november 2018, kino arsenal

AFRIKAMERA 2018: Horn von Afrika

Die Region des Horn von Afrika ist vor allem für ihre bewaffneten Konflikte sowie für politische, soziale und humanitäre Krisen bekannt, weniger für ihre Kinokultur. Auch wenn die Zahl lokaler Produktionen im Vergleich zu den frankophonen Ländern des Kontinents überschaubar ist, hat sich in den letzten Jahren eine lebhafte Filmszene herausgebildet.

AFRIKAMERA 2018 – Horn von Afrika präsentiert vom 13. - 18. November eine Auswahl aktueller Spiel- und Dokumentarfilme aus der und über die Region sowie aus benachbarten ostafrikanischen Ländern wie Kenia, Uganda und Ruanda.

november 2018, kino arsenal

Das lebende Wort – Die Filme von Eugène Green

Die Filme von Eugène Green gehören zu den kühnsten, eigenwilligsten und charmantesten Attraktionen des zeitgenössischen Kinos. Seit seinem Regiedebüt im Alter von 53 Jahren mit TOUTES LES NUITS (2001) hat er seinen persönlichen, unverkennbaren Stil konsequent beibehalten und weiterentwickelt: Geschult an der Filmpoetik Robert Bressons, spielen die Darsteller unpsychologisch und minimalistisch, rezitieren ihre Sätze mit direktem Blick in die Kamera oder in stechender Direktheit ihr Gegenüber fixierend. Den Klang und die Kraft der Sprache ausschöpfend, zelebrieren sie in barockem Genuss jede Silbe, während die Ausdrucksweise als solche der Gegenwartssprache entstammt. Die Bildgestaltung (vom ersten Film an von Raphaël O’Byrne verantwortet) bewegt sich zwischen Fragmentierung und intensiver Körper- und Gesichtspräsenz. Von diesen stilistischen Fixpunkten ausgehend, kam mit LE MONDE VIVANT (2003) ein lakonisch-schelmischer Witz hinzu, der das tragikomische Potential seiner Werke ausmacht. Mit dem zunehmenden Materialismus der Inszenierung ging auch eine Erhöhung des spirituellen Gehalts einher. Den Ursprung seines Kinos und seiner Beziehung zur Sprache bildet ein Verlangen, das die weibliche Haupt-figur Émilie in TOUTES LES NUITS artikuliert: „Ich habe nie nach Glück gesucht, sondern nach Freude.“

Eugène Green, gebürtiger Amerikaner, kam in jungen Jahren nach Europa und ließ sich nach Aufenthalten in der Tschechoslowakei und im München der späten 60er Jahre in Paris nieder. Dort gründete er 1977 das Théâtre de la Sapience, mit dem er barockes Theater neu und gegenwärtig dachte. Ab Ende der 90er Jahre debütierte er auch als Autor von Gedichtbänden, Romanen, Essays und Notizen zu einer „Poetik des Kinematographen“ (2009).

In Anwesenheit von Eugène Green an den beiden ersten Abenden zeigen wir vom 3. - 14. November sein gesamtes bis heute entstandenes filmisches Werk: acht Langfilme und vier kürzere Arbeiten.

november 2018, kino arsenal

Magical History Tour – 
Schrift in Bewegung

Fließende Zeichenkaskaden, rotierende Worte, tänzelnde Buchstaben, gekratzt, gestanzt, doppelbelichtet, einkopiert, animiert – seit Beginn des Kinos werden Schriftzeichen im Film von ihrer ursprünglichen starr-statischen Zeichenhaftigkeit befreit und in unterschiedlichster Weise in Dynamik versetzt. Die in Bewegung geratenen Lettern übernehmen im neuen System höchst unterschiedliche Funktionen: Sie eröffnen oder beschließen Filme, sie fungieren als Kommentar oder als Metapher (des Erzählens), als Informationsträger oder grafisches Element, als dramaturgisches Mittel oder als emotionalisierender Faktor. Schrift im Film eröffnet neue Assoziationsfelder, wirft Fragen nach Sichtbarkeit und Struktur, Wahrnehmung und Materialität, Inszenierung und Innovation auf.

Im November wollen wir dem im Exkurs der Magical History Tour in die bewegte Welt der Buchstaben nachgehen und präsentieren im November Beispiele des frühen Umgangs mit Schrift in Spiel-, Avantgarde- und Experimentalfilmen, „klassischen“ Schrift- und lettristischen Filmen.

november 2018, kino arsenal

Hommage Sergej Paradschanow

Der Regisseur und bildende Künstler Sergej Paradschanow (1924–1990) ist eine der faszinierendsten Figuren des Kinos des 20. Jahrhunderts. Als Sohn armenischer Eltern in Tbilissi geboren und aufgewachsen, hat Paradschanow an der Moskauer Filmhochschule WGIK studiert und zu Sowjetzeiten in der Ukraine, in Georgien, Armenien und Aserbaidschan gearbeitet. Seine Filme sind von den Kulturen, Traditionen, Folkloren und Mythen dieser Länder durchdrungen, beeindrucken noch heute mit ihrer singulären Ausdruckskraft, ihrer unverwechselbaren Originalität, ihren komplexen Bildkompositionen sowie mit ihrer radikal freien filmischen Form. Ab Mitte der 60er Jahre auch international als herausragender Filmemacher gefeiert, stieß Paradschanows künstlerischer Wagemut und seine kulturelle Vielstimmigkeit in der Sowjetunion zunehmend auf Ablehnung. Auf Zensureingriffe folgten Gefängnisaufenthalte und Arbeitsverbot, nach dessen Aufhebung Paradschanow nur noch zwei Langfilme realisieren konnte.

Die zehn Filme umfassende Hommage vom 20.-30. November ermöglicht erstmals nach langer Zeit eine Wiederentdeckung. Präsentiert werden alle erhaltenen acht Langfilme von Paradschanow, darunter seine selten gezeigten frühen Werke. In Kooperation mit dem Paradschanow-Museum in Jerewan (Armenien) wird ab dem 1.12. im Filmmuseum Potsdam eine Ausstellung mit Arbeiten des bildenden Künstlers Paradschanow zu sehen sein.

november 2018, distribution news

"An Elephant Sitting Still"

von Hu Bo, Kinostart: 15. November 2018

Im nordchinesischen Manzhouli soll es einen Elefanten geben, der einfach nur dasitzt und die Welt ignoriert. Manzhouli wird zur fixen Idee für die Helden dieses Films, zum erhofften Ausweg aus der Abwärtsspirale, in der sie sich befinden. Wie Bu, der in Notwehr den Schulschläger Shuai die Treppe hinunterschupst. Shuais Familie will Rache, doch sein Gangster-Bruder hat andere Probleme, als Bu zu jagen; er fühlt sich für den Suizid eines Freundes verantwortlich. Und dann sind da noch Bus Mitschülerin Ling, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, um ihrem lieblosen Zuhause zu entkommen, und Herr Wang, dessen Sohn ihn ins Altersheim abschieben will. Alle ihre Schicksale sind untrennbar miteinander verknüpft.

kino arsenal: Unknown Pleasures #9
 – American Independent Film Fest

19:00 Kino 1


Columbus

Columbus Kogonada USA 2017
Mit Haley Lu Richardson, John Cho, Parker Posey
DCP OF 104 min

kino arsenal: Magical History Tour – 
Improvisation im Film

20:00 Kino 2


Menschen am Sonntag

*Menschen am Sonntag Robert Siodmak, Rochus Gliese, Edgar G. Ulmer
D 1930 restaurierte Fassung 35 mm 74 min

Am Klavier: Eunice Martins
kino arsenal: Unknown Pleasures #9
 – American Independent Film Fest

21:00 Kino 1


The Florida Project

The Florida Project Sean Baker USA 2017
Mit Willem Dafoe, Brooklynn Kimberley Prince
DCP OF 115 min