.
Der dunkel gehaltene Saal bietet Schutz für die Intimität des Schauens, die Erfahrung des Privaten im Kollektiven. Geht das Licht an, entsteht Raum für Austausch und Diskussion, für Meinungs- und Perspektivenvielfalt.
Das Programm Raumgeben bildet den Auftakt zu einer lang angelegten Serie von Film- und Diskussionsveranstaltungen zur Rolle von Kinos und anderen Kulturorten in der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart. Allmonatlich gibt es eine Kooperation mit einer anderen Institution oder Initiative. Den Anfang macht ALFILM, das arabische Filmfestival in Berlin, das aufgrund der Baumaßnahmen in diesem Jahr nicht im Arsenal stattfinden konnte, mit dem Film HABIBI HUSSEIN. Der Titel der Reihe ist einem Buch von Heide Schlüpmann entliehen: Raumgeben – der Film dem Kino. (Stefanie Schulte Strathaus)
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