november 2021, kino arsenal

Werkschau 
Helma Sanders-Brahms

Helma Sanders-Brahms war eine der bedeutendsten deutschen Filmemacherinnen der Nach-kriegszeit. Vom 22.-27.11. würdigt eine Werkschau mit sieben ausgewählten Filmen aus dem umfangreichen Schaffen der Regisseurin überblickshaft ihr Werk. Sie war sowohl im Spiel- wie im Dokumentarfilmgenre zuhause, drehte Historisches ebenso wie Gegenwartsthemen, unter die Haut gehende Dramen sowie politische Satiren. Eigenwillige Biografien über Künstlerpersönlichkeiten ziehen sich ebenso durch das Werk wie fiktive Frauenporträts, die wie im Brennglas gesellschaftliche und politische Missstände sichtbar machen. So persönlich motiviert viele ihrer Filme sind, so subjektiv und emotionalisierend der Zugriff, so sind sie doch allesamt genuin politisch. Nicht selten trafen sie geradezu schmerzhaft den Nerv der Zeit, was immer auch Ablehnung hervorrief.

november 2021, kino arsenal

Werkschau Leos Carax

Leos Carax (1960 als Alexandre Oscar Dupont geboren) kann mit Fug und Recht als Ausnahme-Filmemacher bezeichnet werden. Vom einstigen Regiewunderkind der frühen 80er Jahre hat er sich zu einem kontrovers diskutierten Protagonisten des internationalen Autorenfilms entwickelt und bis heute eine Sonderstellung im französischen Kino inne. Euphorisch gefeiert oder entschieden abgelehnt umgeben den großen Einzelgänger viele Legenden, nicht zuletzt seit der aufsehenerregenden Produktionsgeschichte von LES AMANTS DU PONT-NEUF, wo er Budget und Zeitplan bei weitem überschritt. Nur sechs Langfilme hat Carax in knapp 40 Jahren gedreht. Sein schmales Werk ist jedoch überaus reich an Attraktionen und Obsessionen. Exzessiv in den Mitteln, radikal stilisiert und von großer Wucht lassen sich seine Filme auf kein Genre festlegen. Sie bersten vor visuellen und akustischen Einfällen und zeugen von einem außerordentlichen Ideenreichtum, der die Überdosis nicht scheut und mit zahlreichen cinephilen Verweisen und filmgeschichtlichen Bezugnahmen aufwartet. Carax’ großes Thema ist die unglückliche Liebe, sein bevorzugter Schauplatz die Stadt Paris. Denis Lavant fungiert als sein Alter Ego, die von ihm verkörperten Figuren tragen die Vornamen des Filmemachers: Alex und Oscar.

Anlässlich der Berlinpremiere von Annette, dem aktuellen Film von Leos Carax, zeigt das Arsenal im Rahmen der Französischen Filmwoche vom 27.11. bis 1.12. eine Werkschau seiner zwischen 1983 und 2012 entstandenen fünf Langfilme.

november 2021, kino arsenal

arsenal 3: Werke von diesjährigen Stipendiatinnen aus dem Arsenal-Verleih

Begleitend zum Künstlerinnenprogramm zeigen wir auf arsenal 3 im November parallel zu den Vorstellungen in unserem Kino frühere Arbeiten von diesjährigen Stipendiatinnen, die über die Jahre Eingang in unser Filmarchiv gefunden haben. Deborah Phillips’ analoge Filme MOSAIC (Deutschland 2001) und 71 (Deutschland 2005) entfalten mittels einer Collagetechnik von sich überlagernden Ornamenten und Details, Mehrfachbelichtungen und Überblendungen einen malerisch-abstrakten, lyrischen Bilderrausch. Sabine Schöbels auf Super-8 realisierte Filme LUPINEN LÖSCHEN (Deutschland 2006) und EZB 2011–2012 (Deutschland 2014) werfen einen eigenwilligen Blick auf die Welt: LUPINEN LÖSCHEN handelt von der Schönheit und dem Schrecken eines nicht ganz alltäglichen Malheurs und den Umständen seines Verschwindens. EZB 2011–2012 dokumentiert den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt während der Finanzkrise. In Juliane Henrichs SCHLEIFEN (Deutschland 2014) enthüllt eine detaillierte Untersuchung der Architektur in einem kleinen deutschen Dorf langsam ein unheimliches Gefühl der Verdrängung und Auslöschung. AUS WESTLICHEN RICHTUNGEN (Juliane Henrich, Deutschland 2016) ist eine filmische Reflexion über den unscharfen Begriff „West-Deutschland“ und den damit verbundenen Bildern. Justin Times Female-zu-Female-Performance TOSS IT BABY! (D 2007) analysiert den medialisierten Zwang zu Schönheit und „Happyness“. Das experimentell-dokumentarische Roadmovie CHASING HOUSES (Justin Time, Deutschland 2017) folgt Mobile Homes auf ihrem Weg über den US-amerikanischen Highway und verbindet die grandiose Weite des Westens mit den fragilen Biografien ihrer Bewohner*innen. Anna Faroqhi und Haim Peretz werfen in ihren dokumentarischen Animationsfilmen DARSTELLUNGEN VON FLUCHT (Deutschland 2016) und LANAS GESCHICHTE (Deutschland 2017) ein berührendes und eindringliches Licht auf die Lebensrealität von Geflüchteten. Das nicht sichtbare Lichtspektrum – das, was gefühlt, aber nie gesehen wird – wird in dem aus kurzen Vignetten unterschiedlicher Technik und Materialität komponierten Essayfilm UNTITLED SEQUENCE OF GAPS (Vika Kirchenbauer, Deutschland 2020) zum Mittel der Annäherung an traumabedingten Gedächtnisverlust.

kino arsenal: Werkschau Leos Carax

19:00 Kino 1


Mr. X – Le cinéma de Leos Carax

Mr. X – Le cinéma de Leos Carax
Tessa Louise-Salomé F 2014
DCP OmE 70 min

kino arsenal: Werkschau Leos Carax

20:30 Kino 1


Holy Motors

Holy Motors Leos Carax F/D 2012
Mit Denis Lavant, Edith Scob,
Kylie Minogue, Eva Mendes, Michel Piccoli
35 mm OmU 116 min