juni 2020, kino arsenal

Es geht weiter!

Am 1. Juli macht das Kino Arsenal am Potsdamer Platz wieder auf. Wir freuen uns sehr, neben unseren Aktivitäten im Internet (arsenal 3), im Kunstraum (arsenal 4 im silent green) und Open Air (arsenal 5 im HKW) auch im Stammhaus (Arsenal 1 & 2) nach dreieinhalb Monaten Schließzeit wieder ein Programm anbieten und das Kino als öffentlichen Raum des gemeinsamen Erlebens nutzen zu können. Wie immer findet sich auch in diesem Jahr die Retrospektive Andrej Tarkowskij im Doppelprogramm für Juli & August – und doch ist es kein Sommer wie jeder andere. Die Corona-Pandemie dauert an, ihre Auswirkungen auf soziale, kulturelle und politische Praktiken sind deutlich spürbar, die ökonomischen Folgen gravierend. Wir erleben eine veritable Zäsur – mit offenem Ende. Damit wird im laufenden Prozess immer wieder neu umzugehen sein. Planbar ist wenig, fest steht nichts. Eine zeitgemäße Kino-Praxis wird vor diesem Hintergrund flexibel sein müssen und sich nur schrittweise entwickeln können. Unser Streamingbereich Arsenal 3 wird fester Teil davon sein und als „Fußnotenkino“ mit ergänzenden Filmen zu den Programmen in Arsenal 1 und 2 fortgesetzt.

Aufgrund der Fragilität der momentanen Situation und der angesichts von Einnahmeausfällen wirtschaftlich schwierigen Lage des Arsenal nehmen wir den Kinobetrieb vorerst in reduzierter Form wieder auf: an wöchentlich vier Abenden (Mittwoch bis Samstag) im Arsenal 1, mit coronabedingt ca. 70 Plätzen. Das Programm finden Sie hier. Wir führen die im März abgebrochenen Filmreihen fort: Neben Veranstaltungen zum 50. Jubiläum des Berlinale Forums ist das vor allem die Retrospektive „Black Light“, die Greg de Cuir Jr. für das letztjährige Locarno Film Festival kuratiert hat. Unsere auf das US-amerikanische Schwarze Kino fokussierte Auswahl von 13 Filmen, die den Bogen von 1919 bis 1991 spannt, hat an Aktualität in den letzten Wochen nichts eingebüßt, ganz im Gegenteil.

juni 2020, kino arsenal

Online Tickets

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juni 2020, startseite

arsenal 5 im HKW

Do, 16. Juli — So, 23. August 2020

Kino ist Möglichkeitsraum und Handlungsort, auch unter freiem Himmel. Im Rahmen des Festivals "20 Sunsets" des Haus der Kulturen der Welt zeigt das Arsenal an sechs Wochenenden auf der HKW-Dachterrasse Film-Highlights aus dem Archiv. Die Filme führen das Publikum ins Draußen: Sie gehen Bilder sammeln in dem Tourismus geopferten Landschaften. Sie graben Bilder aus der Erde und aus Archiven aus, um sie dorthin zu bringen, wo sie Geschichten erzählen. Sie beobachten Tiere, die kritische Blicke zurück werfen. Sie durchqueren die Wüste. Und schließlich erforschen die Filme das Innere des HKW als Bühne, als inhaltlichen Referenzrahmen und Produktionsort.

Mit Filmen von James Benning, Filipa César, Denis Coté, Thomas Heise, Armin Linke, Maha Maamoun, Hila Peleg, Philip Scheffner, Kidlat Tahimik, Akram Zaatari u.v.a.

Detaillierte Informationen folgen in Kürze

juni 2020, kino arsenal

arsenal 3 – week 13 & 14

How to reappear*: arsenal 3 geht in seiner bisherigen Form in die letzte Runde!

Am 13. März mussten wir unsere Kinosäle am Potsdamer Platz schließen. Bereits eine Woche später konnten wir unser virtuelles Kino arsenal 3 der Öffentlichkeit vorstellen. Seither haben wir sieben Programme mit jeweils rund 20 Filmen aus unserer Sammlung sowie das Latitude-Festival des Goethe-Instituts präsentiert.

Filmemacher*innen, deren Werke von arsenal distribution vertreten werden, haben uns ihre Filme für die Online-Präsentation zur Verfügung gestellt und in ausgiebigen jitsi-Gesprächen mit dem Publikum diskutiert. Durch die gesammelten Spenden können wir ihnen nun Lizenzgebühren auszahlen – noch bis zum 30.6. gibt es die Möglichkeit, die Spendenkasse zu füllen!

Die rege Teilnahme und der große Zuspruch haben uns durch die letzten Monate getragen und dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Auch für den ungeheuren Lernprozess, den wir gerade durchlaufen! Wir haben das Kino schon immer als etwas begriffen, das sich mit jedem Programm neu erfindet. Zudem haben wir jetzt noch einmal sehr deutlich erfahren, welch großen Anteil die Idee kollaborativer Arbeit daran hat. Das impliziert in erster Linie die Filmemacher*innen und Künstler*innen sowie das Publikum, aber auch Produktionsfirmen, Verleiher, Partnerinstitutionen und die Medien. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle der Filmgalerie 451, die einige Titel zur Verfügung gestellt hat, sowie dem silent green Kulturquartier und dem Haus der Kulturen Welt für arsenal 4 bzw. arsenal 5. Mit dem Ausstellungsraum im silent green und dem Freiluftkino im Haus der Kulturen der Welt wird deutlich, wie das Kino als gesellschaftliche und kulturelle Praxis in Bewegung sein kann.

Statt der Filmgespräche zu arsenal 3, die jeweils am Ende eines Programms stattgefunden haben, möchten wir zum Abschluss zu einem großen gemeinsamen Wrap-Up einladen: Besuchen Sie uns am 30. Juni auf jitsi und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit arsenal 3. Wir möchten wissen, ob und wie sich Ihre Idee vom Kino in den letzten Wochen und Monaten verändert hat, was Ihnen an unseren Programmen gefallen oder missfallen hat, und wie es aus Ihrer und Eurer Sicht weitergehen könnte.

Denn weitergehen wird es: Ab 1. Juli werden wir schrittweise arsenal 1 und 2 wieder öffnen. arsenal 3 bleibt bestehen, muss sich dann aber neu erfinden. Derzeit arbeiten wir an der Frage, in welchem Verhältnis unser virtueller Kinosaal zu den analogen Kinosälen stehen kann. In jedem Fall werden wir das Programm künftig nicht mehr auf Spendenbasis anbieten können, wollen jedoch die Bezahlschwelle so niedrig wie möglich halten!

Zum Programm der Wochen 13 & 14: Selten wurde der eigene (und verletzliche) Körper so deutlich im Verhältnis zum Kino wahrgenommen wie in den letzten Monaten. Durch An- oder Abwesenheit, allein oder im Kollektiv. So widmen wir uns im letzten Programm genau diesem Thema. Inspiriert wurde es durch ein kleines Buch mit dem Titel How to disappear, das erstmals 2013 in der von Maha Maamoun und Ala Younis herausgegebenen Reihe Kayfa ta (How to …) erschienen ist. Dem darin enthaltenen Text des Autors Haytham El-Wardany liegt die Erfahrung des unsichtbaren Hörers zugrunde: Zu sehen ist meist nur, wer spricht.

Das trifft nicht nur auf Videokonferenzen zu. Das Publikum im arsenal 3 war für uns nicht sichtbar. Es war da und gleichzeitig nicht da. Wie ein Geist, eine Erinnerung aus der Vergangenheit oder eine Stimme aus der Zukunft.

2010 haben Ayreen Anastas und Rene Gabri erstmals einen Film im Rahmen von Forum Expanded gezeigt, der während der Vorführung im arsenal 1 live im arsenal 2 gedreht und geschnitten wurde (The Meaning of Everything). Nach der Vorführung erschien das Künstler*innenpaar nicht zum Filmgespräch. Das Publikum hat nie erfahren, dass es einem performativen Akt der Produktion beigewohnt hat. 2018 kam ein zweiter Film auf die gleiche Art zur Aufführung: AN UNTIMELY FILM FOR EVERYONE AND NO ONE. Diesmal erschienen Ayreen und Rene anschließend zum Filmgespräch, ohne jedoch zu offenbaren, dass der Film unmittelbar davor im Nebenraum entstanden war. Erst 2020, nach der Vorführung von BORN OF THE ***. ON ZARATHUSTRA’S GOING UNDER FROM CAIRO TO ORAN, wurde die besondere Produktionsweise enthüllt, gefolgt von einer weiteren Aufführung im silent green, bei der Produktion und Schnitt sichtbar über den Köpfen der Zuschauer*innen in der Galerie der Kuppelhalle stattfanden, während der Film gleichzeitig auf der Leinwand zur Aufführung kam.

Mit der zweiteiligen Vorführung von AN UNTIMELY FILM FOR EVERYONE AND NO ONE (in der auch der Philosoph Jean-Luc Nancy zu sehen ist) im arsenal 3 holen wir einen der so entstandenen Filme aus der Welt des Ephemeren und präsentieren ihn einem nicht sichtbaren Publikum. Dazu zeigen wir die ersten 5 Teile ihres neuen Films CONTAGIOUS NEW YORK, den Ayreen Anastas und Rene Gabri derzeit am Rande von Manhattan produzieren. Begegnen können sich Zuschauer*innen und Künstler*innen dann aber doch in einem Filmgespräch auf jitsi.

Darüber hinaus zeigen wir ein Programm, in dem ein queerer Performer durch seine Filmbilder spricht (ESCAPE FROM THE RENTED ISLAND: THE LOST PARADISE OF JACK SMITH), eine unsichtbare Selbstmörderin Schattenreiche der Welt bereist (SUICIDE), Filmfiguren nicht sterben können (CRASH SITE: MY NEVER ENDING BURIAL PLOT), Stimmen längst verstorbener Gefangener auf Schellackplatten zu hören sind (HALFMOON FILES) oder Widerstand gegen den Kolonialismus hinter den Bildern und in den Tönen erscheint (LA ZERDA ET LES CHANTS DE L’OUBLI). „Und für jene, die an Unsichtbarkeit leiden, wird die Kamera zur Waffe werden“, wird Elias Sanbar in der Ankündigung zu OFF FRAME AKA REVOLUTION UNTIL VICTORY zitiert.

Abwesende sprechen durch Bilder, Töne, Objekte und Körper und manifestieren so ihre Anwesenheit. Es können Geister sein oder Projektionen. Es können jene sein, die zum Verstummen gebracht wurden, durch politische Macht, durch Krankheit und Tod, durch Trennung. Sie sind da und gleichzeitig nicht da. Und zum Abschluss, der zugleich ein Neuanfang ist, zeigen wir dem Publikum POR PRIMERA VEZ von Santiago Álvarez.

juni 2020, berlinale forum

Forum Expanded-Arbeiten im arsenal 4

Bild aus ESCAPE FROM MY EYES von Felipe Bragança (2015)

Nachdem die Forum-Expanded-Ausstellung „Part of the Problem“ in der Betonhalle des silent green am 13. März coronabedingt beendet werden musste, präsentieren wir dort nun im arsenal 4 wechselnde installative Arbeiten aus mehreren Forum-Expanded-Jahrgängen. Geöffnet ist jeweils donnerstags bis sonntags von 13:30 bis 17:30 Uhr und noch bis zum 6. September.

Die Auswahl der Werke wurde inspiriert durch 2026, einen Film der Künstlerin Maha Maamoun aus dem Jahre 2010. Der Film ist bis 6. September in der Betonhalle zu sehen. Parallel wird alle 14 Tage wechselnd eine weitere Arbeit gezeigt. Beteiligte Künstler*innen sind neben Maha Maamoun Ayoung Kim, Ashish Avikunthak, Felipe Bragança, Mariam Mekiwi, Iram Ghufran sowie Angela Melitopoulos & Maurizio Lazzarato.

kino arsenal: Magical History Tour – Licht im Film

19:30 Kino 2


Fontane Effi Briest

Fontane Effi Briest Rainer Werner Fassbinder BRD 1974
Mit Hanna Schygulla, Wolfgang Schenck, Karlheinz Böhm, Ulli Lommel
DCP OmE 140 min

kino arsenal: Anna May Wong – Star, Ikone, Grenzgängerin

20:00 Kino 1


Tiger Bay

Tiger Bay J. Elder Wills GB 1934
Mit Anna May Wong, Henry Victor, Rene Ray
35 mm OF 68 min

kino arsenal: Vaginal Davis präsentiert Contemporary Vinegar Syndrome

20:00


Vaginal Davis und Daniel Hendrickson präsentieren 16-mm-Doppelprojektionen

Vaginal Davis und Daniel Hendrickson präsentieren 16-mm-Doppelprojektionen
*Berlinfieber – Wolf Vostell Ulrike Ottinger BRD 1973 11 min
*Die Gesänge Maldorors Terayama Shūji Japan 1977 ohne Dialog 27 min
*David Does Venus Ela Troyano USA 1984-89 engl./span. OF 11 min
…und Überraschungen
Im Fichtebunker, Fichtestraße 6, Berlin-Kreuzberg
♛ Nur für Mitglieder, Mitgliedschaft an der Abendkasse erhältlich