Zu den spannendsten und aufregendsten jungen Filmfestivals gehört zweifelsohne IndieLisboa. Von engagierten Enthusiasten im Jahr 2004 gegründet, hat es sich innerhalb kurzer Zeit zum wichtigsten Filmfestival Portugals entwickelt und sich auch international großes Ansehen verschafft. Klug und ambitioniert kuratiert, zeigt IndieLisboa, was zur Zeit im Weltkino für Aufsehen sorgt, präsentiert so genannte "Independent Heroes" (wie zuletzt Werner Herzog, Jacques Nolot und José Luis Guerín) sowie die neuesten portugiesischen Kurz- und Langfilme. Jedes Jahr im April kann man in Lissabon zahlreiche Entdeckungen im Universum des unabhängigen Films machen. Das Arsenal bietet den geschätzten Kollegen von IndieLisboa sehr gerne eine Plattform, um ihr Festival mit drei Programmen aktueller Filme aus Portugal zu präsentieren – kurze und lange Filme, die ein breites Spektrum an Genres und Handschriften abbilden und in Berlin noch nie zu sehen waren.
Die Reihe wird am 11. Dezember mit der Deutschland-Premiere von RUÍNAS eröffnet, einem dokumentarischen Essayfilm von Manuel Mozos, der bei IndieLisboa 2009 als bester portugiesischer Film ausgezeichnet und auch beim Dokumentarfilmfestival in Marseille preisgekrönt wurde. Wir freuen uns sehr, den Filmemacher Manuel Mozos sowie den Ko-Direktor von IndieLisboa, Miguel Valverde, zur Eröffnung zu Gast zu haben.
RUÍNAS (Ruins, Manuel Mozos, Portugal 2009, 11.12., in Anwesenheit von Manuel Mozos und Miguel Valverde & 20.12.) spürt in verschiedenen Regionen Portugals – von Vila do Conde über Lissabon bis nach Porto – dem Eigenleben von leeren, verlassenen Gebäuden nach. Verfallene Wohnhäuser, Fabriken, Kinos, Kirchen, Theater, Geschäfte, Bahnhöfe, Industrieanlagen und eine Staumauer wirken wie Ruinen der Moderne, Erinnerungen an eine Gesellschaft, die es nicht mehr gibt, Denkmäler einer vergangenen Zeit. Zu hören sind mit diesen Bauten verbundene Geschichten. RUÍNAS kreist um die Beziehung zwischen Orten und Erinnerungen, zwischen Räumen und Erzählungen. Welche Verbindungen gehen Menschen mit Gebäuden ein? Was bleibt zurück, wenn sie diese verlassen oder aufgeben? In ARCA D'ÁGUA (Ark of Water, André Gil Mata, Portugal 2009, 11. & 20.12.) baut ein Mann ein Hausboot in einem See – mitten in einer Stadt und doch in einem ganz eigenen Kosmos. In einer Atmosphäre aus Trauer und Schwermut, voll von Erinnerungen, unternimmt er eine Passage zwischen den Zeiten, zwischen Feuer und Wasser, Leben und Tod. Zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Erinnerungen, Fantasien, Traum und Wirklichkeit und jenseits von narrativer Logik hat auch der junge Filmemacher Sandro Aguilar seinen eigenwillig erzählten und atmosphärisch starken Debütfilm A ZONA (Uprise, Sandro Aguilar, Portugal 2008, 12. & 16.12.) angesiedelt. Ein Mann besucht seinen sterbenden Vater im Krankenhaus, wo er einer von Panik erfüllten schwangeren Frau begegnet, die einen Autounfall überlebt hat, bei dem ihr Ehemann ums Leben kam. Ein auf dem Land lebendes Paar erwartet ein Kind, doch eines Abends kommt der zukünftige Vater nicht mehr zurück nach Hause. Abgrundtiefe Leere umhüllt die Charaktere, die alle mit der Erfahrung von Verlust, Abschied, Trauer und Tod umgehen müssen. Der aus Super-8-Aufnahmen bestehende Film CRIME / ABISMO AZUL / REMORSO FÍSICO (Crime / Blue Abyss / Physical Remorse, Edgar Pêra, Portugal 2009, 12. & 16.12.) ist inspiriert vom außergewöhnlichen Werk und dem kurzen Leben des portugiesischen Malers Amadeo de Souza-Cardoso (1887–1918), dem internationale Anerkennung aufgrund seines frühen Todes versagt blieb.
ÁGUAS MIL (April Showers, Ivo M. Ferreira, Portugal 2009, 13. & 18.12.) widmet sich anhand einer Familiengeschichte der jüngeren Vergangenheit Portugals. Pedro, in den 70er Jahren nach der Nelkenrevolution geboren, die 40 Jahre Diktatur beendet hatte, entdeckt im Haus seiner Großmutter alte Dokumente, ein ihm unbekanntes Stück Familiengeschichte. Er wuchs ohne seinen Vater auf, einem politischen Aktivisten, der in den Nach-Revolutionswirren Anfang der 80er Jahre verschwunden war. Was ist damals geschehen? Musste er fliehen, wurde er gekidnappt, hat er Selbstmord begangen? Wieso stellt sich Pedros Mutter heute immer noch nicht der Vergangenheit? Pedro macht sich auf die Suche nach seinem Vater, seiner Geschichte und nach sich selbst. Camp, Cross-Dressing und Geopolitik verbinden sich in VISIONARY IRAQ (Gabriel Abrantes, Benjamin Crotty, Portugal 2009, 13. & 18.12.). Ein junger Mann aus Portugal und seine angolanische Adoptivschwester, die heimlich eine Affäre haben, brechen zur "Operation Iraqi Freedom" auf. Alle Rollen in diesem schrägen Kammerspiel werden von den beiden Filmemachern selbst gespielt.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit IndieLisboa – Festival Internacional de Cinema Independente. Mit freundlicher Unterstützung durch das Instituto Camões.

