Wir setzen im neuen Jahr unsere Filmreihe mit Arbeiten von Ulrike Ottinger fort und möchten in diesem Zusammenhang auf die Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) hinweisen, in der noch bis 22.1. das unbekannte malerische Frühwerk (1963–68) Ottingers erstmalig ausgestellt wird. Bis Februar lädt das Arsenal in Veranstaltungen mit Gesprächen und Einführungen dazu ein, das filmische Œuvre von Ulrike Ottinger zu entdecken. Das Programm spiegelt und kommentiert Ulrike Ottingers Bewegtbild-Welten zwischen Opulenz und Stilisierung, Variationen des Theatralen und Ethnografischen, Kulturgeschichte und Science-Fiction, Reflexion und Reise.
FREAK ORLANDO (BRD 1981, 15.1., im Anschluss: Ulrike Ottinger im Gespräch mit Gertrud Koch) erzählt eine Irrtümer, Inkompetenz, Machthunger, Angst, Wahnsinn, Grausamkeit und Alltag umfassende "Histoire du Monde" am Beispiel der Freaks als kleines Welttheater in fünf Episoden. "Dies ist kein karitativer Film, der um Verständnis bittet für Abnormes. Er arbeitet mit vielen Tricks, nur nicht mit dem, auf den das Kino sonst baut, Identifikation. Er zitiert den berühmten Film von Tod Browning (1932), in dem das Kino seine Fähigkeit zum Wundertum Lügen strafte durch eine unvorstellbare Schau realer Monstren. Aber er selbst ist anders." (Frieda Grafe)
UNTER SCHNEE (D 2011, 21. & 23.1., im Anschluss: Ulrike Ottinger im Gespräch mit Laurence Rickels). Im japanischen Echigo liegt der Schnee oft bis in den Mai hinein meterhoch und bedeckt Landschaft und Dörfer. Seit Jahrhunderten haben sich die Bewohner darauf eingerichtet. Um ihre ganz eigenen Formen des Alltags, der Feste und religiösen Rituale festzuhalten, hat sich Ulrike Ottinger ins mythische Schneeland begeben – und mit ihr zwei Kabuki-Darsteller. In den Rollen der Studenten Takeo und Mako folgen sie den Spuren Bokushi Suzukis, der Mitte des 19. Jahrhunderts sein außergewöhnliches Buch Schneeland Symphonie verfasste.

