Nach dem Studium der Malerei in Dresden ging Jürgen Böttcher an die neu gegründete Deutsche Hochschule für Filmkunst in Babelsberg. Er war erfüllt von der einzigartigen poetischen Kraft des Films, die sich aus dem Alltäglichen gewinnen ließ. Dieses Gefühl hatte er bereits an die Filmhochschule mitgebracht. Er arbeitete an seiner Verfeinerung, etwa durch intensive Beschäftigung mit dem Neorealismus oder mit den "alten Russen". Sein Film-Verständnis führte letzten Endes zu einer tief greifenden Erneuerung des DEFA-Dokumentarfilms, provozierte jedoch permanent Konflikte mit der Kulturpolitik. Die Filme des ersten Abends wurden allesamt verboten.
DREI VON VIELEN (1961, 23.7.) Porträts junger Arbeiter, die in ihrer Freizeit malen und denen Böttcher an der Abendschule Malunterricht gibt, mit dem er seinen spezifischen Ton der Poesie des Alltäglichen mit Kraft an schlägt. BARFUSS UND OHNE HUT (1965, 23.7.) Impressionen von jungen Leuten im Sommer an der Ostsee – ein Film, der in seiner spielerischen Leichtigkeit als Provokation aufgefasst wurde. JAHRGANG 45 (1966, 23.7.) Einziger Spielfilm Böttchers über den jungen Schlosser Al und seine Freundin, die Krankenschwester Li. "Dieser Film ist wirklich eine Art Ballett, mit dem Unsagbares erfasst wird. Es gibt wunderschöne Arrangements. Der Tanz mit der Feder etwa, eine Elegie über Zärtlichkeit, die den Wunsch enthält fortzufliegen, sich aufzulösen, und, wenn es nicht anders geht, zu explodieren, um danach etwas ganz anderes zu machen." (Rolf Richter). VENUS NACH GIORGIONE (1981, 26.7.), einer der drei Experimentalfilme, in denen Böttcher Kunstpostkarten seiner Lieblingsmaler übermalt. KURZER BESUCH BEI HERRMANN GLÖCKNER (1985, 26.7.), eine ehrfürchtige und neugierige Hommage an den kompromisslosen Malerkollegen Glöckner (1889–1987). KONZERT IM FREIEN (2001, 26.7.), Böttchers letzter großer Dokumentarfilm, montiert Archivaufnahmen von der Entstehung des Marx-Engels-Forums mit aktuellen Aufnahmen des Platzes. (Erika Richter)
