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Dokumentar- und Spielfilme für Kino und Fernsehen, Kurzfilme und abendfüllende Werke, polnische Produktionen und internationale Zusammenarbeiten – die große Bandbreite an unterschiedlichsten Stilrichtungen, Gattungen und Arbeitskontexten sowie die Vielfalt der von ihnen erschaffenen Bildräume und -kompositionen verbinden die beiden überaus gefragten Kamerafrauen Karina Kleszczewska und Jolanta Dylewska. Wir freuen uns sehr, im Rahmen von filmPOLSKA, dem größten Festival des polnischen Films in Deutschland, auf die beeindruckenden Filmografien der beiden DOPs anhand von jeweils zwei Beispielen eingehen und die Kameraautorinnen – beide Absolventinnen der renommierten Filmhochschule in Łódź (PWSTFiTV) – im Arsenal begrüßen zu können.

NIERUCHOMY PORUSZYCIEL(Der unbewegte Beweger, Łukasz Barczyk, Polen 2007, 23.4., zu Gast: Karina Kleszczewska) Basierend auf Aristoteles’ These eines "unbewegten Bewegers", nach der jegliche Bewegung auf einen in sich ruhenden "Impulsgeber" zurückgeht, entwirft der Film ein beunruhigendes Beziehungskaleidoskop von psychischen Abhängigkeiten, wilden Obsessionen und roher Gewalt. Im Mittelpunkt stehen Teresa, eine Fabrikarbeiterin, ihr Mann, der Fabrikbesitzer, von allen „General“ genannt, sowie eine Gruppe von Mitarbeitern/Freunden. Weniger lineare Narration als teilweise schockierend-drastisches Grauen – eine Tour de Force für die Schauspieler_innen wie auch für die Kamerafrau – gilt NIERUCHOMY PORUSZYCIELals einer der polarisierendsten polnischen Filme der letzten Jahre.

HISZPANKA (Influence, Łukasz Barczyk, Polen 2015, 24.4., zu Gast: Karina Kleszczewska) Kurz nach dem Ende des 1. Weltkriegs schließen sich die nationalpolnischen Kräfte im damals deutschen Posen zum siegreichen sog. "Posener Aufstand" zusammen, der Anfang 1919 und noch vor dem Versailler Vertrag zur Abtrennung Posens vom Deutschen Reich führt. Soweit der historische Hintergrund eines wundersam-mystischen Machtkampfes zwischen zwei Magiern, die die Geschicke dieser Zeitenwende zwischen alter Welt und gesellschaftlich-politischem Neubeginn zu lenken versuchen. In Anlehnung an den "expressionistischen Film" der 20er Jahre schafft Karina Kleszczewska eine magische Bilderwelt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit langsam verschwimmen.

TULPAN (Sergei Dvortsevoy, PL/D/RUS 2008, 26.4., zu Gast: Jolanta Dylewska) Nach langer Zeit auf See kehrt der Matrose Asa zurück in die kasachische Steppe, wo er Schafzüchter werden und eine Familie gründen möchte. Das einzige heiratsfähige Mädchen der Gegend, Tulpan, durchkreuzt jedoch seine Pläne und gibt ihm einen Korb. In den unendlichen Weiten der Steppe gibt sich Asa indes nicht so schnell geschlagen. Jolanta Dylewska kleidet Asas Sehnsucht und Streben nach seinem Platz in einer Welt zwischen Archaik und Disco in Bilder zwischen dokumentarischer Beobachtung und leiser Poesie, zwischen spektakulären Weiten und einem feinen Geflecht von Eindrücken, Details, Blicken und Gesten.

MADE IN POLAND (Przemysław Wojcieszek, Polen 2010, 27.4., zu Gast: Jolanta Dylewska) "Ein Film in einem Schwarzweiß so grob wie das Leben, versetzt mit wütendem Feuerrot." (Anna Hoffmann) Eben noch Messdiener, läuft Boguś mittlerweile mit einem "Fuck off"-Tattoo auf der Stirn herum und möchte nichts weniger, als eine Revolution in seiner Plattenbausiedlung entfachen. Erste Schlachten ficht er mit der Eisenstange aus. Doch seine Rebellion läuft zusehends ins Leere. In Tempo und Lautstärke entspricht der Film der Wut seines Helden, ebenso furios ist Jolanta Dylewskas entfesselter Bilderkosmos einer sich in Hass und Wut aufbäumenden Generation. (mg)

filmPOLSKA ist eine Produktion des Polnischen Instituts Berlin in Zusammenarbeit mit der Polish Filmmakers Association unter der Schirmherrschaft des Medienboard Berlin-Brandenburg mit freundlicher Unterstützung des Polnischen Filminstituts (PISF), des Adam-Mickiewicz-Instituts, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und Difactory.

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