L'Abominable ist ein selbst organisiertes Filmlabor in Paris, das seit 1996 Filmemachern und Künstlern die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt, S8-, 16- und 35-mm-Film zu entwickeln, zu bearbeiten, zu schneiden und zu kopieren. Mitglieder werden angelernt, um selbständig oder betreut Projekte verwirklichen zu können. Seit 1996 ist ein umfangreiches Archiv entstanden, das für Recherche- oder kuratorische Zwecke zugänglich ist.
Seit 2005 existiert eine Website (www.filmlabs.org), die 21 Labore in zehn Ländern gemeinsam vorstellt, alle in den letzten 20 Jahren gegründet, um herrschenden Entwicklungen des Marktes eine selbst organisierte Struktur entgegenzusetzen. Eines der jüngsten Labore existiert in Berlin: Seit einem Jahr steht das LaborBerlin im Wedding Berliner Filmschaffenden zur Verfügung.
L'Abominable ist zudem Mitglied eines französischen Netzwerks (cineastes.net), das 2001 ein Manifest hervorgebracht hat. Darin geht es um eine zeitgenössische Bewertung des Experimentalfilms, die ohne Nostalgie, Genredenken oder Verwertungsinteressen auskommt. Stattdessen setzen sich die Mitglieder dieses Netzwerkes vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte mit Veränderungen im kulturellen und medialen Umfeld auseinander und gestalten sie mit.
L'Abominable hat für Berlin ein Programm zusammengestellt, das einen Einblick in die Vielfalt der Projekte gibt, die in den letzten Jahren dort entstanden sind. Im Anschluss an das erste Programm diskutieren Mitglieder von L#Abominable und dem LaborBerlin mit Minze Tummescheit und Arne Hector, die derzeit einen Film über kollektives Arbeiten vorbereiten. Auch zu den weiteren Programmen sind Gäste anwesend. # 1: PARTIES VISIBLE ET INVISIBLE D'UN ENSEMBLE SOUS TENSION von Emmanuel Lefrant (2009) untersucht die Mechanismen der Erinnerung. FLEURS NOIRES von Baptiste Bessette (2010) betrachtet Veränderungen im Peace Memorial Park in Hiroshima. LE GRANIER von Olivier Fouchard (2009) lässt die Magie eines Berges, der ruhend in der Landschaft liegt, lebendig werden. (1.9.) # 2: LE MONTAGNE DE LURE von Mahine Rouhi (1997–2006) enthält "dirty" Landschaftsaufnahmen auf Super 8, gerahmt, aber dann selbst entwickelt. ISTANBUL von Martine Rousset (2006) ist ein Städteporträt, in dem die Kamera im Halbschlaf zu sein scheint. (1.9.) # 3: AMI ENTENDS-TU von Nathalie Nambot (2010) ist eine umfassende Hommage an so etwas wie eine rebellische Klarsicht. Es geht um das Verhältnis von Ohnmacht und Widerstand durch die Sprache, inspiriert von Ossip Mandelstam. MERCEDES DUNAVSKA von Drazen Zanchi (2009) ist das Roadmovie eines kroatischen Filmemachers, beginnend in seiner Heimatstadt Split und endend in Zagreb, begleitet von Murmelgeräuschen des Krieges. (2.9.) # 4 besteht aus nur einem Film, den wir 2006 im Forum zeigten: SCHUSS! von Nicolas Rey (2006). Er beginnt wie ein Dokumentarfilm über den Wintersport, wendet sich dann aber dem Thema der industriellen Herstellung von Aluminium zu. Anhand dieser beiden in überraschender Verbindung stehenden Themen ruft er bedeutende Stationen der Industriegeschichte des 20. Jahrhunderts in Erinnerung und stellt Fragen zum Verhältnis zwischen Staat und Industrie. (2.9.)
Special thanks to Nicolas Rey.

