Oktober 2018, kino arsenal

Wolf-Eckart Bühler: LEUCHTTURM DES CHAOS & DER HAVARIST

LEUCHTTURM DES CHAOS, 1982 (©Filmmuseum München)

Als Epilog zur Hollywood-Blacklist-Retrospektive vom September zeigen wir zwei außergewöhnliche Filme von Wolf-Eckart Bühler, die sich anhand der Biografie von Sterling Hayden intensiv mit der Schwarzen Liste und deren Folgen beschäftigen. Hayden war Seefahrer, Kriegsheld, Hollywoodstar, Schriftsteller und FBI-Denunziant. Beeindruckt von diesem Leben machte sich der Regisseur und Redakteur der „Filmkritik“, Wolf-Eckart Bühler, auf die Suche nach Hayden, um mit ihm über eine Verfilmung seiner Autobiografie „Wanderer“ zu sprechen. Er findet ihn auf einer Barkasse im französischen Besançon. Das unmittelbare Ergebnis dieser Zusammenkunft, LEUCHTTURM DES CHAOS (BRD 1982, 3.10.), ist jedoch nicht die Verfilmung des Buches, sondern ein furioser Dokumentarfilm über und mit Sterling Hayden. Sieben Tage verbringt das Filmteam mit ihm. Es wird viel über das Meer gesprochen, die Seefahrt, über seine Alkoholsucht. Das zentrale Thema des Films ist jedoch Haydens Aussage vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe zu Beginn der 50er Jahre. Hayden trat nach dem Zweiten Weltkrieg kurz der Kommunistischen Partei bei und sah sich dann im Zuge der antikommunistischen Hexenjagd gezwungen, vor dem berüchtigten Komitee Namen von anderen Kommunisten zu nennen. Eine Entscheidung, die er sein Leben lang zutiefst bereute.

Ein Jahr später kondensiert Wolf-Eckart Bühler dann mit DER HAVARIST (BRD 1983, 4.10.) seine Essenz aus Haydens Autobiografie „Wanderer“. Mit Burkhard Driest, Rüdiger Vogler und Hannes Wader interpretieren gleich drei Schauspieler verschiedene Momente aus Haydens Leben, wobei auch hier die Zeit der Blacklist und seine Aussage vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe das Zentrum dieses Films darstellt. „Literaturverfilmung, Tiefenanalyse, politisches Lehrstück, Exkurs in den Film noir, im Geiste von Straub & Huillet, von Brecht, Peter Weiss und Kellers ‚Der grüne Heinrich‘. Ein politischer Film – heute sogar mehr denn je. Anpassung und Selbstverrat sind überall.“ (Alf Mayer) Beide Filme werden von Wolf-Eckart Bühler vorgestellt. (hb)

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