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Ousmane Sembène kann nicht nur als hervorragender Filmemacher seiner Heimat Senegal, sondern auch als das bedeutendste filmische Talent ganz Afrikas gelten. Die Schärfe, Klarheit und Unerbittlichkeit seiner Filme, die mit Eleganz und Präzision, auch mit Sinn für Ironie und kinematographische Wirkungen, aber vor allem mit Engagement gemacht sind, hebt sie weit über jeden Durchschnitt hinaus. Sie beschäftigen sich mit der Kolonialgeschichte seines Landes, aber auch mit dessen Gegenwart und sozialen Verhältnissen sowie mit den unheilvollen Kräften der Religion und der aus ihr abgeleiteten Traditionen und Rituale. Verschiedene seiner Filme plädieren insbesondere für die Freiheit und Emanzipation der afrikanischen Frauen. Sie beschreiben Absurditäten des Alltags, demaskieren den Egoismus der Mächtigen und sind flammende Aufrufe zur Befreiung vom kolonialem und religiösen Joch.

Ousmane Sembène (geb. 1923) übte verschiedene Berufe aus, unter anderem war er Dockarbeiter in Marseille, aber auch Schriftsteller, bevor er in Moskau ein Filmstudium absolvierte. Ab 1963 drehte er Filme im Senegal. Bekannt wurde er mit La noire de (1966), der Geschichte eines Dienstmädchens, und Mandabi/Le Mandat (1968), der Groteske um eine Geldanweisung, die nicht abgeholt werden kann, weil der Empfänger keinen Personalausweis besitzt. Es folgten Filme wie Emitai (Gott des Donners, 1972), Xala (1975), Ceddo (1977), Camp de Thiaroye (1987), Faat Kine (2000), Mooladee (2004) und GUELWAAR, der von einem absurden Konflikt zwischen zwei Familien um einen Toten berichtet, der versehentlich auf einem "falschen" Friedhof (dem einer anderen Religion) beerdigt wurde. Wir haben verschiedene Filme von Ousmane Sembène im Internationalen Forum der Berlinale gezeigt und den Regisseur mehrfach bei uns als Gast begrüsst. Auf der Bühne bei Debatten über seine Filme zeigte er Witz, Brillanz, Feuer und Herzlichkeit. Sein letztes Bild: er, pfeiferauchend, majestätisch, im Foyer auf einem Sessel im Hotel Splendid in Cannes. Seine Firma, mit der wir viele Faxe wechselten: "Filmi Domireew" in Yoff/Dakar. Eine seiner Botschaften lautete: "Monsieur, ton fax est illisible." – Ousmane Sembène starb am 9. Juni 2007 im Alter von 84 Jahren in Dakar. Zum Gedenken an den grossen Regisseur zeigen wir GUELWAAR (1992). (25.7.)

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