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Unter dem Pseudonym "Marran Gosov" drehte der Filmemacher Tzvetan Marangosoff, ein Deutsch-Bulgare, zwischen 1965 und 1975 allein 28 Kurzfilme und 5 Spielfilme, überwiegend in München-Schwabing und schuf ein in seiner Art unvergleichliches und umfassendes Filmwerk, welches in seiner Kontinuität ein einzigartiges Zeitbild darstellt. Viele seiner Kurzfilme erhielten Prädikate der FBW oder gar Festival-Preise.

Gleich sein erster Spielfilm "Engelchen oder die Jungfrau von Bamberg" (1968) war der deutsche Beitrag auf dem Internationalen Festival in Karlovy Vary und lief im gleichen Jahr wie "Zur Sache Schätzchen" - als Pendant in Farbe - erfolgreich in den deutschen Kinos. 1960 setzte Gosov sich mit 27 Jahren von Sofia nach München, in den deutschen Nabel der Welt ab. Schnell fand er Anschluß an die Schwabinger Bohème und wurde ob seiner Herkunft fortan nur kurz "Boris" genannt. In Bulgarien hatte er bereits einen Roman veröffentlicht ("Der Gleichgültige"), der allerdings zensiert erschien. Ihm lag das Schreiben und so kam es, dass erste Hör- und Fernsehspiele als Autor entstanden. Bald kannte ihn jeder und er jeden. Die Schamonis wollten seine Geschichte verfilmen. Peter Fleischmann vermittelte ihm den ersten Kurzfilmauftrag. Der Exil-Bulgare, der sich sehr schnell assimiliert hatte, drehte einen Film nach dem anderen. Aber nach seinem letzten Langfilm WONNEKLOSS (1972) stieg er langsam aus dem Kinogeschäft aus, arbeitete dann nur noch für's Fernsehen und machte später auch Filmmusik. Anfang der 90er, nach Öffnung des eisernen Vorhangs zog es ihn zurück nach Bulgarien. Dort lebt er nun wieder unter seinem bürgerlichen Namen als allseits geachteter Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker.

Skurrile Experimentierfreude, der Hang zu Dokumentarischem, kleine, klug pointierte Alltagsgeschichten mit meist jungen Laien, eine humorvolle Leichtigkeit und trotz allem immer sein Blick als Ostler, der - ob seiner Biografie - doch stets der eines Außenseiters blieb, machen die besondere Mischung und Qualität von Marran Gosovs Filmen aus. Seine Kurzfilme sind eng an ihn selbst und seine unmittelbare Umgebung gebunden. Sei es, daß mit Freunden in der eigenen Wohnung (SABINE 18) gedreht wurde oder vor der Haustüre in Schwabing. Oft spielt er selber mit (DAS DENKMAL, KINO), oder taucht zumindest à la Hitchcock kurz auf (DER ALTE). Die Schauspieler, besser Darsteller seiner Filme fand er auf der Straße oder in Kneipen: Mädchen wurden entdeckt, wie Margit Haberlandt (KINO) und Veruschka Mehring (SABINE 18). So auch Dieter "Gustl" Augustin (PFEIFFER, DER LANGE MARSCH), der später auch in seinen Langfilmen wirkte. - Es war das Schwabinger Lebensgefühl: Film-Bohème pur! Später wurden die Filme sozialkritischer (NACH LANGEN JAHREN EIN WIEDERSEHN MIT MEINEM BRUDER AUS BULGARIEN WÄHREND EINER KURZEN ZWISCHEN-LANDUNG IN MÜNCHEN) und als eine Art selbstreflektierendes Vermächtnis als Filmemacher kann sein letzter Kurzfilm SPIELEN IN DEUTSCHLAND gelten.  Man kann Marran Gosov getrost der sogenannten "Münchner Gruppe" zurechnen, die sich lose um Klaus Lemke, Werner Enke, May Spils, Roger Fritz, Eckhardt Schmidt, Rudolf Thome, Max Zihlmann und Martin Müller gebildet hatte. - Sie saßen in den gleichen Kneipen,  liebten das Kino und machten Filme: es war die deutsche "Nouvelle Vague"! (Bernhard Marsch) (25.7.)

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