Direkt zum Seiteninhalt springen

Winnipeg stellt man sich als einen kleinen, sehr verschneiten Ort in Kanada vor. Wer bei der Abschlussparty des diesjährigen Images Festivals in Toronto war, erhielt einen Button mit dem Porträt des 70er Jahre-Sängers Burton Cummings („American Woman“). Cummings gab einem Theater in Winnipeg den Namen. Außerdem weiß man über Winnipeg, dass es im Winter einer der kältesten Orte der Welt ist. Und dass Guy Maddin dort herkommt (eine überfällige Retrospektive ist in Planung). Und kennt man jemanden, der mal in Winnipeg war, weiß man, dass man überrascht wird: Der Ort, von dem man nicht viel erwartet, ist voller Künstler und Filmemacher und entsprechender Aktivitäten. Die dort vor langer Zeit gegründete Winnipeg Film Group ist eine der bekanntesten Film-Coops Kanadas.

Man weiß noch etwas: Winnipeg wurde durch die Inbetriebnahme der Canadian Pacific Railway zu einem Knotenpunkt der kanadischen Eisenbahn. Züge sind etwas sehr Filmisches, durch ihre Bewegung, ihre Stationen und die Erfahrung von Abschied und Erwartung. Bleibt man jedoch während der langen und kalten Winter in Winnipeg, verbringt man seine Zeit am besten im Kino, oder auch mit sich selbst. Und da ist man bei der Identitätssuche, bzw. beim Experimentalfilm, der mediale Ausdrucksformen, also auch sich selbst hinterfragt. Der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher Clive Holden ließ aus all diesen Winnipeg-Erfahrungen einen Filmzyklus entstehen, den wir Dank des European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück nun endlich auch in Berlin präsentieren können: TRAINS OF WINNIPEG – 14 FILM POEMS. Es handelt sich um eine Collage vieler Formate: Super 8, Super 16, 35mm, gefundenes Material auf VHS, bis hin zu den neuesten digitalen Technologien, einschließlich einer ganzen Folge, die mit einer Pentax 430RS pocket camera aufgenommen wurde. Holden kombiniert Film- und Videokunst, Sound Art und Concrete Poetry mit Post-Punk Rock und Webkultur. In seinem aus 14 filmischen Gedichten zusammengesetzten Experimentalfilm beleuchtet er verschiedene Facetten und Stationen seines Lebens. Für den Sohn irischer Einwanderer ist die Suche nach einem Ort und einer damit verbundenen Identität ein zentrales Thema. „Bei der Wahl des Untertitels habe ich mich für den Begriff ‚filmisches Gedicht‘ entschieden. Zuallererst, weil das Wort ‚Lyrik‘ in seiner Geschichte inzwischen ein eigenartiges Stadium erreicht hat. Zum Zweiten unterstützt es das übergeordnete Projekt, mit verschiedenen Präsentationsformen von Lyrik zu experimentieren. Als Drittes und Letztes taucht der Begriff ‚filmisches Gedicht‘ immer wieder in der Geschichte des Kinos auf“ (C. H.). Wir freuen uns, dass Clive Holden anlässlich seiner Filmtournee auch bei uns zu Gast ist. (10.7. mit Diskussion & 11.7.)

Gefördert durch: