Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer realisieren seit 1996 gemeinsame künstlerische Arbeiten. Ihre Videoarbeiten und Installationen kreisen um die Themen Gemeinschaft und Teilhabe an Gesellschaft sowie um Prozesse von Exklusion. Dabei untersuchen sie die performative Arbeit von Identität und deren Konstitution auch in der Sprache. In ihrer jüngsten Arbeit CHINESISCH VON VORTEIL (2008), die wir neu in das Verleihprogramm von arsenal distribution aufgenommen haben, begleiten sie die Teilnehmer zweier Chinesischkurse; auf der einen Seite Kinder chinesischer Einwanderer, die an einer Stuttgarter Sprachenschule ihre Chinesischkenntnisse verbessern, auf der anderen deutsche Erwachsene, die dort in ihrer Freizeit Chinesisch als Fremdsprache lernen. Die beiden Perspektiven auf China, als Land der Herkunft oder des Ursprungs und als Projektionsfläche für ein anderes Leben, für Karriere oder Zukunft, werden verbunden mit einem historischen Referenztext des chinesischen Autoren Lu Xun, der ihnen als eine Art imaginärer Gesprächspartner gegenübersteht.
Eine regelmäßig wiederkehrende Figur bei Boisseau & Westermeyer ist F., der eine Art "neutrales Ich-Modell" darstellt, "das einer breit angelegten Überprüfung seiner identitätsstiftenden Alltagserlebnisse ausgesetzt wird" (Thomas v. Taschitzki). In CHINESISCH VON VORTEIL ist F. eine Art neutraler Beobachter, in MOI VU PAR … (1999), wird die Identität von F. aus den Blickwinkeln seiner Freunde zusammengesetzt, eine erhellende Studie über Selbstwahrnehmung und Projektion. MEINE FAMILIE UND ICH (1997) geht von der Frage aus, "Was wäre wenn … ich der Sohn anderer Eltern wäre" und zeigt Westermeyer als Sohn verschiedener Familien aus Wanne-Eickel. In der Blackbox zeigen wir außerdem JOIN A WORLD OF 150 MILLION FRENCH SPEAKERS – A VIDEO WITH LE GROUP DU MERCREDI, CHICAGO (2005/2008), eine "lebende Skulptur" der französisch sprechenden Community in Chicago. (10.12., in Anwesenheit der Filmemacher)

