Hildegard Knef war nicht nur einer der größten Stars des deutschen Nachkriegskinos, sondern auch eine äußerst vielseitige Künstlerin. Auf die Frage, ob sie nun Schauspielerin oder Sängerin sei, soll sie einmal geantwortet haben: "Ich bin Hildegard Knef." – Nachdem Hildegard Knef zwei Jahre in Hollywood vergeblich auf Rollen wartete, sollte DIE SÜNDERIN (Willi Forst, 1950) ihr Comeback in Deutschland werden. Der Film löste den größten Skandal des deutschen Nachkriegfilms aus, Prostitution, Sterbehilfe und Selbstmord (und eine winzige Nacktszene) empörten die Moralisten, so dass der Film mehr Aufmerksamkeit erhielt als erhofft und zu einem riesigen Erfolg wurde. Hildegard Knef spielt in dem Film die junge Marina, die durch die Umstände des Krieges zur Prostituierten geworden ist. In leidenschaftlicher und aufopfernder Liebe ist sie dem armen Maler Alexander zugetan. Als er unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt, leistet sie Sterbehilfe und folgt ihm in den Tod. (1. & 3.4.)
Der österreichische Film DAS GROSSE LIEBESSPIEL (Alfred Weidenmann, 1963) ist eine "Reigen"-Variation, die in zwölf lose verzahnten Episoden flüchtige erotische Beziehungen als Beispiele modernen Liebesersatzes schildert. "Eine Ausnahme unter Knefs Filmen der frühen 1960er bildet DAS GROSSE LIEBESSPIEL (1963), in dem sie als malendes Callgirl und Objekt einer Pennäler-Mutprobe noch einmal all ihre Fähigkeiten präsentieren kann: ihre Singstimme, ihre Souveränität, ihren erwachsenen Sexappeal, mit dem sie besonders die jungen Männer fasziniert, und ihren inzwischen zum Markenzeichen avancierten Stil. Endlich ist die Zeit auf Hildegard Knefs Höhe angekommen." (Daniela Sannwald) (2. & 4.4.)
Einer ihrer letzten Kinofilme war JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN (Alfred Vohrer, BRD 1975) nach dem Roman von Hans Fallada. In dem 1940 in Berlin spielenden Film verliert ein eigentlich unpolitisches Handwerkerehepaar den einzigen Sohn an der Front. Mit der Unmenschlichkeit des NS-Regimes konfrontiert, beginnen sie mit bescheidenen Mitteln Widerstand zu leisten und verteilen Karten mit dem Aufdruck: "Der Führer hat meinen Sohn ermordet." Von einem Nachbarn denunziert, werden sie vom Volksgerichtshof verurteilt. Friedrich Luft schrieb über die Rolle der Knef: "Sie feiert anhand eines sonst kaum erwähnenswerten Routinefilms einen neuen Triumph. Alle Weinerlichkeit wischt sie souverän hinweg. Jeder spielt für sich allein. Sie aber hält das Spiel, hält diesen ganzen Film sicher zusammen. Das Kino kann wohl doch nicht mehr auf sie verzichten. Man gebe ihr Aufgaben." (5.4.)
Hildegard Knef, "the greatest singer without a voice", hatte schon in mehreren Filmen gesungen, bevor sie ab 1954 für eineinhalb Jahre nach New York ging, um im Broadway-Musical "Silk Stockings" von Cole Parter die weibliche Hauptrolle der Ninotschka zu singen und zu spielen. 1962, zu einer Zeit, als die angebotenen Filmrollen sie kaum noch befriedigen konnten, nahm sie ihre erste Platte auf. Mit ihrer dunklen, spröden Stimme und den stilsicher vorgetragenen Klassikern und Chansons, zu denen sie bald eigene Texte beisteuerte, machte sie schnell Furore und läutete eine jahrzehntelange Karriere als Sängerin ein. Wir zeigen DIE KNEF, eine Konzertaufnahme in der Berliner Philharmonie aus dem Jahr 1968, als die Sängerin Hildegard Knef auf der Höhe ihrer Kunst war. (8.4.)
Noch bis zum 17. April ist im Filmmuseum Berlin die Sonderausstellung "Hildegard Knef. Eine Künstlerin aus Deutschland" zu sehen. Eine Filmreihe im Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Berlin. Dank an das Ausstellungsbüro.

