Szenario 1: Eine Hand versucht, ein herunterfallendes Stück Blei aufzu-fangen. Ein glühender Stahlblock wird an einem Kran durch die Produkti-onshalle getragen. Bochumer Stahlarbeiter berichten. Szenario 2: Zwei Personen vermessen einen Fensterrahmen. Szenario 3: Zwei Mordangeklagte können durch ein Geständnis ihr Strafmaß und das ihres Mitangeklagten beeinflussen. Die gleiche Situation wird in eine TV-Show übersetzt. Entscheiden wir für uns oder für den Anderen? Und treffen wir die gleiche Entscheidung vor laufender Kamera?
Skulptur – Mensch – Raum: das sind die Koordinaten, die der amerikanische Bildhauer Richard Serra verhandelt. In seinen Filmen und Videoarbeiten der 60er und 70er Jahre treten ihre Verbindungslinien in den Vordergrund. Der Mensch wird Gegenstand seiner eigenen Wahrnehmung, die Skulptur zum Medium: Kommunikationsstrukturen und Machtverhältnisse werden in ihrer Prozesshaftigkeit erfahrbar. Das Bewegtbild hat eine Materialität: Wie kaum ein filmisches Werk zeigt das von Richard Serra die inzwischen historisch gewordene Besonderheit des Trägermaterials, das Verhältnis von Form und Inhalt vor dem digitalen Bild: Die Filme, in denen seine Hände in Großaufnahme den filmischen Raum gestalten, sowie die dokumentarischen Filme sind im 16mm-Format gedreht. Demgegenüber sind die als Happening oder Performance angelegten Arbeiten über Aufzeichnungsmedien und staatliche Macht im Videoformat. arsenal distribution hat das Gesamtwerk der Film- und Videoarbeiten von Richard Serra aufgenommen. Wir freuen uns, es zum ersten Mal öffentlich zu präsentieren. (5.–7.10.)

