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Auch wenn die RAF ihr eigenes Ende offiziell 1998 verkündet hat, ist diese längst noch nicht "tot", sondern wirkt bis heute nach. Bei zahlreichen Schriftstellern, Künstlern und Filmemachern ist ein Interesse an der RAF, ihrer Geschichte und an den mythischen Legenden, die um Baader-Meinhof-Ensslin bestehen, zu bemerken. Dies mag zum einen damit zusammenhängen, dass mit dem Aufkommen eines globalen Terrorismus, wie er sich in den Anschlägen des 11. Septembers manifestiert hat, ein unmittelbarer Vergleich nahe liegt. Zum anderen hat es sicherlich auch damit zu tun, dass die Kinder der RAF bzw. 68er-Generation mittlerweile in dem Alter sind, wo ein kritischer Rückblick auf ihre Eltern, deren Ziele, Ideale und Utopien angebracht erscheint. Wir begleiten das von Alexandra Tacke und Prof. Dr. Inge Stephan geleitete interdisziplinäre Seminar der Humboldt-Universität zu diesem Thema mit einer Filmreihe, die für alle Interessierten offen ist.

BAMBULE (Eberhard Itzenplitz, Buch: Ulrike Meinhof, BRD 1970) ist eine detailgenaue Anklage der unmenschlichen und autoritären Bedingungen in Erziehungsheimen, über die Ulrike Meinhof jahrelang recherchiert hatte. Die Protagonistinnen sind Mädchen und junge Frauen, die in einem Mädchenheim mit strengen Regeln und sinnlosen Bestrafungen "resozialisiert" werden sollen. Die Mädchen rebellieren, es kommt zum Aufstand, zu Bambule. Zwei junge Frauen können fliehen, eine wird kurze Zeit später wieder aufgespürt. Der Film war eine Fernsehproduktion des SWR und sollte zehn Tage nach der Gefängnisbefreiung Andreas Baaders ausgestrahlt werden, worauf die Sendung abgesetzt wurde. 1994 wurde der Film erstmals im Fernsehen gezeigt. (24.10.)

Die Vorstellung von BAMBULE muss aus rechtlichen Gründen leider ausfallen. Stattdessen zeigen wir BAADER (Christoph Roth, D 2001). Auf die Ereignisse des "Deutschen Herbstes" 1977 – die Entführung und Ermordung des Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Hanns Martin Schleyer, die Geiselbefreiung von Mogadischu sowie den Tod von RAF-Häftlingen in Stammheim – reagierten eine Reihe deutscher Filmemacher mit dem Gemeinschaftswerk DEUTSCHLAND IM HERBST (BRD 1978). Eingebettet in Aufnahmen von den offiziellen Beerdigungsfeierlichkeiten für Schleyer und den Protestaktionen, die das Begräbnis der Häftlinge begleiten, äußern sich die Regisseure auf unterschiedliche Weise in kurzen Dokumentar- und Spielfilmsequenzen zum Geschehen. Der Film ist weder Chronik noch abschließende Erzählung der Geschehnisse, er zeugt von der Ratlosigkeit, Wut und Trauer der Regisseure, die ein oftmals rohes und ungeschminktes Bild zeigen. (31.10.)

Die Reihe wird im November und Dezember fortgesetzt.

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