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Der kamerunische Filmemacher Jean-Pierre Bekolo (*1966) ist zurzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. In seinen Filmen zeigt sich eine ganz eigene Form des kritischen Umgangs mit den politischen Realitäten in Afrika: voll kreativer Energie, geistreich, innovativ und satirisch. Er durchkreuzt die üblichen Erwartungen an afrikanisches Kino, indem er verschiedene Genres mixt und Pop mit Politik verknüpft.

LE PRÉSIDENT (The President, Kamerun/D 2013, 24.8.) Ein betagter Regierungschef, der seit 42 Jahren an der Macht ist, verschwindet am Vortag der Wahl spurlos und versetzt damit sein Land, in dem das Leben stagniert, in Aufruhr. Er begegnet seiner verstorbenen Frau und einem Rapper, die seine Politik kritisieren. Eine Parabel auf die aktuellen Verhältnisse in Kamerun (und dort verboten) – formal zwischen Rap-Video mit Split-Screens und dem Pseudo-O-Ton von TV-Reportagen changierend.

QUARTIER MOZART (The Mozart Neighbourhood, Kamerun/F 1992, 24.8.) Als das Mädchen Queen of the Hood die Zauberin Mama Thekla fragt, wie es wäre, ein Mann zu sein, wird sie in den Körper des Womanizers Montype gesteckt und so in die männliche Hierarchie eines Viertels in Yaoundé eingeführt. Mama Thekla verwandelt sich auch, und zwar in Panka, eine populäre kamerunische Figur, die per Handschlag den Penis von Männern verschwinden lässt. Mit schelmischem Witz und Hip-Hop-Soundtrack wird ein traditioneller Mythos zum Kommentar auf Geschlechterrollen.

LES SAIGNANTES (The Bloodettes, Kamerun/F 2005, 25.8.) Es ist das Jahr 2025, irgendwo in Afrika. Nachdem ein prominenter Politiker beim gekauften Sex zu Tode gekommen ist, machen sich zwei junge, attraktive Frauen tatkräftig daran, die Leiche loszuwerden und das Land von seinen korrupten, sex- und machtbesessenen Männern zu befreien. Sie erfüllen das Mevungu – ein Ritual, das Frauen vorbehalten ist. Ein satirischer Low-Budget-Science-Fiction-Vampir-Politthriller mit viel Musik und Godard-Referenzen. (bik)

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