Nachdem im Dezember zwei der bis heute populärsten Tonfilmoperetten gezeigt wurden, geht es im Januar um unbekanntere Filme. Neben der Ufa, die Die Drei von der Tankstelle und Der Kongreß tanzt produzierte, gab es auch kleine Produktionsfirmen, die sich der Herstellung von Tonfilmoperetten widmeten. Die wichtigste und auf diesem Gebiet erfolgreichste war die Berliner Super-Film. Ähnlich wie bei der Ufa setzte man auch hier auf ein erprobtes Team: Der Ungar Géza von Bolváry inszenierte, der Österreicher Robert Stolz komponierte und vor der Kamera sangen und spielten Publikumslieblinge wie Willi Forst.
ZWEI HERZEN IM 3/4 TAKT (Géza von Bolváry, D 1930; 3.1.) war die erste Tonfilmoperette der Super-Film und umreißt das Genre in beinahe all seinen Facetten. Die Musik changiert zwischen Wiener Walzer und synkopierten Schlagern, und die Handlung reicht von Wiener Kitsch bis zu kabarettistischer Komik. Wenn Oskar Karlweis als Operetten-Librettist dem Theaterdirektor die Rolle des blonden Mädels vorspielt und mit Willi Forst zusammen die Triller Girls imitiert, wird klar, warum die Tonfilmoperette das Jahr 1933 nur kurzzeitig überlebte. Neben diesen eher eskapistischen Geschichten gab es auch eine Anzahl von Filmen, die den zeithistorischen Hintergrund der späten Weimarer Republik und der Weltwirtschaftskrise zwar heiter verpackten, aber nicht ausblendeten.
Die Ufa-Produktion ICH BEI TAG UND DU BEI NACHT (Ludwig Berger, D 1932; 17.1.), der neben dem bescheidenen Alltag der kleinen Leute auch ironisch überzogen deren Sehnsucht nach Tonfilmoperetten darstellt, das Genre also selbstreflexiv persifliert, gehört genauso dazu wie Fritz Kortners brillante Depressionskomödie SO EIN MÄDEL VERGISST MAN NICHT (D/A 1933; 10.1.) mit Willi Forst, Dolly Haas und Oskar Sima in den Hauptrollen. Die Liebesgeschichte zweier arbeitsloser Schauspieler, die sich zugleich nach einem Bühnenengagement sehnen, nutzt Kortner immer wieder, um auf die Wurzeln der Tonfilmoperette, das Theater, zu rekurrieren.
Ein weiteres frühes Beispiel des Genres ist Joe Mays IHRE MAJESTÄT DIE LIEBE (D 1930; 31.1.), der neben einer romantischen Liebesgeschichte und ultramodernen Berliner Großstadtdekors vor allem eine der komischsten Szenen in einem deutschen Film des Jahres 1930 aufzuweisen hat. Wenn sich Ralph Artur Roberts mit näselnder Stimme und abgezirkelter Aristokratenhöflichkeit als Baron Schwapsdorf bei der jungen Bardame Lia Török (Käthe von Nagy) und ihrem Vater (Szöke Szakal) mit einem Blumenstrauß als Bräutigam empfiehlt, bleibt kein Auge trocken. (Nils Warnecke) Die Reihe wird im Februar fortgesetzt.

