Direkt zum Seiteninhalt springen

Programm 4: Moholy-Nagys Kurzfilme — Experiment als Verfahren (24.2., Einführung: Robin Curtis)

Wie viele bildende Künstler seiner Zeit beschäftigte sich auch der Bauhausprofessor László Moholy-Nagy seit Anfang der 20er Jahre besonders eindringlich mit dem Medium Film, allerdings zunächst ohne eigene Praxis. Vergeblich hatte er versucht, am Bauhaus die ihm zugesagte "Versuchsstelle für Filmkunst" einzurichten. Immerhin entsteht 1925 das Bauhaus-Buch "Malerei, Fotografie und Film". Moholy-Nagy könnte als einer der frühen Crossover-Künstler gelten, wäre es nicht gerade das Bauhaus, das die Kunst in ihrer Ganzheit mit dem Leben zusammenbringen wollte und deshalb auch die Befruchtung der Kunstgattungen untereinander zum Prinzip erklärte. Moholy-Nagy veranstaltete nicht nur Aufführungen für alle Sinne auf der Bauhausbühne, sondern eröffnete mit seinen Fotografien und Filmen auch neue Perspektiven zur Betrachtung der Architektur und der Stadt.

Programm 5: Kurt Kranz und Heinrich Brocksieper — nichtgegenständliche Fantasien (25.2.) Nach einem Vortrag von Moholy-Nagy bewirbt sich der junge Kurt Kranz am Bauhaus und studiert von 1930–33 bei Klee, Kandinsky, Joost Schmidt (Reklame) und Walter Peterhans (Werbe-Fotografie). Er entwickelt damals eine ganze Reihe filmischer Entwürfe mit abstrakten Motiven, die er aber erst 1972, nach seiner Pensionierung als Kunstprofessor in Hamburg, mit Hilfe von Robert Darroll realisiert. Heinrich Brocksieper studierte ab 1919 am neu gegründeten Bauhaus in Weimar, besuchte u.a. den Vorkurs bei Johannes Itten. Ab 1927 beschäftigte er sich verstärkt mit Fotografie und realisierte auch einige experimentelle Filme, die er selbst entwickelte.
Programm 6: Fokus: Walter Gropius, Alfred Ehrhardt, Kurt Schwerdtfeger (26.2.) Das Staatliche Bauhaus in Weimar wurde im April 1919 von Walter Gropius gegründet. Der Grundgedanke dieser Schule entsprach zwar dem Zeitgeist, wurde aber von Gropius radikalisiert und konkret umgesetzt: Man wollte Architektur und gestalterisches Schaffen vereinen. Industrie und Kreativität, Ästhetik und Zweckmäßigkeit sollten zusammengeführt werden. Das Handwerk wurde zur Grundlage der künstlerischen Ausbildung. Jeweils ein Künstler und ein Handwerksmeister unterrichteten parallel in den Werkstätten. Durch das Nebeneinander der Werkstätten konnten sich die verschiedenen Künste gegenseitig befruchten. In der damals beispielgebenden Organisationsform der Ausbildung im Bauhaus war vor allem eine produktive Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden geboten, die in den heutigen Akademien meist wieder verloren gegangen ist. Ihr Credo: Kunst muss insbesondere auch im öffentlichen Raum, im Alltag, ja in der Reklame und Industrie wirken, dort viele erreichen und ohne große Vorkenntnisse verstanden werden. Für den im Bauhaus bei Klee und Kandinsky geschulten Kulturfilmer Alfred Ehrhardt, einen der wichtigsten Fotografen der Neuen Sachlichkeit, ist der Film primär Bildkunst. Sein Markenzeichen war das optische Erzählen, sodass seine vielfach ausgezeichneten Filme alleine durch Bildfolgen und Musik überzeugen. Kurt Schwerdtfeger initiierte 1922 am Bauhaus ein Laternenfest mit Schattenspielen, das der Ursprung aller späteren Lichtspiele und –projektionen war. Im Unterschied zu Hirschfeld- Macks Lichtprojektionen gab es bei Schwerdtfeger keine Apparatur, die von den Mitarbeitern arbeitsteilig bespielt wurde. Nach dem Krieg rekonstruierte der Künstler seine Partituren und inszenierte sie mit seinen Studenten an der Pädagogischen Hochschule Alfeld neu. (Thomas Tode)

Die von Thomas Tode kuratierte Reihe wurde erstellt im Auftrag des Kommunalen Kinos mon ami Weimar und der Bauhaus-Universität Weimar.Sie umfasst insgesamt zwölf Programme und wird im April und Juni weitergeführt. Dank an Edgar Hartung. Bitte beachten Sie auch die Broschüre mit ausführlichen Texten zu allen Programmen, die an der Kinokasse ausliegt.

Gefördert durch: