Rolf Liebmann (1939–2003) studierte 1962–66 an der Filmhochschule in Babelsberg Dramaturgie und arbeitete zunächst als Redakteur und Kritiker. Als ihn Jürgen Böttcher bat, an seinem Film DER SEKRETÄR (1967) mitzuarbeiten, war das der Anfang von Rolf Liebmanns intensiver Arbeit im Dokumentarfilm. Anregend, originell denkend, oft provozierend vertrat er eine damals völlig neue Theorie der Authentizität in der dokumentarischen Arbeit, was ihn zum begehrten Mitarbeiter bei bestimmten Kollegen und Projekten machte. Aber seine Mitarbeit musste man auch aushalten können, denn er dachte radikal und kritisierte scharf. Das machte ihn zum natürlichen Gegner von Traditionalisten und Studioleitungen. Einige der Projekte, bei denen er sich am meisten engagiert hatte, wurden aus politischen Gründen zerstört. In zwei Programmen in Anwesenheit vieler Regisseure zeigen wir Filme, an denen Liebmann mitgearbeitet hat.
Am 29.6. präsentieren wir DER SEKRETÄR (Jürgen Böttcher, 1967), das Porträt des Parteisekretärs Grimmer und ERINNERE DICH MIT LIEBE UND HASS (Jürgen Böttcher, Rolf Liebmann, 1974), ein leidenschaftliches Pamphlet nach dem Militärputsch in Chile, DIE MIT–ARBEITERIN (Karl-Heinz Mund, 1972), in dem Elisabeth Hauptmann über die Jahre ihrer Zusammenarbeit mit Brecht erzählt und ZEICHEN IN BÄUMEN (Christian Lehmann, 1983), eine Erinnerung an KZ-Häftlinge, die, im Frühjahr 1945 von ihren Bewachern durchs Land getrieben, Lebenszeichen hinterließen. Am zweiten Abend (30.6.) laufen WALTER BALLHAUSE – EINER VON MILLIONEN (Karl-Heinz Mund, 1982) über den fast vergessenen Arbeiterfotografen, FRITZ CREMER IM 66. JAHR (Renate Drescher, Werner Kohlert, Rolf Liebmann, 1973), ein Gespräch mit dem berühmtesten Bildhauer der DDR, EISENBAHNERFAMILIE (Karl-Heinz Mund, 1983) über den Alltag einer Familie mit einem behinderten Kind, SYLVIA (Ernst Cantzler, 1983), das Porträt einer jungen Berliner Elektronik-Arbeiterin und GESCHICHTE EINES BILDES – DER TURM DER BLAUEN PFERDE, FRANZ MARC, 1913 (Karl-Heinz Mund, 1988) über das Schicksal des berühmten Bildes. (Erika Richter, Irina Liebmann)
Mit Unterstützung der DEFA-Stiftung.
