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Camp ist eine Lüge, die die Wahrheit erzählt. Camp ist ein unerwartet starkes Bekenntnis zum Trivialen. Camp ist so schlecht, dass es wiederum gut ist. Camp ist so gut, dass es wiederum gut ist. Camp stellt die Frage, was wäre, wenn die Personen, die diesen Film gemacht haben, auch queer sind? Camp ist ein schwer definierbarer Begriff, der aus der queeren Subkultur des 20. Jahrhunderts kommt, und welchen Susan Sontag 1964 in den kulturwissenschaftlichen Diskurs eingeführt hat. Bezeichnend für einen perversen produktiven Blick auf kulturelle Produkte und ein Lebensstil zugleich, ermöglicht der Begriff Camp neue Perspektiven auf Filme, Stars und Stilrichtungen der Vergangenheit und Gegenwart. Als Teil des von Susanne Sachsse und Marc Siegel kuratierten Festivals "Camp/Anti-Camp" (19.–21. April, HAU) zeigt das Arsenal im März und April wichtige mit Camp assoziierte Filme, um die Relevanz des Begriffes zu hinterfragen.

In COPACABANA (Alfred E. Green, USA 1947, 19.3.) sehen wir neben Groucho Marx die großartige Brasilianerin Carmen Miranda in einer seltenen Hauptrolle. Miranda, eine Camp-Ikone und ein wichtiger Bezugspunkt für den Tropicalismus, eine kulturelle Bewegung im Brasilien der 60er und 70er Jahre, spielt eine Doppelrolle, die leicht als selbstreflexive Kritik an ihrem Starbild gelesen werden kann. Alla Nazimovas Stummfilm-Spektakel SALOME (Charles Bryant, USA 1923, 23.3.) ist ein legendärer Film der queeren Filmgeschichte. Nach dem Theaterstück von Oscar Wilde und ausgestattet in einem Art-Deco-Stil im Sinne Aubrey Beardsleys steht Nazimovas Film als Beweis dafür, dass Stil und Ästhetik den Inhalt übertrumpfen können. Der Film wird im Rahmen von Rising Stars, Falling Stars von der Stummfilmexpertin Vaginal Davis präsentiert. Musikalische Begleitung von John und Tim Blue. (Marc Siegel)

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