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Scattered Bodies of Cinema

Kurzfilmprogramm
Logo in verschiedenen Blautönen und schwarz des Festivals Archival Assembly, mit dem Titel "Archive, otherwise", dem Datum und Ort.

So 27.09.
11:45

  • Kino

    Arsenal

    zu dem Kalender
  • Einführung: Nikolaus Pernezky, Cecilia Valenti

Das Kurzfilmprogramm thematisiert die ungleichen Infrastrukturen des globalen Archivsystems, die bestimmen, was überdauert, was unzugänglich bleibt und was verloren geht.

Im Jahr 1967 wurde Ahmed Bouanani in die Archivabteilung des Centre Cinématographique Marocain (CCM) versetzt, was ihn faktisch an der Regiearbeit hinderte. Er sammelte und ordnete von den Franzosen hinterlassenes Material und begann heimlich mit der Arbeit an THAKIRAH ARBA'AT 'ASHAR; der Film besteht vollständig aus Archivaufnahmen und zeichnet die Geschichte Marokkos von der Kolonialisierung bis zur Gegenwart nach.

J'AI RENCONTRÉ L'ARBRE À PAIN (I Found the Breadfruit Tree), die vierte Folge der französischen Fernsehreihe Botaniques, wurde in Puerto Limón (Costa Rica) gedreht. Indem der Film den Brotfruchtbaum und dessen Geschichte der durch Sklaverei erzwungenen Migration in den Mittelpunkt stellt, rückt er die Kämpfe um den Besitz von Gemeingütern (Commons) in den Vordergrund. Die diasporische Geschichte des Baums spiegelt die materielle Beschaffenheit von Sarmientos Exil-Filmarchiv wider, dessen Fragmente das bilden, was Elizabeth Ramírez-Soto als ”scattered body” bezeichnet. In THE FLOWERS STAND SILENTLY, WITNESSING stößt der griechisch-libanesisch-palästinensische Filmemacher Theo Panagopoulos im audiovisuellen Archiv der National Library of Scotland auf eine Sammlung von Bewegtbildern aus der Zeit des britischen Mandats. Die Notwendigkeit, für den Zugang zu bezahlen, offenbart die ungleichen Eigentumsverhältnisse, durch die ein palästinensischer Filmemacher gezwungen ist, Bilder seiner Heimat von einem imperialen Archiv zurückzukaufen.

Filme:

THAKIRAH ARBA'AT 'ASHAR(Mémoire 14), R: Ahmed Bouanani, Marokko 1971, DCP, 24 Min., OmeU
J'AI RENCONTRÉ L'ARBRE À PAIN (I Found the Breadfruit Tree), R: Valeria Sarmiento, Costa Rica, Frankreich 1982, 7 Min., DCP, OmeU 
THE FLOWERS STAND SILENTLY, WITNESSING, R: Theo Panagopoulos, UK 2024, 17 Min. DCP, OmeU

Nikolaus Perneczky ist Teaching Associate bei Cambridge Digital Humanities. Als Film- und Medienwissenschaftler sowie Kurator beschäftigt er sich in seiner Arbeit mit audiovisuellem Kulturerbe, Archivverwaltung und Medieninfrastrukturen in ungleichen globalen Kontexten, die durch koloniale Hinterlassenschaften und zeitgenössische Ungleichheiten geprägt sind. Seine Arbeiten wurden unter anderem in Black Camera (2022), Public (2025) und Feminist Media Histories (2026) veröffentlicht. Zusammen mit Cecilia Valenti ist er Mitherausgeber von Restitution and the Moving Image (Routledge, 2026).

Cecilia Valenti ist seit Oktober 2022 Juniorprofessorin für Film- und Medienwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen ein Artikel über Ateyyat Al Abnoudy und transnationale Koproduktionen im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen (2025) sowie ein Artikel über militante Filmmanifeste der 1930er Workers Film and Photo League (2025). Derzeit arbeitet sie an einem Buch über globalkritische Perspektiven auf Fernseh- und Filmkoproduktionen. Zusammen mit Nikolaus Perneczky ist sie Mitherausgeberin von Restitution and the Moving Image (Routledge, 2026).

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