Juli 2015, kino arsenal

Retrospektive 
Andrej Tarkowskij

NOSTALGHIA, 1983

Tarkowskij im Sommer – seit mehr als 25 Jahren ist das eine lieb gewordene Tradition für uns und unser Publikum. Wir zeigen im Juli und August die sieben langen Filme und den mittellangen Diplomfilm des russischen Regisseurs Andrej Tarkowskij (1932–1986), von dessen monumentalem Werk eine anhaltende Faszination ausgeht.

Tarkowskijs Abschlussarbeit an der staatlichen Filmhochschule KATOK I SKRIPKA (Die Walze und die Geige, UdSSR 1960) zeigen wir zusammen mit seinem letzen Film OFFRET(Opfer, Schweden/Frankreich 1986, 18.7. & 29.8.). KATOK I SKRIPKA zeigt einen Tag im Leben des verträumten Sascha, der seine Geige dem Fußballspiel vorzieht und deshalb von seinen Kameraden verspottet wird. Die Abgeschiedenheit einer einsamen Insel ist Schauplatz von OFFRET. Hier finden die Geburtstagsfeierlichkeiten für den 50-jährigen Alexander statt, als die Nachricht eines Atomschlags über die Feiernden hereinbricht. Tarkowskij gelingt in seiner wort- und bildgewaltigen Vision die Verbindung von poetischer Filmsprache und philosophisch-religiösem Diskurs.

IWANOWO DETSTWO (Iwans Kindheit, UdSSR 1962, 19. & 28.7.) schildert "die Geschichte eines Charakters, der vom Krieg geboren und von ihm verschlungen wird" (A.T.). Der zwölfjährige verwaiste Iwan stößt während des Zweiten Weltkriegs im Dnjepr-Gebiet zur Roten Armee und ist nicht davon abzubringen, als Späher und Kurier für die sowjetischen Truppen hinter den feindlichen Linien eingesetzt zu werden. Kunstvoll überlagert Tarkowskij das Geschehen des Films mit Iwans Träumen, Erinnerungen und Fantasien.

In ANDREJ RUBLJOW (UdSSR 1966–69, 31.7. & 7.8.) treffen Künstler und Staatsmacht unversöhnlich aufeinander. Der in acht Kapitel gegliederte, monumentale Cinemascope-Film zeigt den legendären Ikonenmaler Rubljow (ca. 1360–1430) als humanistischen, aufgeklärten Künstler an der Schwelle zur Neuzeit. Menschenverachtende Macht- und Kriegspolitik seiner Auftraggeber stürzen ihn in eine tiefe schöpferische Krise, gleichzeitig werden sie aber auch zur Triebfeder für die Auseinandersetzung mit der komplexen Position des Künstlers in der Gesellschaft.

SOLARIS (UdSSR 1972, 24.7. & 2.8.) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem. Im Mittelpunkt steht die Reise des Psychologen Kelvin, der zum meerbedeckten Planeten Solaris geschickt wird, um die rätselhaften Vorkommnisse auf der dortigen Forschungsstation zu untersuchen. Nach und nach erkennt Kelvin, dass der geheimnisvolle Ozean auf Solaris die Träume, Ängste und Schuldgefühle der Männer der Raumstation zu materialisieren vermag.

SERKALO (Der Spiegel, UdSSR 1975, 16. & 23.8.) In dem stark autobiografisch bestimmten Film gibt der Protagonist sein Leben, seine Erinnerungen, seine Ängste und Obsessionen preis. Er ist Sohn geschiedener Eltern, auf der Suche nach der verlorenen Zeit und nach der eigenen Identität. Sein privates Schicksal ist verbunden mit den gesellschaftlichen Erschütterungen und Umbrüchen der Sowjetunion zwischen 1930 und den 70er Jahren.

STALKER (UdSSR 1980, 14. & 21.8.) Unter der Führung eines Ortskundigen, der am Rande der Welt in einer verfallenen Industrielandschaft lebt, begeben sich ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller in die mysteriöse "Zone", wo es angeblich einen Ort geben soll, an dem die geheimsten Wünsche in Erfüllung gehen. Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten, ins Imaginäre, ins Schweigen.

NOSTALGHIA (Italien 1983, 26.7. & 9.8.) "Ich wollte von der russischen Form der Nostalgie erzählen, von jenem für unsere Nation so spezifischen Seelenzustand, der in uns aufkommt, wenn wir fern der Heimat sind." Fern der Heimat ist ein russischer Schriftsteller, der nach Italien gekommen ist, um Material über einen italienischen Komponisten zu sammeln, dessen Biografie er schreiben will. Hier überkommt ihn jedoch eine übermächtige Sehnsucht nach der geografischen wie spirituellen Heimat.

kino arsenal: Film:ReStored_04. Das Filmerbe-Festival

10:00 Kino 1


Vorträge

Impulsreferat und anschließendes Podiumsgespräch von Claudia Zeitler (FFA) : Die neue Digitalisierungsoffensive: „Förderprogramm Filmerbe“
Podium: Laura Holtorf (Wim Wenders Stiftung), Peter Fries (Omnimago, Ingelheim), Martin Koerber (Deutsche Kinemathek, Berlin), Thomas Worschech (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt), Moderation: Christiane Peitz (Tagesspiegel-Redakteurin)
11.30: Vortrag von Anna Sienkiewicz –Rogowska (Filmoteka Narodowa – Instytut Audiowizualny (FINA), Warschau): A Decade of Changes: Financing, Organisation and Technology. The National Film Archive – Audiovisual Institute as a Competence Centre in the Digitisation of Audiovisual Collections. In englischer Sprache
13.30: Vortrag von Oliver Danner (Tonrestaurator): Einführung in die Erhaltung historischer Tonspuren.
14.00: Werkstattbericht von Anke Mebold (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt): Sprossenton Vielfarbig – Tücken der Tondigitalisierung
14.30: Werkstattbericht von Anke Mebold (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt), Oliver Hanley (Filmuniversität Babelsberg), Oliver Danner (Tonrestaurator): Den Ton aus vollem Halse schmettern (können?) – Die Restaurierung des tönenden Stummfilms von „Die Jagd nach der Million“

kino arsenal: Film:ReStored_04. Das Filmerbe-Festival

16:00 Kino 1


Die Jagd nach der Million

Die Jagd nach der Million Max Obal
D 1930 DCP 91 min

kino arsenal: Film:ReStored_04. Das Filmerbe-Festival

18:00 Kino 1


Gigant Berlin

Gigant Berlin Leo de Laforgue
BRD 1964 DCP 87 min

Einführung: Dirk Förstner (Bundesarchiv, Berlin)
kino arsenal: Spring on the Korean Peninsula: Koreanisches Kino 1934–1962

19:00 Kino 2


Ji-ok-hwa / A Flower in Hell

Ji-ok-hwa / A Flower in Hell Shin Sank-ok
Republik Korea 1958 35 mm OmE 86 min

kino arsenal: Spring on the Korean Peninsula: Koreanisches Kino 1934–1962

21:00 Kino 1


Eoneu yeodaesaengui gobaek / A College Woman’s Confession

Eoneu yeodaesaengui gobaek / A College Woman’s Confession
Shin Sang-ok Republik Korea 1958
35 mm OmE 121 min