August 2021, kino arsenal

Retrospektive Andrej Tarkowskij

IWANOWO DETSTWO, 1962

Tarkowskij im Sommer – seit 40 Jahren ist das eine lieb gewordene Tradition für uns und unser Publikum. Wir zeigen im Juli und August die sieben langen Filme des russischen Regisseurs (1932–1986), von dessen monumentalem Werk eine anhaltende Faszination ausgeht.

IWANOWO DETSTWO (Iwans Kindheit, UdSSR 1962, 15. & 22.7.) schildert „die Geschichte eines Charakters, der vom Krieg geboren und von ihm verschlungen wird“ (Andrej Tarkowskij). Der zwölfjährige verwaiste Iwan stößt während des Zweiten Weltkriegs im Dnjepr-Gebiet zur Roten Armee und ist nicht davon abzubringen, als Späher und Kurier für die sowjetischen Truppen hinter den feindlichen Linien eingesetzt zu werden. Kunstvoll überlagert Tarkowskij das Geschehen des Films mit Iwans Träumen, Erinnerungen und Fantasien.

ANDREJ RUBLJOW (UdSSR 1966–69, 16. & 24.7.) Der in acht Kapitel gegliederte, monumentale Film zeigt den legendären Ikonenmaler Rubljow (ca. 1360–1430) als humanistischen, aufgeklärten Künstler an der Schwelle zur Neuzeit. Menschenverachtende Macht- und Kriegspolitik seiner Auftraggeber stürzen ihn in eine tiefe schöpferische Krise, gleichzeitig werden sie aber auch zur Triebfeder für die Auseinandersetzung mit der komplexen Position des Künstlers in der Gesellschaft.

SOLARIS (UdSSR 1972, 17.7. & 5.8.) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem. Im Mittelpunkt steht die Reise des Psychologen Kelvin, der zum meerbedeckten Planeten Solaris geschickt wird, um die rätselhaften Vorkommnisse auf der dortigen Forschungsstation zu untersuchen. Nach und nach erkennt Kelvin, dass der geheimnisvolle Ozean auf Solaris die Träume, Ängste und Schuldgefühle der Männer der Raumstation zu materialisieren vermag.

NOSTALGHIA (Italien/UdSSR 1983, 18. & 27.7.) „Ich wollte von der russischen Form der Nostalgie erzählen, von jenem für unsere Nation so spezifischen Seelenzustand, der in uns aufkommt, wenn wir fern der Heimat sind.“ Fern der Heimat ist ein russischer Schriftsteller, der nach Italien gekommen ist, um Material über einen italienischen Komponisten zu sammeln, dessen Biografie er schreiben will. Hier überkommt ihn jedoch eine übermächtige Sehnsucht nach der geografischen wie spirituellen Heimat.

STALKER (UdSSR 1980, 20. & 23.7.) Unter der Führung eines Ortskundigen, der am Rande der Welt in einer verfallenen Industrielandschaft lebt, begeben sich ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller in die mysteriöse „Zone“, wo es angeblich einen Ort geben soll, an dem die geheimsten Wünsche in Erfüllung gehen. Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten, ins Imaginäre, ins Schweigen.

SERKALO (Der Spiegel, UdSSR 1975, 25.7. & 8.8.) In dem stark autobiografisch bestimmten Film gibt der Protagonist sein Leben, seine Erinnerungen, seine Ängste und Obsessionen preis. Er ist Sohn geschiedener Eltern, auf der Suche nach der verlorenen Zeit und nach der eigenen Identität. Sein privates Schicksal ist verbunden mit den gesellschaftlichen Erschütterungen und Umbrüchen der Sowjetunion zwischen 1930 und den 70er Jahren.

OFFRET(Opfer, Schweden/Frankreich/GB 1986, 3. & 15.8.) Die Abgeschiedenheit einer einsamen Insel ist Schauplatz von Andrej Tarkowskijs letztem Film. Hier finden die Geburtstagsfeierlichkeiten für den 50-jährigen Alexander statt, als die Nachricht eines Atomschlags über die Feiernden hereinbricht. Tarkowskij gelingt in seiner wort- und bildgewaltigen Vision die Verbindung von poetischer Filmsprache und philosophisch-religiösem Diskurs.

kino arsenal: Archival Assembly #1

09:30 silent green Kulturquartier


Symposium „After the Archive“

Symposium „After the Archive“
in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität Frankfurt

9.30–9.45h Einführung mit Sonia Campanini (Goethe-Universität Frankfurt), Stefanie Schulte Strathaus 

9.45–10h
Grußwort: Andreas Görgen (Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt)

10–11.30h
Transnational Cooperation and Decolonial Strategies in Film Culture Institutions
Mit: June Givanni (Pan African Cinema Archive), Giovanna Fossati (Eye Filmmuseum, University of Amsterdam), Erica Carter (King’s College London), Tom Rice (University of St Andrews), Brigitta Kuster (Humboldt-Universität Berlin), Rebecca Ohene-Asah (National Film and Television Institute [Accra-Ghana]), Moderation: Stefanie Schulte Strathaus

11.45–12.45h
Transnational Cooperation and Decolonial Strategies in Film Culture Institutions – Project „Film Culture and Archival Studies“ Master’s Program (University of Jos, Nigerian Film Corporation)
Mit: Chidia Maduekwe (Nigerian Film Corporation), Jeremiah Methuselah (National Film Institute, Nigeria), Tanko Ishaya (University of Jos), Nancy King (University of Jos), Ellen Harrington (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum), Stefanie Schulte Strathaus, Didi Cheeka (Lagos Film Society), Moderation: Vinzenz Hediger (Goethe-Universität Frankfurt)

14–15.30h
What Do We Train for? Future Roles in Film Archiving and Curating
Mit: Ellen Harrington, Michael Loebenstein (Österreichisches Filmmuseum), Nancy King, Juana Suárez (New York University), Pablo La Parra Pérez (Elías Querejeta Zine Eskola), Simone Venturini (Università degli Studi di Udine), Moderation: Sonia Campanini

15.45–17.15h
Film Curatorship Between Theory and Practice
Mit: Janet McCabe (Birkbeck University of London), Marc-André Schmachtel (Goethe-Institut), Stefanie Schulte Strathaus, Madhusree Dutta (Akademie der Künste der Welt Köln), Aboubakar Sanogo (Carleton University, African Film Festival of Ottawa), Jihan El-Tahri (Dox Box), Moderation: Erica Carter

 

Eintritt frei, Anmeldung unter archive@arsenal­-berlin.de
kino arsenal: Archival Assembly #1

19:00 Kino 1


Kulba na barna

Kulba na barna Brendan Shehu Nigeria 1992
35 mm OmE 104 min 
Kopie aus dem National Film, Video and Sound Archive der Nigerian Film Corporation (NFC), Jos

Zu Gast: Didi Cheeka (Lagos Film Society)
kino arsenal: Archival Assembly #1

22:00 Open­-Air­-Kino im Haus der Kulturen der Welt


Töchter zweier Welten

*Töchter zweier Welten Serap Berrakkarasu BRD 1990
DCP OmE 60 min
Premiere der digital restaurierten Fassung