november 2018, kino arsenal

Hommage Sergej Paradschanow

Der Regisseur und bildende Künstler Sergej Paradschanow (1924–1990) ist eine der faszinierendsten Figuren des Kinos des 20. Jahrhunderts. Als Sohn armenischer Eltern in Tbilissi geboren und aufgewachsen, hat Paradschanow an der Moskauer Filmhochschule WGIK studiert und zu Sowjetzeiten in der Ukraine, in Georgien, Armenien und Aserbaidschan gearbeitet. Seine Filme sind von den Kulturen, Traditionen, Folkloren und Mythen dieser Länder durchdrungen, beeindrucken noch heute mit ihrer singulären Ausdruckskraft, ihrer unverwechselbaren Originalität, ihren komplexen Bildkompositionen sowie mit ihrer radikal freien filmischen Form. Ab Mitte der 60er Jahre auch international als herausragender Filmemacher gefeiert, stieß Paradschanows künstlerischer Wagemut und seine kulturelle Vielstimmigkeit in der Sowjetunion zunehmend auf Ablehnung. Auf Zensureingriffe folgten Gefängnisaufenthalte und Arbeitsverbot, nach dessen Aufhebung Paradschanow nur noch zwei Langfilme realisieren konnte.

Die zehn Filme umfassende Hommage vom 20.-30. November ermöglicht erstmals nach langer Zeit eine Wiederentdeckung. Präsentiert werden alle erhaltenen acht Langfilme von Paradschanow, darunter seine selten gezeigten frühen Werke. In Kooperation mit dem Paradschanow-Museum in Jerewan (Armenien) wird ab dem 1.12. im Filmmuseum Potsdam eine Ausstellung mit Arbeiten des bildenden Künstlers Paradschanow zu sehen sein.

november 2018, kino arsenal

Magical History Tour – 
Schrift in Bewegung

Fließende Zeichenkaskaden, rotierende Worte, tänzelnde Buchstaben, gekratzt, gestanzt, doppelbelichtet, einkopiert, animiert – seit Beginn des Kinos werden Schriftzeichen im Film von ihrer ursprünglichen starr-statischen Zeichenhaftigkeit befreit und in unterschiedlichster Weise in Dynamik versetzt. Die in Bewegung geratenen Lettern übernehmen im neuen System höchst unterschiedliche Funktionen: Sie eröffnen oder beschließen Filme, sie fungieren als Kommentar oder als Metapher (des Erzählens), als Informationsträger oder grafisches Element, als dramaturgisches Mittel oder als emotionalisierender Faktor. Schrift im Film eröffnet neue Assoziationsfelder, wirft Fragen nach Sichtbarkeit und Struktur, Wahrnehmung und Materialität, Inszenierung und Innovation auf.

Im November wollen wir dem im Exkurs der Magical History Tour in die bewegte Welt der Buchstaben nachgehen und präsentieren im November Beispiele des frühen Umgangs mit Schrift in Spiel-, Avantgarde- und Experimentalfilmen, „klassischen“ Schrift- und lettristischen Filmen.

november 2018, kino arsenal

A 37 90 89

Das Ausstellungsprojekt A 37 90 89. Die Erfindung der Neo-Avantgarde im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) widmet sich dem 1969 in Antwerpen gegründeten Projektraum A 37 90 89, der auf exemplarische Weise nachfolgende alternative Projekträume, Produzent*innengalerien und partizipative Initiativen beeinflusste. Neben einer Kooperation mit dem zeitgenössischen Projektraum after the butcher umfasst das Projekt ein in Zusammenarbeit mit dem Arsenal realisiertes Filmprogramm und diskursive Veranstaltungen sowie Zeitzeugengespräche. Bis zum Januar 2019 wird monatlich ein Filmabend im Arsenal stattfinden. Den Auftakt bildet ein Programm am 22. November: NOW! (Santiago Álvarez, Kuba 1965) ist ein aus Standfotos zusammengesetzter Montagefilm über die Diskriminierung der Schwarzen in den USA, rhythmisch geschnitten nach dem gleichnamigen Lied. MADINA BOÉ (José Massip, Kuba 1968) dokumentiert den Befreiungskampf von Guinea-Bissau aus der portugiesischen Kolonialherrschaft. Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds.

november 2018, kino arsenal

Französische Filmwoche – Special: 
LE LIVRE D’IMAGE

Vom 1.-5. Dezember präsentiert das Arsenal im Rahmen der Französischen Filmwoche vier bemerkenswerte aktuelle französische Dokumentarfilme, die auf renommierten internationalen Festivals gezeigt wurden, aber bislang keinen deutschen Verleih gefunden haben. Die ausgewählten Werke spiegeln die visuelle und thematische Bandbreite, die das Dokumentarfilmschaffen Frankreichs auszeichnet, und das soziale Engagement ihrer Regisseur*innen.

Als Special wird vorab am 29. November Jean-Luc Godards LE LIVRE D’IMAGE (Schweiz/Frankreich 2018), das jüngste dieses Jahr in Cannes uraufgeführte Werk des 87-Jährigen gezeigt. Das jüngste, dieses Jahr in Cannes uraufgeführte Werk des 87-jährigen Jean-Luc Godard ist ein weiterer Mosaikstein in seiner lebenslangen Beschäftigung mit dem Verhältnis von Bild und Sein. Abermals denkt er die Kinoregeln neu: Auf Stummfilmszenen folgen Hinrichtungsvideos aus dem Internet, Bilder werden verfremdet und in ein dissonantes Verhältnis zum mehrstimmigen und -sprachigen Ton gesetzt. In fünf Kapitel eingeteilt, reflektiert Godard nicht zuletzt über die gesellschaftlichen wie politischen Hauptthemen der letzten Jahre, etwa die Folgen des Arabischen Frühlings und die Macht der digitalen Techniken. „Um die Geschichte einer einzigen Sekunde zu erzählen, brauche ich einen ganzen Tag“, spricht Godards Stimme aus dem Off. „Um die Geschichte einer Stunde zu erzählen, brauche ich ein ganzes Leben.“

Mit freundlicher Unterstützung des Institut français.

november 2018, distribution news

"An Elephant Sitting Still"

von Hu Bo, Kinostart: 15. November 2018

Im nordchinesischen Manzhouli soll es einen Elefanten geben, der einfach nur dasitzt und die Welt ignoriert. Manzhouli wird zur fixen Idee für die Helden dieses Films, zum erhofften Ausweg aus der Abwärtsspirale, in der sie sich befinden. Wie Bu, der in Notwehr den Schulschläger Shuai die Treppe hinunterschupst. Shuais Familie will Rache, doch sein Gangster-Bruder hat andere Probleme, als Bu zu jagen; er fühlt sich für den Suizid eines Freundes verantwortlich. Und dann sind da noch Bus Mitschülerin Ling, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, um ihrem lieblosen Zuhause zu entkommen, und Herr Wang, dessen Sohn ihn ins Altersheim abschieben will. Alle ihre Schicksale sind untrennbar miteinander verknüpft.

kino arsenal: Retrospektive Pietro Germi

18:00 Kino 1


Il ferroviere

Il ferroviere Das rote Signal Italien 1956
Mit Pietro Germi, Sylva Koscina, Saro Urzì
35 mm OmE 118 min

kino arsenal: Magical History Tour: Production Design

19:00 Kino 2


Les enfants du paradis

Les enfants du paradis Kinder des Olymp Marcel Carné F 1945
Mit Arletty, Jean-Louis Barrault, Pierre Brasseur 35 mm OmE 182 min

kino arsenal: Retrospektive Pietro Germi

20:15 Kino 1


Sedotta e abbandonata

Sedotta e abbandonata Verführung auf Italienisch
Italien/F 1964 Mit Stefania Sandrelli, Saro Urzì
35 mm OmE 123 min