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Die frühen Filme von Ahmed Bouanani

Mo 28.09.
11:45

  • Regie

    Ahmed Bouanani

  • Marokko / 1966-1973 Digital file

  • Kino

    Arsenal

    zu dem Kalender
  • Zu Gast: Touda Bouanani

Was bedeutet es, das Werk eines anderen Menschen zu erben und die Verantwortung dafür zu tragen? Es bedeutet, das Vorhandene zu erkennen, zu bewahren und weiterzugeben und zugleich nach dem zu suchen, was wir noch nicht kennen.

Nach seinem Studium am IDHEC (Institut des Hautes Études Cinématographiques) in Paris (1961–1963), wo er sich auf Drehbuch und Schnitt spezialisierte, trat der marokkanische Filmregisseur, Dichter und Schriftsteller Ahmed Bouanani in das Centre cinématographique marocain (CCM) ein – eine Institution, die 1944 während des Protektorats gegründet und nach der Unabhängigkeit von Marokko beibehalten worden war. Ursprünglich war das CCM nicht für die Produktion von Kinofilmen vorgesehen; vielmehr erfüllte es Aufträge verschiedener Ministerien und produzierte die Wochenschau-Reihe Actualités marocaines, die in den Kinos gezeigt wurde.

In diesem Rahmen produzierten junge marokkanische Filmemacher – unter Rückgriff auf das Budget der Actualités – anonym Kurzfilme für Formate wie Vu pour vous. In diesem Kontext entstand 1973 Bouananis Film PETITE HISTOIRE EN MARGE DU CINÉMATOGRAPHE über den Filmemacher, -techniker und Produzenten Mohamed Osfour. Der Film wurde auch unabhängig von der Wochenschau gezeigt und im Rahmen von Präsentationen über Mohamed Osfour vorgeführt.

LA CRÉATURE (1972) wird in Ahmed Bouananis Buch La Septième porte, une histoire du cinéma au Maroc de 1907 à 1986 erwähnt und es existieren Fotos von den Dreharbeiten. Doch entdeckt und gesichtet haben wir ihn erst 2012, nach dem Tod meines Vaters. Der Film zeugt von Ahmed Bouananis tiefer Faszination für phantastische Literatur und das phantastische Kino.

Durch einen Artikel in der Zeitung Le Petit Marocain erfuhren wir von einem weiteren Film, den Bouanani 1966 gedreht hatte: BONNE ANNÉE. Wir begaben uns auf die Suche und wurden schließlich im Centre cinématographique marocain fündig. Dieser Kurzfilm ist von Spionagefilmen inspiriert; zudem übernahmen Techniker des Centre cinématographique marocain darin schauspielerische Rollen.

TARFAYA OU LA MARCHE D’UN POÈTE (1966) ist ein im Auftrag eines Ministeriums entstandener Film über Tarfaya – eine Provinz der Spanischen Sahara und eine Stadt, die 1958 in Marokko eingegliedert wurde. Es ist ein Hybridfilm irgendwo zwischen Auftragsarbeit und der poetischen Suche eines jungen Mannes. (Touda Bouanani)

Filme:

BONNE ANNÉE, Marokko 1966, 8 Min., digital file, OmeU
LA CRÉATURE, Marokko 1972, 9 Min., digital file, OmeU
TARFAYA OU LA MARCHE D’UN POÈTE, Ahmed Bouanani & Mohamed Abderrahmane Tazi, Marokko 1966, 21 Min., digital file, OmeU
PETITE HISTOIRE EN MARGE DU CINÉMATOGRAPHE, Marokko 1973, 7 Min., digital file, OF

Touda Bouanani ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Videokünstlerin. Zusammen mit Ali Essafi, Marie Pierre Bouthier und Léa Morin gründete sie die Archives Bouanani Association, die sich der Bewahrung und Förderung des Werks der Filmemacher Ahmed Bouanani und Naïma Saoudi sowie ihrer Archive widmet, die das Kulturleben in Marokko im Laufe des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung hat die Organisation eine Website und eine Archivbilddatenbank eingerichtet, um diese Materialien einem breiteren Publikum zugänglich zu machen: www.archivesbouanani.org. Außerdem ist sie Mitbegründerin der Intilak Collection.

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