Vom 16. bis 17. Dezember 2005 findet im Roten Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ eine Tagung zum Thema „Tragödie – Trauerspiel – Spektakel“ statt. Aus diesem Anlass zeigen wir drei Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub. Es ist uns eine besondere Freude, Jean-Marie Straub aus diesem Anlass im Arsenal begrüßen zu dürfen.
Die formal streng kontrollierten Werke von Straub und Huillet entfalten gerade in ihrem Verzicht auf Effekte des Erzählkinos maximalen filmischen Reichtum. Dabei ist erzählte Literatur genau die Basis ihres künstlerischen Werkes. Doch wird sie nicht nach verfilmbaren Szenen durchsucht. Straub/Huillet illustrieren nicht und bewahren gerade dadurch die Kraft der Texte, die ihre Grundlage bilden. Deren Spannungen werden ganz aus ihrer Sprache entwickelt. Die Darsteller verkörpern keine Figuren, sondern intonieren den Text, der weder interpretiert noch psychologisiert, sondern in seiner Materialität hervortritt. Dadurch machen sie Texte hörbar und zeigen das Sprechen als körperlichen Vorgang im festen Rahmen einer bestimmten Landschaft. Die fixen Kameraeinstellungen, der Raum und der rezitierte Text gehen dabei eine komplexe Beziehung ein.
ANTIGONE (F/D 1991) präsentiert den Text von Sophokles in der Hölderlinschen Übertragung und der Bearbeitung durch Bertolt Brecht (1948) unter freiem Himmel. Schauplatz für das Drama um Antigone ist eine antike Theaterruine in Sizilien. (15.12. in Anwesenheit von Jean-Marie Straub & 16.12.)
OTHON/ LES YEUX NE VEULENT PAS EN TOUT TEMPS SE FERMER OU PEUT ETRE QU’ON JOUR ROME SE PERMETTRA DE CHOISIR A SON JOUR (Die Augen wollen sich nicht zu jeder Zeit schließen oder Vielleicht eines Tages wird Rom sich erlauben seinerseits zu wählen, BRD/Italien 1970) basiert auf dem selten gespielten Stück „Othon“ von Pierre Corneille (1664). Straub/Huillet inszenierten diesen Film mit Laiendarstellern, die die schwierigen Texte Corneilles in verfremdeter Sprechweise und überschnellem Tempo rezitieren. Er durchbricht die Ebene der Fiktion überdies, indem er die Darsteller zwar in antiken Kostümen, dafür aber vor der sichtbaren Kulisse des heutigen Roms mit seinem brausenden Verkehr agieren lässt. (16. & 17.12.)
Der Tod des Empedokles oder Wenn dann der Erde Grün von neuem Euch erglänzt (BRD/F 1986) nach dem gleichnamigen Trauerspiel in zwei Akten von Friedrich Hölderlin (1798). DER TOD DES EMPEDOKLES (Jean-Marie Straub, Danièle Huillet, BRD 1986) basiert auf einem Trauerspielfragment von Friedrich Hölderlin aus dem Jahre 1798, das auch als Antwort auf die politischen Enttäuschungen der Französischen Revolution verstanden werden kann. Entstanden sind vier Fassungen des gleichen Films: Die erste ist die Berliner, die zweite die Pariser, die dritte die Hamburger und die vierte die römische Fassung. Wir zeigen die Berliner Fassung. (18. & 19.12.)
Eine Veranstaltung im Rahmen des SFB „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ in Zusammenarbeit mit dem Graduiertenkolleg „Mediale Historiographien“ und der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik. Unser Dank gilt Klaus Volkmer.
