Nur sehr selten finden Filme aus Aserbaidschan den Weg auf europäische Leinwände. Das aserbaidschanische Kino ist hierzulande – von gelegentlichen Festivalvorführungen abgesehen – unsichtbar. Umso mehr freuen wir uns, im Rahmen des Kulturjahres von Aserbaidschan in Deutschland einen kleinen Einblick in die aserbaidschanische Filmproduktion der letzten zwei Jahrzehnte zu geben. Mit dem Ende der Sowjetunion und der neu gewonnenen staatlichen Unabhängigkeit brach die gesamte Infrastruktur der Filmproduktion und Distribution zusammen. Der Anfang der 90er Jahre markiert dennoch eine kurze Blütezeit im aserbaidschanischen Kino: Viele Regisseure gründeten mit Hilfe von privaten Investoren unabhängige Studios. Diese privatwirtschaftliche Unterstützung hielt jedoch nur kurze Zeit an, und nun ist es wieder der Staat, der – mit begrenzten Mitteln – Filmproduktionen unterstützt.
Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit um sie herum ist für die meisten aserbaidschanischen Regisseure zentral: Viele der Filme handeln von den gewaltigen gesellschaftlichen und ökonomischen Umbrüchen, die das Land nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Gang in die Unabhängigkeit ergriffen haben. Auch der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um Bergkarabach und seine Auswirkungen auf den Alltag beschäftigt viele aserbaidschanische Filmemacher. Einen Querverweis möchten wir auch machen auf Boris Barnets 1936 gedrehten Film AM BLAUEN, BLAUEN MEER, eine russisch-aserbaidschanische Koproduktion, die am 6. März im Rahmen unserer Magical History Tour läuft.
Zur Eröffnung am 26. März zeigen wir YARASA (Die Fledermaus, Ayaz Salayev, Aserbaidschan 1994), der 1995 im Rahmen des Forums der Berlinale zu sehen war und als der erste aserbaidschanische Film nach der Unabhängigkeit gilt, der international beachtet wurde. YARASA ist eine mit Humor und Fantasie gesponnene Allegorie auf die Liebe zum Kino und die Unvereinbarkeit der Kunst mit der oftmals hässlichen, aber lebendigen Wirklichkeit. Ein Kunstwissenschaftler und leidenschaftlicher Kinogänger, der blind für das alltägliche Leben ist, verliebt sich in eine Kinokartenverkäuferin. Allerdings verkennt er, dass sie neben ihm noch zahlreiche andere Liebesbeziehungen pflegt. Geschockt vom Aufkommen des Tonfilms, erblindet er und wird von seiner Geliebten gepflegt, ohne sie und ihren Betrug zu durchschauen. "Eines der Hauptthemen meines Films ist der Unterschied zwischen der Kultur, die tot ist, und dem Leben, für das der Atem der Kultur todbringend ist. Dieses Thema ist für die moderne Kultur von grundlegender Bedeutung." (Ayaz Salayev) Der Regisseur Ayaz Salayev studierte in den 80er Jahren an der Moskauer Filmhochschule WGIK und ist Filmwissenschaftler . (26.3., in Anwesenheit von Ayaz Salayev, & 27.3.)
Drei Freundinnen und ein Sommer in Baku stehen im Zentrum von TRI DEWUSCHKI/DREI MÄDCHEN (Murad Ibragimbekov, Aserbaidschan/Russland 2005/2006). Sabina, Plusha und Maya teilen Freud und Leid und vor allem ihr großes Hobby, das Sportschießen. Als drei russische Mafiosi in ihr Leben treten, gerät ihre unbeschwerte Welt ins Wanken. Sie sollen den Männern helfen, ein wertvolles Gemälde aus dem örtlichen Museum zu stehlen, das im 2. Weltkrieg verschwunden und erst kürzlich wiederentdeckt wurde. Das besagte Gemälde wiederum spiegelt in gewisser Weise die drei Mädchen: Auch auf dem Bild sind drei Frauen zu sehen. Auf mysteriöse Weise verbindet sich das Schicksal des Bildes mit dem der drei Mädchen und hilft ihnen schließlich dabei, die Ganoven im richtigen Licht zu sehen und ihnen das Handwerk zu legen. TRI DEWUSCHKI/DREI MÄDCHEN ist eine Parabel über Wahrheit und Lüge, Freundschaft und Verrat, Original und Fälschung und stellt die Frage nach der Identität in einer Welt voll von Fälschungen. Der 1965 in Baku geborene Murad Ibragimbekov studierte an der russischen Filmhochschule WGIK und gilt als eins der größten Regietalente Russlands. Für seine Filme wurde er bei zahlreichen Festivals ausgezeichnet. (28.3. & 2.4.)
GOOD BYE, SOUTHERN CITY (Proshaj, yuzhny gorod, Oleg Safaraliyev, Aserbaidschan 2006 ) spielt im Baku der 80er Jahre, wo die Auswirkungen des beginnenden Zerfalls der Sowjetunion bereits zu spüren sind und erzählt vom Ende herkömmlicher Traditionen in einer Zeit vielfacher Umbrüche. Im Mittelpunkt stehen ein Mietshaus und der Alltag der Menschen, die in ihm leben. Als eines Tages der neue Mieter Fariz einzieht, wird das Sozialgefüge im Haus gestört. Fariz ist ein Flüchtling aus Bergkarabach, wo der Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern eskaliert. Seinen neuen Nachbarn redet er Schuldgefühle wegen ihres angeblich unzureichendem politischen Bewusstseins ein. Tatsächlich aber hat er ganz andere Überzeugungen und ist vor allem auf seinen persönlichen Vorteil bedacht. Der einzige, der es wagt, ihm offen entgegenzustreten, ist Alik, der im Haus als Problemlöser bekannt und geschätzt ist. (31.3. & 4.4.)
Die Filmreihe wird im April fortgesetzt. Eine Veranstaltung im Rahmen des Kulturjahres von Aserbaidschan in Deutschland 2008. Veranstaltet von der Dr. Gabriele Minz Unternehmensberatung Projektentwicklung GmbH im Auftrag des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Republik Aserbaidschan.

