Margaret Raspé, Malerin, Performancekünstlerin und Filmmacherin, drehte in den 1970er Jahren die legendären "Filme mit dem Kamerahelm": "… Kamerahelm auf dem Kopf: gleichzeitig malen und filmen. Das instrumentalisierte Auge löst Orientierung auf … Ich spalte mich: einerseits körperlich locker in der aktionistisch gelöst malenden Hand, andererseits rational konzentrierte Beobachterin im Sucher der Kamera …" (MR). Raspé wurde inspiriert durch die Aktions- und Fluxuskunst der 1960er Jahre und stand der Wiener Avantgarde nahe. Der Anstoß zu ihrem außergewöhnlichen Einsatz der Kamera kam aber von woanders. Er ist im Zusammenhang mit den damaligen politischen Debatten zum Thema Hausarbeit zu sehen: buchstäblich zu sehen. Ihr erster Film "mit dem Kamerahelm" – SCHWEINESCHNITZEL (BRD 1971) – zeigt den alltäglichen Arbeitsprozess der Zubereitung eben dieses Schnitzels – aus der Perspektive der Köchin. Gleichzeitig kochen, spülen, ausnehmen, schlagen und künstlerisch arbeiten: Raspé hatte von 1954 bis 1957 Malerei an der Kunstakademie München und an der Hochschule für Bildende Künste Berlin studiert. "SCHWEINESCHNITZEL entstand 1971, nachdem ich lange über Aggression in der Küche nachgedacht hatte.“
"Alle Tage wieder – let them swing!" zeigt die Filme Raspés in unterschiedlichen Kontexten. Das Eröffnungsprogramm "Selbstbewegung" entfaltet die vielfältige Dynamik von Aufbrüchen (18.9.). In dem Programm "Tomorrow and tomorrow and tomorrow" (19.9.) schlägt die Berliner Gruppe "Counterplanning from the Kitchen" in Vortrag und Filmen den Bogen von der 1970er-Jahre-Hausarbeitsdebatte zu heutigen Diskussionen um die Subsumption der alltäglichen Sorge für sich und andere unter die Warenökonomie. "Kreuzberg Adiö!" (19.9.) nähert sich der gegenwärtigen Situation über die Geschichte: von Raspés Super8-Impression 1. MAI IN BERLIN-KREUZBERG (1973), über Rosie S.M.s MAMA HEMMERS GEHT MIT IHREM PASTOR ZUM LETZTEN MAL ÜBER'N HEINRICHPLATZ: KREUZBERG ADIÖ (BRD 1980), hin zu Vlado Kristls WELTKONGRESS DER OBDACHLOSEN (D 2004). Hemma Schmutz leitet mit ihrem Vortrag "Raspé im Kontext der Avantgarde der 1970er" das monografische Filmprogramm "Mit dem Kamerahelm" ein (20.9.). Es enthält die legendären Filme vom Sahne schlagen (DER SADIST SCHLÄGT DAS EINDEUTIG UNSCHULDIGE, BRD 1971), Hühnchen braten (OH TOD, WIE NAHRHAFT BIST DU, 1972/73) und Geschirrspülen (ALLE TAGE WIEDER – LET THEM SWING!, 1974). BLAU AUF WEISS, RÄNDER UND RAHMEN (1979) widmet sich den energetischen Prozessen der malenden Hand. Nicht nur löst dieser Film das Mal-Werk in eine unabgeschlossene Bewegung auf, er öffnet auch die Begrenzung der Leinwand auf den "Natur"-Raum – Veranda und Garten –, den Ort, an dem die Malerin arbeitet und lebt. "Körper <=> Apparat" (20.9.) zeigt eine Vielfalt von Verhältnissen, die der Mann oder die Frau mit der Kamera eingehen können; der Ausgangsfilm ist SELBSTPORTRÄT UND VICE VERSA (1979) von Margaret Raspé. Sie hat die Super8-Kamera nicht nur auf den Kopf gesetzt, sondern auch in die Hand genommen. Mit ihrem in den Jahren 1978–85 entstandenen Film ANASTENÁRIA – DAS FEST DER FEUERLÄUFER VON LAGADÁS (21.9.) schloss sie an ein implizites Thema der Küchenfilme an: die Rituale. Ihre Bewegung zwischen Alltag und Fest, nüchterner Beobachtung und Mythopoesie verdeutlicht das Programm "Rituale" (WEIBLICHE RITUALE, M.R., 1976; PAM KUSO KAR (Jean Rouch, F 1974, 20.9.). Zum Schluss zeigen wir den außerordentlichen Film NIGHTCLEANERS, PART 1 (Berwick Street Film Collective, GB 1972–75, 21.9.): Beobachtung der nächtlichen Putz- und Reinigungsarbeit von Frauen und deren Selbstorganisation im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen; eine Reflexion der Möglichkeit des Films, diese Bewegung aufzunehmen und mitzutragen. Ausstellung im Roten Foyer: Materialien und Objekte von Margaret RaspéZu Gast: Margaret Raspé. Ein Programm von Madeleine Bernstorff, Karola Gramann, Heide Schlüpmann (Kinothek Asta Nielsen e.V.), in Zusammenarbeit mit Gunter Deller. Gefördert durch den Haupstadtkulturfonds Berlin.

