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1929, am Übergang vom Stumm- zum Tonfilm, erblickte die deutsche Tonfilmoperette das Licht der Welt. Als Live-Musikbegleitung im Kinosaal überflüssig wurde, triumphierte die Musik, nun gebannt auf die Lichttonspur, in den Kinos. Es wurde gesungen und getanzt; dabei waren, der Bühnenoperette ähnlich, Gesang und Musik in den Fluss der Handlung integriert. Die Geschichten waren frivol und komisch, entführten die von Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise geplagten Zuschauer der frühen 30er Jahre in sorglosere Universen. Allerdings wurde der soziale und historische Hintergrund nicht völlig ausgeblendet, so sangen DIE DREI VON DER TANKSTELLE (Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann) 1930: "Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieher, geh'n Se weg, Sie finden nichts bei mir. … Bald wird uns die Stunde schlagen, wo wir nicht mehr Smoking tragen." Diese Offenheit der Tonfilmoperette für Ironisches und Anzügliches machte sie den Nationalsozialisten verhasst. Zudem waren viele ihrer maßgeblichen Protagonisten jüdischer Abstammung, was dazu führte, dass diese spezielle Form des Musikfilms nach 1933 schnell wieder verschwand und dem NS-Revuefilm Platz machen musste.

Das Museum für Film und Fernsehen zeigt ab dem 20.12. bis zum 27.4.08 unter dem Titel "Wenn ich sonntags in mein Kino geh" eine Ausstellung, die sich dem Phänomen der deutschen Tonfilmoperette widmet. Mit vielfältigen Exponaten, in Filmausschnitten und Kinoinstallationen wird die Entwicklung dieser Eigenart des deutschen Musikfilms vor dem historischen Hintergrund der späten Weimarer Republik dargestellt. An neun Abenden werden die populärsten Filme des Genres, wie DIE DREI VON DER TANKSTELLE (Wilhelm Thiele, D 1930; 20.12.) oder DER KONGRESS TANZT (Erik Charell , D 1930; 27.12.), aber auch wiederzuentdeckende Raritäten wie SO EIN MÄDEL VERGISST MAN NICHT, D 1932 von Fritz Kortner (im Januar) gezeigt. (Nils Warnecke)

Eine Veranstaltung der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen.

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