April 2016, kino arsenal

Living Archive: 
Neueröffnung

silent green ©Cordia Schlegelmilch

Es ist so weit! Unser neues Domizil für eine lebendige Archivpraxis ist bezogen. 10.000 Filme liegen in Regalen, die Schneidetische sind eingerichtet, an den Wänden hängen Plakate, die Maria Eichhorn einst für ihre Arbeit 23 Kurzfilme / 23 Filmplakate mit Blick auf unsere Sammlung hergestellt hat. Geschichte und Gegenwart des Arsenal erhalten eine neue Perspektive und das feiern wir – wie immer mit dem Publikum!

Im silent green im Wedding können, umgeben von Produktions-, Veranstaltungs-, Austellungs- und Seminarräumen sowie einem Restaurant, analoge und digitale Filme unter fachlicher Betreuung gesichtet und erforscht werden. Unsere neuen Nachbarn im denkmalgeschützten ehemaligen Krematorium planen wie wir das konzeptionelle Befragen und Bearbeiten der Produktion, Präsentation und Partizipation von Kunst und Kultur, darunter das Harun-Farocki-Institut, SAVVY Contemporary, das Musicboard Berlin, das Label !K7 sowie das silent green selbst, u.a. mit dem langfristig angelegten Projekt "Film Feld Forschung".

Die neuen Denk- und Möglichkeitsräume erweitern die Arbeit in unseren beiden Kinos am Potsdamer Platz: Der Umzug dient nicht nur der besseren Lagerung, sondern der Verstetigung der Idee eines lebendigen Archivs. Jedes Archiv ist nur so relevant wie sein Bezug zur Gegenwart, und die besteht mehr denn je in einer Öffnung zur Welt: Als "Living Archive" bezeichnen wir die filmarchivarische Praxis des Arsenal, die internationale (Wissens-)Produktion und Rezeption stets mit im Blick hat.

Seit den 60erJahren wuchs die Sammlung als Spiegel einer sich verändernden Welt: Filme aus Lateinamerika, afrikanisches Kino, amerikanische Avantgarde, das Filmland Indien oder das Hongkongkino wurden nach und nach für das hiesige Publikum erschlossen. Nach dem Mauerfall erwarb das Arsenal gefährdete Filmbestände der Sowjetarmee, in den letzten Jahren fanden rund 80 Kurz- und Langfilme aus arabischen Ländern Eingang in die Sammlung.

Viele Filme sind vergessen oder waren ihrer Zeit voraus und erhalten erst im Nachhinein Bedeutung. Sie teilen ein Moment der Utopie: Jeder Film kann als Versuch einer Ästhetik des Kinos gesehen werden, die sich als gesellschaftliche und politische Praxis der Gegenwart versteht und in die Zukunft hineinwirken möchte. Vor diesem Hintergrund dienen Digitalisierung, Restaurierung und Zugänglichmachung nicht einfach der Erschließung von Filmgeschichte, sondern ihrer kritischen Neubewertung sowie unserer Selbstreflexion als (westliche) Filminstitution, die sie gesammelt hat. Gemeinsam mit der Öffentlichkeit lassen sich über die Kinoarbeit hinaus neue Zusammenhänge und Perspektiven herstellen.

Zur Eröffnung spricht u.a. Prof. Vinzenz Hediger, der an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main den Masterstudiengang "Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation" aufgebaut hat, über gegenwärtige Perspektiven zum Begriff "Kulturerbe". Natürlich gibt es auch Filme, Musik und Überraschungen aus dem Moos Restaurant!

Unser größter Dank gilt den Begründer_innen des silent green Jörg Heitmann und Bettina Ellerkamp, ohne deren unschätzbare Großzügigkeit und Unterstützung dieser Schritt niemals möglich gewesen wäre. Wir danken auch dem Goethe-Institut, das es Stipendiat_innen ermöglicht, im Archiv des Arsenal, am Harun-Farocki-Institut und im Rahmen von "Film Feld Forschung" zu recherchieren. Und wir danken allen Projektteilnehmer_innen und Kurator_innen der Projekte "LIVE FILM! JACK SMITH! Five Flaming Days in A Rented World" (gefördert vom HKF), "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" (KSB und LOTTO-Stiftung Berlin) sowie "Visionary Archive" (KSB/TURN): Sie alle haben dazu beigetragen, dass unser Archiv so lebendig werden konnte. Dank natürlich auch denjenigen, die es mit aufgebaut haben, allen voran Erika und Ulrich Gregor, sowie allen Filmschaffenden weltweit, deren kostbare Arbeiten das Archiv beleben. (stss)  (12.4., im silent green, Gerichtstr. 35, Wedding)

kino arsenal: Living Archive: 
Neueröffnung

19:00


Living Archive Neueröffnung

Living Archive Neueröffnung im silent green, Gerichtstr. 35, Wedding

Mit Gastbeiträgen, Filmen und anschließender Party
kino arsenal: ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin

19:00 Kino 1


Mother of the Unborn

Mother of the Unborn Nadine Salib Ägypten/VAE 2014
DCP OmE 85 min

Anschließend Gespräch mit Nadine Salib
kino arsenal: Magical History Tour – 
Räume in Filmen

20:00 Kino 2


A Londoni férfi

A Londoni férfi The Man from London Béla Tarr
Ungarn/F/D 2007 Mit Tilda Swinton, Ági Szirtes
35 mm OmU 132 min

kino arsenal: ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin

21:00 Kino 1


Alexandria… Why?

Alexandria… Why? Youssef Chahine
Ägypten/Algerien 1979 DVD OmE 133 min