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Auf Wunsch von Florian Zeyfang werden am 13. August um 19 Uhr kubanische Filme aus dem Archiv diskutiert. Gesichtet werden Filme von Sara Gómez, Chris Marker, Sabá Cabrera Infante und Orlando Jiménez Leal. "Más surrealista que socialista – eher surrealistisch als sozialistisch erfuhr der Architekt und Künstler Ricardo Porro die ersten euphorischen Jahre nach der kubanischen Revolution. In den zwei Jahrzehnten nach dem Aufstand entstanden einige der aufregendsten Filme als Zeugen dieses Aufbruchs in Kuba, wie auch der internationalen Anteilnahme und Unterstützung. Mit Beginn der neuen Politik begann die Suche nach neuen Bildsprachen, und auch eine Debatte, was FilmemacherInnen und KünstlerInnen zur Revolution beitragen können oder beizutragen haben. Diese Diskussionen flossen zum Teil in die Produktionen beispielsweise von Tomás Guitiérez Alea mit ein; Julio García Espinosa schrieb seinen berühmten Text zum "Unperfekten Kino" (Cine imperfecto). Zum Teil führten sie aber auch zu Auseinandersetzung und Bruch wie anlässlich des experimentellen Filmes P.M. von Sabá Cabrera Infante und Orlando Jiménez Leal in 1961. In den späten 1960er Jahren und dem "Grauen Jahrfünft" – Anfang der 1970er – veränderte der Kampf um das wirtschaftliche Überleben und die Annäherung an den Sozialismus die Debatten. Die "surrealistische" Euphorie der Anfangsjahre zeigte sich nun ersetzt durch die Auseinandersetzungen des Alltags." (Florian Zeyfang)

Gesichtet werden: DE CIERTA MANERA, Sara Gómez, Kuba 1974, 35mm, OmU, 79 min
Der Film gilt als einer der wichtigsten Produktionen der „grauen“ 1970er Jahre. Es ist der einzige Spielfilm von Sara Gómez, der nach ihrem frühen Tod von Alea und Espinosa fertig gestellt wurde. In einem Mix aus Dokumentar- und Spielfilm beschreibt er anhand zweier Protagonisten das Leben in einem kubanischen Armenviertel. Die Wertvorstellungen und Normen der Bewohner haben sich mit dem Neubau der Behausungen nicht einfach verändert – die neue Gesellschaft erscheint nicht auf Abruf.
„Der kubanische Filmemacher drückt sich auch als Revolutionär aus; das Kino ist für uns unweigerlich parteilich.“ (Sara Gómez) LA BATAILLE DES DIX MILLIONS, Chris Marker, Kuba 1970, 35mm, OF mit dt. Kommentar, 79 min
Der vor Kurzem verstorbene Chris Marker hat mit diesem Film ein Zeugnis der Anteilnahme der internationalen Intellektuellen an der Entwicklung Kubas hinterlassen: Fidel Castro hatte den „Kampf für zehn Millionen Tonnen Zucker“ ausgerufen – eine enorme Menge, denn bis dahin lag der Rekord bei ungefähr sieben Millionen. Trotz der Mobilisierung der gesamten Bevölkerung in diesem großartigen Angriff mit der Machete wurde die Schlacht verloren, zumindest wurde das angestrebte Ziel nicht erreicht. In Zusammenarbeit mit dem kubanischen ICAIC (Instituto Cubano de Artes e Industria Cinematográficos) und der Filmergruppe SLON entstand dieses Dokument.
“Es erübrigt sich zu sagen, dass sich die Handschrift von Chris Marker in der Intelligenz wie in der Wirksamkeit der Montage zeigt.” (Internationales Forum des Jungen Films 1977) P.M., Sabá Cabrera Infante und Orlando Jiménez Leal, Kuba 1961, DVD, ohne Dialog, 12 min
Die Sichtung des Films beginnt mit einer Einführung zur Debatte um diesen Film und Fidel Castros „Worte an die Intellektuellen“, die dem Film und seiner Zensur folgten. Mit Ton aber ohne Text, ist er das Dokument einer Nacht in den Bars von Havanna.

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