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27. Februar 2026

Als langjährige Partnerorganisation der Berlinale verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen rund um die zukünftige Ausrichtung des Festivals und die politischen Eingriffe in die Kunstfreiheit mit großer Aufmerksamkeit und Sorge. Die Form der lancierten öffentlichen Skandalisierung und der medialen Polarisierung widerspricht und untergräbt alle Möglichkeiten einer fundierten Auseinandersetzung mit den komplexen Gesellschaftsfragen der Gegenwart, mit denen sich Künstler*innen in ihren Arbeiten in vielfältiger Weise auseinandersetzen – eben gerade auch im Rahmen eines internationalen Filmfestivals. Umso mehr begrüßen wir die Entscheidung und jede Bemühung, derart grundsätzliche Fragen mit Besonnenheit, Augenmaß und Offenheit zu diskutieren und insbesondere alle Beteiligten einzubinden.

Die Berlinale steht seit ihrer Gründung für die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks, die Vielfalt der Perspektiven und den offenen gesellschaftlichen Diskurs. Sie ist nicht nur ein internationales Schaufenster für Filmkunst, sondern auch ein Raum, in dem kontroverse Stimmen gehört, unbequeme Fragen gestellt und kulturelle Auseinandersetzungen geführt werden können. Diese Offenheit ist kein Nebenaspekt – sie ist Wesenskern des Festivals.

Kunst- und Redefreiheit sind ein fundamentales Gut einer demokratischen Gesellschaft. Sie bedeuten, dass künstlerische Entscheidungen unabhängig von politischem, wirtschaftlichem oder ideologischem Einfluss getroffen werden. Wo diese Unabhängigkeit in Frage steht, gerät nicht nur ein Festival, sondern das Vertrauen in kulturelle Institutionen insgesamt ins Wanken.

Wir möchten ausdrücklich betonen: Die Verteidigung der Kunst- und Redefreiheit ist keine Parteinahme für einzelne Inhalte oder Positionen. Sie ist eine Haltung zugunsten des Prinzips, dass Kunst Räume schaffen kann, in denen auch Widerspruch, Ambivalenz und gesellschaftliche Aushandlung möglich sind. Gerade ein internationales Festival wie die Berlinale trägt hier eine besondere Verantwortung, diese Räume zu gewähren.

Seit 1971 verantwortet das Arsenal das Berlinale Forum, seit 2006 zusätzlich das Berlinale Forum Expanded. In der gesamten Bandbreite ästhetischer Formen und Formate der dort gezeigten Filme spiegeln sich Jahr für Jahr gesellschaftliche und politische Umbrüche, Krisen und Aufbrüche in aller Welt. Die Festivalgeschichte zeugt von einer lebendigen, streitbaren und respektvollen Debattenkultur, die die Berlinale über Jahrzehnte prägte und bis heute weiterbesteht.

Wir appellieren daher an alle Beteiligten, die Unabhängigkeit des Festivals nachhaltig zu sichern und den konstruktiven Austausch aufrechtzuerhalten. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Berlinale auch künftig ein Ort bleibt, an dem kulturelle Vielfalt und demokratische Debatte selbstverständlich sind.

Als Partnerorganisation stehen wir uneingeschränkt hinter Tricia Tuttle und weiterhin für eine starke, unabhängige und mutige Berlinale – im Sinne der Kunst, der Filmschaffenden und eines offenen gesellschaftlichen Dialogs.

Gefördert durch: