Das Kino Kataloniens und der Balearen ist seit einigen Jahren kontinuierlich auf internationalen Festivals vertreten. Indes sperrt sich das jüngere katalanische Filmschaffen gegen strikte Kategorisierungen. Vom kommerziellen Feature bis zur experimentellen Low-Budget-Dokumentation werden verschiedenste Ansätze erkundet und umgesetzt. Darunter so schillernde Unterfangen wie Los Pasos Dobles von Isaki Lacuesta, oder auch der oscarnominierte Pa Negre (Agustí Villaronga). Die neue Vielfalt verdankt sich einer jungen Generation von Filmemachern, die unter anderem an der Escola Superior d'Audiovisuals de Catalunya ausgebildet wurden. Sie haben das Publikum im Blick, ohne die Eigenständigkeit der Filme aus den Augen zu verlieren. Auch für internationale Koproduktionen sind sie aufgeschlossen und haben keine Berührungsängste, in fremden Sprachen zu arbeiten. Das katalanische Kino schaut auf eine lange Geschichte zurück und blickt zuversichtlich in die Zukunft. In Zusammenarbeit mit dem Arsenal veranstaltet das Institut Ramon Llull diese repräsentative Filmschau, mit dem Ziel, das neue katalanische Kino in seiner Vielfalt vorzustellen. Das Programm umfasst Filme der vergangenen drei Jahre aus verschiedenen Strömungen des katalanischen Films, die auf Festivals ausgezeichnet wurden, aber darüber hinaus noch wenig Verbreitung gefunden haben. (Núria Vidal, Kuratorin)
BLOG (Elena Trapé, 2010, 1.10.) Eine Gruppe von Mädchen schließt einen Pakt: Sie wollen gleichzeitig schwanger werden. Langeweile, Neugierde und Unsicherheit spornen sie zu dem Experiment an, das Elena Trapé zu einem unverstellten Blick auf die Gedanken und Gefühle der jugendlichen Mädchen nutzt. Mit großer Zurückhaltung gefilmt, entwickelt sich ein intimes Porträt.
MÀSCARES (Elisabet Cabeza, Esteve Rimbau, Masks, 2009, 1.10.) Schauspieler geben die Geheimnisse ihres Handwerks selten preis. Josep Maria Pou macht eine Ausnahme und lässt sich bei seiner Vorbereitung der Rolle als Orson Welles filmen. Màscares gewährt dem Zuschauer einen Blick hinter die Bühne und stellt die Frage, was den Schauspieler mit der Figur verbindet, die er verkörpert.
EL PERFECTE DESCONEGUT (The Perfect Stranger, Toni Bestard, 2011, 2.10.) El perfecte desconegut ("Der Wildfremde") ist ein rothaariger, schweigsamer Ire, der eines Nachts in einem verschlafenen Dorf auf Mallorca aufkreuzt. Seine geheimnisvolle Präsenz weckt die Neugier eines ebenso wortkargen Jungen. Toni Bestard entfaltet in seinem Erstlingswerk mit stoischer Gelassenheit eine Handlung, an deren Ende das Geheimnis des Wildfremden aufgedeckt wird.
LA MOSQUITERA (The Mosquito Net, Agustí Vila, 2010, 2.10.) erzählt die Geschichte einer chaotischen Familie – der Vater nimmt gar nichts mehr wahr, die Mutter zu viel und der Sohn lebt in seiner eigenen Welt. Sie teilen ihr Zuhause unter anderem mit sechs oder sieben Hunden, drei Katzen, einem südamerikanischen Hausmädchen, einer Großmutter mit Alzheimer und einer sadistischen Schwester.
MIENTRAS DUERMES (Sleep Tight, Jaume Balagueró, 2011, 3.10.) Nachtportiers haben eine beunruhigende Aufgabe. Sie überwachen, kontrollieren und wissen oft mehr über ihre Klienten, als diesen lieb sein kann. César ist hilfsbereit, zuvorkommend und gnadenlos. Das Elend anderer Menschen ist sein Lebenselixier – er sät Leid aus reinem Vergnügen. Sein bevorzugtes Opfer ist die lebensbejahende Clara.
GUEST (Jose Luis Guerín, 2011, 3.10.) Mit seinem Film "En la ciudad de Sylvia" war José Luis Guerín auf zahlreichen Festivals zu Gast. Der Regisseur nutzte diese Besuche, um über die Grenzen der Festivals hinauszuschauen. Sie sind Versuche der Annäherung an Orte, an die ihn der Zufall geführt hat. Guest ist ein Porträt zweier Welten: des Films und der Wirklichkeit.

